• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 23.05.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Gelenke: Autofahren schlimmer als Bierkästen-Tragen

Schulterprothese mit eingebautem Mikro-Sender misst erstmals Gelenkbelastung

Wissenschaftlern der Berliner Charité ist es erstmals gelungen, Belastungen des Schultergelenks exakt zu vermessen. Danach belastet Autofahren das Gelenk stärker als beispielsweise Bierkästen-Schleppen. Möglich wurde dieser wissenschaftliche Durchbruch durch ein künstliches Schultergelenk mit eingebautem Mikro-Sender, das sowohl Kräfte als auch Drehmomente im Schultergelenk berechnen und drahtlos nach außen funken kann.
Autofahren kann Gelenke schädigen

Autofahren kann Gelenke schädigen

"Jetzt können wir erforschen, welche Kräfte tatsächlich auf das menschliche Schultergelenk wirken", sagt Professor Georg Bergmann, "Alle theoretischen Abschätzungen waren bisher sehr unsicher, weil bei Schulterbewegungen viele verschiedene Muskeln beteiligt sind."

Das sendende Mess-Implantat ist eine Neuentwicklung des Biomechanik-Labors der Charité Campus Benjamin Franklin und wurde im Mai 2005 zum ersten Mal bei einem Patienten eingesetzt.

Wolfgang Schubert aus Berlin-Pankow leidet seit fünf Jahren zunehmend unter Schultergelenk-Arthrose. Zur Messung der Gelenkbelastungen trägt er eine Magnetfeldspule um den Oberarm, sie erzeugt die für die Untersuchung nötige elektrische Energie.


Die Übungen und Bewegungen des Studienpatienten werden auf Video aufgezeichnet, die Belastungen sind zugleich auf einem Monitor sichtbar. "Auf diese Weise können wir Aktionen mit besonders hohen Kräftebelastungen gezielt analysieren", sagt Bergmann.

Alltagsaktivitäten belasten mehr als Krankengymnastik


Das sind häufig Alltagsaktivitäten, wie das Biomechanik-Labor überraschend feststellte. So treten beispielsweise bei der Krankengymnastik typische Kräfte von maximal 50 Prozent des Körpergewichts im Schultergelenk auf. Werte, die von alltäglichen Handreichungen weit übertroffen werden: Haarekämmen löst eine Belastung von 70 Prozent aus, beim Anheben einer vollen Kaffeekanne mit gestrecktem Arm wirken 100 Prozent des Körpergewichts, eine schwergängige Autolenkung verursacht sogar Lasten von bis zu 130 Prozent.

Demgegenüber beobachten die Forscher geringe Gelenkbelastungen, wo der unvoreingenommene Betrachter hohe Kräfte erwarten würde: Wer einen zehn Kilogramm schweren Einkaufskorb oder Getränkekasten trägt, belastet das Gelenk nur 15 Prozent seines Körpergewichts.

"Diese Erkenntnisse werden großen Einfluss auf die Physiotherapie haben und zur Revision einiger Hypothesen führen", so Bergmann. "Wir wollen unsere Daten deshalb auch für Ärzte, Patienten und Physiotherapeuten ins Internet stellen."

Wichtige Erkenntnisse für die Orthopädie


Wichtige Erkenntnisse verspricht sich auch Professor Dr. Ulrich Weber von der Klinik für Orthopädie an der Charité Campus Benjamin Franklin. "Fast jeder Mensch leidet im Alter unter schmerzhafter Schultersteifheit; trotzdem wissen wir wenig über die Entstehung und Vermeidung. Von den Messungen erwarte ich mir Aufschluss darüber", so Weber.

Ein weiteres Ziel sei, die Lockerungsraten bei den Gelenkpfannen-Prothesen am Schulterblatt durch eine verbesserte Verankerung zu senken. "Wegen der hohen Lockerungsraten implantieren wir ja in sehr vielen Fällen nur Halbprothesen - wir ersetzen also die Gelenkfläche am Oberarmknochen, verzichten aber auf die dazugehörige künstliche Gelenkpfanne am Schulterblatt. Das könnte sich künftig durch eine Verbesserung der Verankerung ändern."
(idw - Charité-Universitätsmedizin Berlin, 21.12.2005 - DLO)
 
Printer IconShare Icon