Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Mit Kaulquappen gegen Krebs
Forscher ermitteln Folgen von Störungen der zellulären Kommunikation
Komplizierte biochemische Signalsysteme geben den Zellen des Körpers die Befehle zur Zellteilung, zum Wachstumsstopp oder zur Spezialisierung auf bestimmte Aufgaben. Eines der wichtigsten Kommunikationssysteme der Zellen ist der Wnt-Signalweg, der die Embryonalentwicklung steuert, aber auch bei der Entstehung von Krebs eine wichtige Rolle spielt. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum haben nun an den Kaulquappen des Krallenfrosches einen wichtigen Teilschritt in der Abfolge dieser biochemischen Signale entschlüsselt.

Brustkrebszelle unter dem Elektronenmikroskop
Brustkrebszelle unter dem Elektronenmikroskop
© NCI
Rund 20 verschiedene Vertreter der Wnt-Proteinfamilie starten eine Signalkaskade, die Befehle von speziellen Andockstellen auf der Zellmembran über das Zytoplasma bis in den Zellkern weiterleiten. Die Zelle reagiert auf das Signal, indem sie bestimmte Gene an- oder abschaltet.

Wissenschaftler um Professor Dr. Christof Niehrs beschreiben in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature den entscheidenden Schritt der Signalweiterleitung von der Zellmembran ins Zellplasma - eine bislang unbekannte Etappe auf dem Weg der Nachrichtenübermittlung. Das Enzym Casein Kinase 1gamma (CK1gamma), so zeigten sie, ist unerlässlich, um die Wnt-Signale von den Rezeptoren der Zellmembran ins Zellinnere weiterzuleiten.

Embryonen des Krallenfrosches Xenopus untersucht
Bei Wirbeltieren entscheiden Wnt-Signale über die Ausprägung der Körperachsen. Dass CK1gamma eine wichtige Komponente des Wnt-Signalwegs ist, zeigten die Heidelberger Forscher an der Wirkung des Enzyms auf Embryonen des Krallenfrosches Xenopus.

Wird CK1gamma im Froschembryo ausgeschaltet, so entwickeln sich Kaulquappen mit verkümmertem Hinterleib und vergrößertem Kopf. Erhöhen die Wissenschaftler dagegen die CK1gamma-Konzentration im Embryo, so resultieren daraus missgebildete kopflose Kaulquappen. Die Funktion von CK1gamma ist in der Evolution hoch konserviert: Eine Blockade von CK1gamma unterbricht auch in Zellen der Taufliege Drosophila den Wnt-Signalweg.

Da bei den meisten häufigen Tumorerkrankungen Veränderungen in verschiedenen Genen des Wnt-Wegs beschrieben sind, steht dieser zelluläre Kommunikationsweg im Zentrum des Interesses der Krebsforschung. Je lückenloser die einzelnen Schritte aufgeklärt sind, desto mehr Möglichkeiten bieten sich, mit modernen Therapeutika gezielt in die fehlgeleitete Kommunikation entarteter Zellen einzugreifen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Krallenfrosch, Tumore, Signalweg, Zelle, Kommunikation, Zytoplasma
Weitere News zum Thema
Genkombination hält Nikotinlust am „Zügel“ (13.05.2011)
Hirnregion Habenula spielt Schlüsselrolle für Suchtverhalten bei Rauchern
Was Fröschen ein Gesicht verleiht (14.01.2011)
Rolle des Gens FOXN3 für die Entwicklung von Krallenfröschen geklärt
Nanopumpen lassen Zuckersaft fließen (15.10.2010)
Funktionsweise der pflanzlichen Saccharose-Transport-Moleküle aufgeklärt
Verzögerungen verraten Geruch (13.09.2010)
Schneller Code für die Entschlüsselung von Duftstoffen durch das Gehirn entdeckt
Krallenfrosch hilft Pflanzenforschern (14.04.2010)
Wie sich Pflanzen vor dem Vertrocknen schützen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Neuland in drei Dimensionen
Ein Blick ins Innere der Zelle
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
Der Tod
Tabu und Faszination
Elektrische Synapsen
„Aschenputtel“ unter den Zellkontakten
News des Tages
Mit Kaulquappen gegen Krebs
Windparks kein „Touristenschreck“
Pferdegenom wird entschlüsselt
„Rückenwind“ für die Erdwärme
Heu oder Schmetterlinge?
Chemotherapie: Gene sorgen für Nebenwirkungen
Viren helfen gegen Hautkrebs
Bücher zum Thema
Was hab ich bloß?
Die besten Krankheiten der Welt von Werner Bartens
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Prostatakrebs
von Hermann Delbrück
Dolly
Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter von Colin Tudge, Ian Wilmut & Keith Campbell
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes