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Mittwoch, 24.05.2017
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Gehirn: „Polizei“ für Immunsystem entdeckt

Endocannabinoide halten Abwehr unter Kontrolle

Wie das Immunsystem im Gehirn unter Kontrolle gehalten wird, haben jetzt Magdeburger Mediziner aufgedeckt. Der neu entschlüsselte Mechanismus wird von so genannten Endocannabinoiden kontrolliert und ist wahrscheinlich auch bei entzündlichen Nervenzellerkrankungen, wie der Multiplen Sklerose, beteiligt.
Das menschliche Gehirn

Das menschliche Gehirn

Endocannabinoide wurden erst im letzten Jahrzehnt entdeckt und sind körpereigene Bindungspartner an Cannabinoid-Rezeptoren, die in verschiedenen Formen im Nerven- und Immunsystem vorkommen. Dieses System ist wahrscheinlich uralt und wird sogar schon von Pflanzen zur Signalübertragung bei Schutz- und Abwehrreaktionen verwendet.

Während bisher gut bekannt war, dass Endocannabinoide stark in die Regulation der Nervenzellfunktion eingebunden ist, gelang den Magdeburger Forschern um Professor Oliver Ullrich vom Institut für Immunologie der Otto-von-Guericke-Universität nun der Nachweis, dass auch das Immunsystem im Gehirn unter der Kontrolle von Endocannabioiden steht.

"Denn bei Schadensprozessen im Gehirn werden diese Endocannabinoide in großen Mengen freigesetzt und schlagen dort Alarm", erläutert Ullrich in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Neuron". Das wiederum lockt so genannte Mikrogliazellen an, die an den Ort der Schädigung wandern, um dort normalerweise helfend einzugreifen. Hier sorgen nun die Endocannabinoide dafür, dass diese Mikrogliazellen in Schach gehalten werden, damit es zu keiner für das Nervengewebe gefährlichen Überreaktion des Immunsystems kommt.


Mechanismus mit wichtiger Rolle bei Multipler Sklerose


Wie diese Kontrolle nun auf molekularer Ebene funktioniert, konnten Ullrich und sein Team in ihrer aktuellen Studie aufklären. Aber noch viel mehr, sie konnten durch Experimente am lebenden Hirngewebe zeigen, dass es durch einen Eingriff in das Endocannabinoidsystem möglich ist, Nervenzellen vor entzündungsbedingter Schädigung zu schützen, also in einer Situation, wie sie beispielsweise bei der Multiplen Sklerose vorkommt.

Tatsächlich fanden die Wissenschaftler in Geweben von Patienten mit Multipler Sklerose auch deutliche Hinweise, dass dieser Mechanismus dort eine Rolle spielt. "Unsere Ergebnisse machen Hoffnung, bald viel effektiver und spezifischer in Entzündungsmechanismen im Gehirn eingreifen zu können, als das bisher möglich war", freut sich Ullrich.

Die Studie entstand in einer Kooperation der Neuroimmunologen mit dem Institut für Neuropathologie und dem Institut für Pathologie der Medizinischen Fakultät Magdeburg sowie Forschungseinrichtungen in Berlin, Seattle und New York.
(idw - Universität Magdeburg, 06.01.2006 - DLO)
 
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