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Samstag, 27.05.2017
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„Ökomanager des Jahres“: Adidas-Chef und Lebensmittelhändler

Auszeichnung von WWF und ‘Capital’ zum 15. Mal verliehen

Die „Ökomanager des Jahres 2005“ stehen fest: Herbert Hainer, Chef von adidas-Salomon in Herzogenaurach, und Wolfgang Gutberlet, Vorstandsvorsitzender der tegut... Gutberlet Stiftung & Co. aus Fulda, sind in diesem Jahr vom WWF Deutschland und dem Wirtschaftsmagazin ‘Capital’ mit dem renommierten Umweltpreis ausgezeichnet worden.
Obst

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„Die Ökomanager überwinden Hindernisse, vor denen andere schon resigniert Halt gemacht haben“, urteilte Professor Detlev Drenckhahn, Präsident des WWF in Deutschland, über die Leistung der diesjährigen Preisträger. Zum 15. Mal zeichnen der WWF Deutschland und das Wirtschaftsmagazin ‘Capital’ die „Ökomanager des Jahres“ aus.

Hainer, der Sieger im Bereich Konzerne, sorgt nach Ansicht der Jury mit strikten Verträgen und Kontrollen dafür, dass seine mehr als 800 Zulieferfirmen in den Schwellenländern zu vertretbaren ökologischen und sozialen Bedingungen produzieren. Dort arbeiten 440.000 Menschen für adidas, das zweitgrößte Sportartikelunternehmen der Welt, das im Vorjahr einen Umsatz von 6,5 Milliarden Euro erzielte.

Lebensmittelhändler Gutberlet, der gut 5.000 Mitarbeiter beschäftigt, setzte, so WWF und Capital, 2004 mit seinen 301 Lebensmittel-Märkten rund eine Milliarde Euro um. Zehn Prozent davon bringen bereits Bioprodukte, deren Absatz Gutberlet besonders fördert.


Ein Sonderpreis ging in diesem Jahr an Dr. Bodo Wolf, Gründer der CHOREN Industries GmbH in Freiberg/Sachsen. Er entwickelte eine weltweit führende Technologie, mit der sich Biomasse – etwa Holz, Stroh oder auch Klärschlamm – kostengünstig in Diesel oder Benzin umwandeln lässt.

Dieser Umweltpreis ist einer der bedeutendsten Deutschlands – auch dank seiner herausragenden Preisträger wie Babykost-Hersteller Claus Hipp, Versandhauschef Michael Otto oder Hans-Dietrich Winkhaus, langjähriger Chef des Waschmittelkonzerns Henkel. „Die seit 1990 vorgestellten Ökomanager berücksichtigen bei ihrem unternehmerischen Handeln gleichermaßen ökologische, ökonomische und soziale Belange – und zeigen, dass sich mit nachhaltigem Wirtschaften gutes Geld verdienen lässt“, betont ‘Capital’-Chefredakteur Kai Stepp.

Globalisierung mit Verantwortung


Herbert Hainer, Chef von adidas, hat den aktuellen Geschäftsbericht unter das Motto „Impossible is Nothing“ gestellt. Ein Ansatz, den er auch in punkto Umweltschutz verfolgt. Die Öko-Richtlinien des Konzerns gehen über die weltweit strengsten Gesetze hinaus. Anhand eines Computerprogramms können Schuhtypen und -materialien auf ihre Umweltwirkungen untersucht und Optimierungspotenziale aufgedeckt werden. Bei Textilien ließ Hainer die Schadstoffpolitik des Unternehmens von Greenpeace überprüfen. Zudem arbeitet adidas bei einer Initiative des WWF mit, um den Wasserbedarf und Chemikalien- Einsatz beim Baumwollanbau zu reduzieren.

Der Einsatz von Lösemitteln bei der Schuhproduktion wurde in den vergangenen sechs Jahren von 140 Gramm auf 22 Gramm pro Schuhpaar reduziert – weniger als die EU den europäischen Produzenten vorgibt. Um solche Fortschritte realisieren zu können, berät adidas die Hersteller dabei, den Rohstoff- und Energieeinsatz sowie die Abfall- und Abwassermengen genau zu erfassen. Hainers Ziel ist es, die Produzenten so fit im Umweltschutz zu machen, dass sie ihre Unternehmen nach der internationalen Prüfnorm ISO 14001 zertifizieren lassen können. Das haben beispielsweise die elf chinesischen Schuhlieferanten des Konzerns bereits erreicht.

Um die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu verbessern, ließ Hainer Mindeststandards ausarbeiten, zu deren Einhaltung sich alle Lieferanten verpflichten müssen. Die Kernpunkte: korrekte Entlohnung, keine Arbeitnehmer unter 15 Jahren, pro Woche maximal 60 Arbeitsstunden und mindestens einen Tag frei. Was in Deutschland unzumutbar erscheint, ist in Schwellenländern ein Fortschritt.

