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Samstag, 27.05.2017
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„Versandhandel“ in der Steinzeit

Mineralogen identifizieren Herkunft steinzeitlicher Werkzeuge

In der Jungsteinzeit waren Amphibolite ein wichtiger Gesteinstyp zur Herstellung von Steinbeilen. Die Archäologie ging bisher immer davon aus, dass das Gestein jeweils regional aus den nächstliegenden Vorkommen stammte. Systematische mineralogische Untersuchungen von Steinbeilen aus verschiedenen Grabungen in ganz Deutschland haben jedoch nun gezeigt, dass überall immer wieder ein seltener Amphibolittyp aus dem Riesengebirge als Rohmaterial verwendet wurde. Dies belegt, dass schon vor fast 7.000 Jahren ein ausgedehntes Handelsnetz in Europa existiert haben muss.
Frühmensch

Frühmensch

Steinbeile waren im so genannten Neolithikum zwischen 5.000 und 2.000 Jahren vor Christus die wichtigsten Werkzeuge: Mit ihnen wurden Bäume gefällt, Kriege geführt oder Löcher gegraben. Als Material für die Beile diente zumeist ein strapazierfähiges Gestein wie Granite, Basalt, Amphibolit oder Chlorit-Schiefer. Kennzeichnend für die Jungsteinzeit war das gekonnte Schleifen der Rohmaterialien und somit nicht mehr nur das einfache Behauen der Werkzeuge wie in der Altsteinzeit.

Mineralogischer Fingerabdruck


Durch umfangreiche geochemische Analysen fanden nun Wissenschaftler vom Institut für Mineralogie und Kristallstrukturlehre der Universität Würzburg sowie des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen heraus, dass auffallend häufig derselbe Amphibolittyp, der sowohl Aktinolith als auch Hornblende enthält, für die Herstellung der Steinbeile Verwendung fand. Dieses Mischgestein besitzt einen ganz spezifischen mineralogischen „Fingerabdruck“, der die Forscher in sein Herkunftsgebiet Jistebsko ins tschechische Riesengebirge führte. Da die Steinbeile aber im gesamten Gebiet des heutigen Deutschlands gefunden wurden, müssen damals entweder das Gestein, die Rohlinge oder aber die fertigen Beile über größere Entfernungen hinweg transportiert worden sein.

Dieses überraschende Ergebnis zeigt, dass es schon im Neolithikum ein ausgedehntes Handelsnetz in Mitteleuropa gegeben haben muss. Über hunderte Kilometer hinweg kamen die Steinbeile vermutlich von Siedlung zu Siedlung über Fernhandelswege an ihre heutigen Fundorte. Tatsächlich fanden tschechische Wissenschaftler im Riesengebirge alte Steinbrüche inklusive Abbaureste der Amphibolite. Ein weiterer Beweis für den frühmenschlichen „Versandhandel“ von Werkzeugen.


Amphibolite – Kinder des Basalts


Die genaue geochemische Bestimmung der Steinbeile gelang den Forschern um Uli Schüßler und Anne-Mette Christensen mithilfe der Röntgenfluoreszenz-Analyse, der Laser-Ablations-ICP-Massenspektrometrie sowie der konventionellen Massenspektrometrie. Hierbei werden die Anteile der Haupt-, Spuren- und Seltenerdelemente und die Verhältnisse der Strontium- und Bleiisotope gemessen. Durch diese Werte können die unterschiedlichen Amphibolittypen relativ gut voneinander unterschieden werden. So konnten Schüßler und Christensen für die meisten Grabungen ausschließen, dass lokale Amphibolitvorkommen für die Steinbeile verwendet wurden.

Basaltische Lava

Basaltische Lava

Der grünlich bis graue Amphibolit gehört fachwissenschaftlich gesehen zu den so genannten Metamorphiten, die auch Umwandlungsgestein genannt werden. Ursprünglich entstanden Amphibolite aus Basalt, der bei Vulkanausbrüchen in Form von Lava an die Erdoberfläche gelangte und dort erkaltete. Im Laufe der Erdgeschichte wurde dieses magmatische Gestein jedoch wieder in das Erdinnere verfrachtet und kristallisierte dort durch den hohen Druck und die heißen Temperaturen um. Dadurch erhielten die Amphibolite ihre charakteristische mineralogische Zusammensetzung mit einer Mischung aus unterschiedlichen Mineralen wie Hornblende, Plagioklas, Quarz, Biotit oder verschiedenen Erzmineralen. Normalerweise lassen sich Amphibolite aus unterschiedlichen geologischen Vorkommen schwer voneinander unterscheiden. Da für die Herstellung der Steinbeile aber ein ganz auffälliger, seltener Amphibolittyp verwendet wurde, war eine Herkunftsbestimmung hier gut durchzuführen, zum Glück für die Archäologie.
(GeoUnion; Uli Schüßler/Universität Würzburg, 02.12.2005 - AHE)
 
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