Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Freitag, 10.02.2012
Struktur eines zellulären Multitalents entschlüsselt
Zentrale Abbauprozesse in allen Organismen ähnlich
Die RNA spielt eine wichtige Rolle bei der Vermehrung und Ablesung der Erbinformation DNA. Jetzt haben Forscher bei Einzellern die Struktur von Exosomen, RNA-abbauenden Enzymkomplexen, entschlüsselt und dabei festgestellt, dass die Mechanismen der RNA-Verarbeitung bei allen Organismen ähnlich ablaufen könnten.

Ribosom mit angelagerter Transfer-RNA
Ribosom mit angelagerter Transfer-RNA
© LANL
Die dem Erbmolekül DNA nahe verwandte Nukleinsäure RNA kommt in allen Zellen vor und übernimmt eine Reihe wichtiger Funktionen, etwa Informationsübertragung und Transport. Wie DNA auch, bestehen RNA-Moleküle aus langen, dünnen Ketten. Dabei können aus einem Vorläufer verschiedene RNA-Moleküle mit unterschiedlicher Länge, Sequenz und Funktion entstehen. In höheren Organismen und den Archaea, einer Gruppe von Mikroorganismen, die formal nicht zu den Bakterien gehören, wurde ein Komplex identifiziert, der sich aus RNA abbauenden Enzymen zusammensetzt.

Dieses so genannte Exosom ist für einige der Verarbeitungsvarianten von RNA zuständig, aber auch maßgeblich am Abbau der Moleküle beteiligt. Katharina Büttner, Katja Wenig und Professor Karl-Peter Hopfner vom Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München konnten nun die Struktur von zwei Varianten eines Archaea- Exosoms aufklären, wie in "Molecular Cell" berichtet. Dieses Ergebnis hat für die Verarbeitung und den Abbau von RNA in allen Organismen, auch den Bakterien, sowie den Abbau anderer Moleküle in der Zelle große Relevanz.

Ohne RNA geht gar nichts
In allen Zellen spielen die fadenförmigen Moleküle eine zentrale Rolle. Erzeugt werden sie durch die Abschrift bestimmter Abschnitte der DNA. Nach diesem Schritt können aber noch zahlreiche Veränderungen vorgenommen werden, etwa Kürzungen oder die Entfernung von kleineren RNA-Abschnitten. Die Entdeckung der Exosomen vor einigen Jahren war so spannend, weil diese Enzymkomplexe bei den meisten der Verarbeitungsvarianten von RNA und deren Abbau verantwortlich oder maßgeblich beteiligt sind. Wie diese Prozesse in den Exosomen ablaufen, war bislang allerdings weitgehend unklar. So weiß man etwa noch nicht, warum manche RNA-Moleküle nur gekürzt, andere aber vollständig abgebaut werden.

Ring im Zentrum
Hopfner und seinen Mitarbeiterinnen gelang nun mit der Strukturanalyse der beiden Varianten des Archaea-Exosoms ein großer Schritt. "Wir konnten zeigen, dass bei beiden Varianten dieses Enzymkomplexes im Inneren unter anderem ein Ring enthalten ist, der die zentrale Kammer umschließt, in der RNA verarbeitet wird", berichtet Hopfner. "Auf einer Seite des Rings befindet sich eine Art Plattform, auf der die ankommenden RNA-Substrate überprüft werden. Inmitten dieses Bereichs liegt eine Öffnung, durch die RNA-Moleküle in das Exosom gelangen."

Die von Hopfners Team entschlüsselten Strukturen könnten jetzt für eine Reihe von Abbauprozessen wichtig sein. "Überraschend war für uns auch die Ähnlichkeit des RNA-Abbaus in Exosomen zu einem anderen wichtigen Prozess in der Zelle", berichtet Hopfner. "In weiten Teilen übereinstimmend läuft nämlich auch der Abbau der Proteine in den so genannten Proteasomen ab." Die Ergebnisse sollen zudem die Analyse der Exosomen in höheren Organismen erleichtern.

Auch wenn diese sehr viel komplexer sind, konnten bereits weit reichende Übereinstimmungen mit den Archaea-Exosomen nachgewiesen werden. So hat sich etwa die innere Struktur der Exosomen im Laufe der Evolution wohl weitgehend bewahrt.
"Wir können jetzt die molekularen, RNA-verarbeitenden Maschinen in allen Organismen vergleichen", so Hopfner. "Das sind die Exosomen in den Archaea und höheren Organismen, aber auch die entsprechenden Komplexe in Bakterien, die dieselben Aufgaben übernehmen und den Exosomen im Aufbau überraschend ähnlich sind.'"
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
DNA, RNA, Exosomen, RNA-Abbau, Zellbiologie, GEnetik, Biologie, Enzymkomplex, Archaea
Weitere News zum Thema
Fasten lässt Krebstumore schrumpfen (09.02.2012)
Zwei Tage nichts essen macht Chemotherapie effektiver
Laser schützt Satelliten vor Weltraumschrott (07.02.2012)
Genauere Überwachung könnte Kollisionsgefahr verringern
Genvariante verdoppelt Risiko für Schlaganfälle (06.02.2012)
Zehn Prozent der Menschen tragen die Veränderung auf Chromosom sieben
Indianer: Vorfahren kamen aus dem Altai (27.01.2012)
Übereinstimmende Gene deuten auf Verwandtschaft zu Zentralasiaten hin
Wie alt werden Fische? (26.01.2012)
Kreuzungsexperimente mit afrikanischem Prachtgrundkärpfling liefern wichtige Hinweise zur Genetik der Lebenserwartung
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
Gentherapie
Hybris oder Heilsbringer?
Aus für die Ursuppe?
Rätsel um die Entstehung des Lebens
News des Tages
Steinzeitjäger Ahnen der heutigen Europäer
Schwindende Nacht über dem Alpenraum
„Alte“ Gehirne lernen anders
„Agenten“ helfen Ökologen
Größtes Experiment jagt kleinste Teilchen
Zukunftspreis für Piezo-Einspritztechnik
Struktur eines zellulären Multitalents entschlüsselt
Top-Clicks der Woche
1. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
2. Supererde in bewohnbarer Zone entdeckt
3. Jeder Vierte stirbt an Krebs
4. Supervulkane werden schnell wieder aktiv
5. Männer erinnern sich besser an Unangenehmes