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Freitag, 20.01.2017
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Signalgeber für DNA-Reparatur entdeckt

Wichtige molekulare Grundlagen bei der Beseitigung von Fehlern im Erbgut ermittelt

Einen molekularen "Schalter", der die Reaktion der Zelle auf Schäden am Erbmolekül DNA reguliert, hat jetzt ein internationales Wissenschaftler-Team entdeckt. Die Forscher haben damit einen entscheidenden Beitrag zum Verständnis der molekularen Grundlagen der DNA-Reparatur geliefert.
DNA-Strang

DNA-Strang

Wenn die DNA beispielsweise durch ultraviolette Strahlung der Sonne beschädigt wird, so verhindert dies den ungestörten Ablauf der DNA-Verdopplung. Um die beschädigte Stelle zu umgehen, muss die Zelle spezifische Enzyme aktivieren, die als Reparatur-Polymerasen die DNA-„Fehler“ erkennen und ausbessern können.

Die Biochemiker der Universität in Frankfurt am Main konnten zusammen mit in- und ausländischen Kollegen zeigen, dass die Fähigkeit dieser Polymerasen, ein kleines Molekül mit der Bezeichnung Ubiquitin zu binden, entscheidend ist, um an der beschädigten DNA-Stelle die Replikation fortzusetzen. Diese Ergebnisse liefern einen langgesuchten Hinweis darauf, wie diese Reparatur-Polymerasen einen Zugang zur beschädigten Stelle bekommen, während die üblichen Polymerasen die DNA nicht weiter replizieren.

Wie reagiert die Zelle auf Schädigungen des Erbmaterials?


"Dieser wichtige biochemische Schalter ist bei Patienten, die an einer Variante der UV-induzierten Hautkrankheit Xeroderma pigmentosum leiden, defekt, was zur Häufung von DNA-Schäden und schließlich zu Hautkrebs führt", erklärt der Leiter dieser Studie, Professor Dr. Ivan Dikic im Wissenschaftsmagazin Science.


"Durch unsere gemeinsame Studie haben wir neue und erstaunliche Einblicke in diejenigen Mechanismen bekommen, mit denen die Zelle auf die Beschädigung unseres Erbmaterials reagiert", meint Koautor Professor Alan Lehmann, einer der Pioniere auf dem Gebiet der DNA-Reparatur und Vorsitzender des Genome Damage and Stability Centre an der Universität von Sussex in England.

Durch Kombination von experimentellen und bioinformatischen Methoden konnten die Wissenschaftler zwei neue Domänen - funktionelle Einheiten in Proteinen - identifizieren, die in Enzymen das Signalmolekül Ubiquitin binden: UBM und UBZ. Matthias Peter und seine Kollegen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich kartierten mit Hilfe der Kernresonanzspektroskopie (nuclear magnetic resonance: NMR) die Oberfläche der UBM-Domäne, die Ubiquitin bindet.

Schon bald neue Therapien?


Die Aufklärung des so genannten Ubiquitin-Interaktoms, einem Netzwerk von Proteinen, die Ubiquitin-markierte Moleküle erkennen, ist die Grundlage für ein besseres Verständnis vieler zellulärer Funktionen. "Die Bestimmung spezifischer Ubiquitin bindender Protein-Domänen sowie ihrer Interaktionen innerhalb der Zelle stellen gegenwärtig die größten Herausforderungen auf dem Gebiet der Ubiquitin-Signaltransduktion dar", meint ein Koautor, der Bioinformatiker Kay Hofmann von der Miltenyi Biotec GmbH in Köln.

Die Wissenschaftler waren überrascht, dass die neu gefundenen Ubiquitin bindenden Domänen in einer Vielzahl von Proteinen existieren, die für die zelluläre Signaltransduktion, die Immunreaktion sowie die Transkription und Replikation von DNA bedeutsam sind. "Dies zeigt eine umfassendere und eher generelle Bedeutung der Ubiquitin-Signaltransduktion bei der Regulation von Zellfunktionen und weist darauf hin, dass ihre Fehlregulation möglicherweise zur Entstehung von Krankheiten beiträgt. Ein detailliertes Verständnis dieser Prozesse kann dabei helfen, Therapien zu verbessern", meint Dikic.

"Diese Ergebnisse stellen einen Meilenstein auf dem Weg zu einem besseren Verständnis jener Mechanismen dar, mit denen die Replikationsgenauigkeit abgesichert wird. Sie haben bedeutende Auswirkungen für die Entwicklung neuer Arzneimittel gegen Krankheiten des Menschen, die durch fehlerhafte DNA-Reparaturmechanismen verursacht werden", unterstreicht Professor Dr. Werner Müller-Esterl vom Universitätsklinikum Frankfurt die Bedeutung der Resultate der Forscher.
(idw - Universität, Frankfurt a. M., 04.01.2006 - DLO)
 
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