Damit die ökologischen und sozialen Vorgaben befolgt werden, beschäftigt adidas 34 Experten, die im Vorjahr 954 Fabrikkontrollen durchführten. Fünf Hersteller verloren den Kontrakt, weil sie anhaltend gegen Auflagen verstießen. Bereits bei Vorprüfungen fielen 35 von 142 Fabrikanten durch, die Aufträge suchten. Alle Regelverstöße, die Arbeiter, Organisationen oder Medien melden, lässt Konzernchef Hainer prüfen. Schwere Fälle werden im Internet veröffentlicht. Und seit 2000 erstellt adidas jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht. Damit ist der Konzern ein Pionier in der Branche.

Regionale Wirtschaft nachhaltig stärken


Während adidas-Chef Hainer global agiert, konzentriert sich Wolfgang Gutberlet, Chef des Lebensmittelhandels-Unternehmens tegut, auf einen Umkreis von 150 km um den Firmensitz in Fulda. In dieser Region betreibt er 301 Lebensmittel-Märkte, von denen einer im Jahr 2004 sogar als bester Deutschlands ausgezeichnet wurde. Sein Erfolgsrezept: Ein Warensortiment aus 600 Artikeln des Grundbedarfs zu Aldi-Preisen, dazu ein breites Markensortiment und 1.900 Bioartikel. Diese stehen bei tegut schon für zehn Prozent des Gesamtumsatzes, bei Obst und Gemüse sogar für 26 Prozent – Tendenz steigend.

Zu tegut gehören die Kurhessische Fleischwaren GmbH und die Herzberger Bäckerei, die beide auch andere Handelsgruppen beliefern. Die erzeugten Biobackwaren reichen für 100.000 Menschen. „Würden wir dafür konventionelle statt der ökologischen Rohstoffe verwenden, kämen 170 Tonnen Stickstoffdünger mehr auf die Äcker“, sagt Gutberlet.

Seine Produkte kauft der Ökomanager bevorzugt in der Heimatregion, um sie zu stärken. So fördert er mit langfristigen Abnahmeverträgen für 6.000 Schweine, 1.200 Rinder und 4.000 Lämmer pro Jahr die ökologische Viehzucht im angrenzenden Mittelgebirge der Rhön – und hilft so mit, dort die Kulturlandschaft zu erhalten. Die konventionellen Landwirte der Region konnte er dazu gewinnen, keine genmanipulierten Pflanzen anzubauen, damit es nicht zu unerwünschten Einträgen in die Felder der benachbarten Biobauern kommt.

Energiebedarf umweltschonend decken


Weil das von CHOREN-Gründer Bodo Wolf entwickelte Verfahren nicht nur Ölsaaten, sondern die gesamte Pflanze und jedwede Biomasse in Treibstoff umwandeln kann, ist der Ertrag hoch. Es lassen sich damit pro Hektar 3.300 Liter Diesel erzeugen, während die übliche Produktion aus Rapssaat nur 1.300 Liter erbringt. Weiterer Vorteil des CHOREN-Verfahrens: Weil viele unterschiedliche Pflanzenarten genutzt werden können, kann sich der Boden bei kluger Fruchtfolge immer wieder auf natürliche Weise erholen.

Mit Wolfs Technik könnte Deutschland 25 Prozent seines gesamten Treibstoffbedarfs decken, selbst wenn nur die Brachflächen für den Biomasse-Anbau genutzt würden. Der Versorgungsgrad ließe sich noch erheblich steigern, wenn die vielen Millionen Tonnen Herbstlaub, Stroh, Abfallholz oder Klärschlamm, die jährlich anfallen, mit verwendet würden.

Ein wesentlicher Vorteil von Biosprit: Es wird im Prinzip nur soviel Kohlendioxid frei gesetzt, wie die Pflanze selbst während ihres Wachstums aufgenommen hat – im Gegensatz zu fossilen Energieträgern, die zusätzliche Emissionen verursachen.

Wolf hat aber nicht nur ein viel versprechendes Verfahren entwickelt. Er konnte auch kapitalstarke Investoren für CHOREN gewinnen – darunter DaimlerChrysler und VW als Kooperationspartner sowie Shell als Gesellschafter. Gerade entsteht im sächsischen Freiberg eine große Pilotanlage für 49 Millionen Euro. Sie soll Ende nächsten Jahres in Betrieb gehen und jährlich 17 Millionen Liter Diesel erzeugen. Die Produktionskosten des Biosprits sollen etwa denen des konventionellen Diesels entsprechen. Die beiden beteiligten Automobilkonzerne werden ihre Neuwagen vor der Auslieferung mit dem CHOREN-Diesel betanken. Die Motoren müssen dafür nicht verändert werden.

Fast alle Länder weltweit könnten nach Wolfs Verfahren Diesel aus Biomasse herstellen. Das würde den Wettbewerb um Kohle, Erdöl und Erdgas erheblich entschärfen.
(WWF/Capital, 24.11.2005 - DLO)
 
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