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Donnerstag, 19.10.2017
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Computerspielen macht süchtig

Studie belegt ähnliche Mechanismen wie bei Alkohol- oder Cannabis-Abhängigkeit

Wissenschaftler der Charité in Berlin haben bei Gehirnuntersuchungen erstmals nachgewiesen, dass Computerspielen zu einer Sucht werden kann. Die Abhängigkeit beruht nach Angaben der Mediziner auf vergleichbaren Mechanismen wie Alkohol- oder Cannabis-Sucht.
Forschungslandschaft Gehirn

Forschungslandschaft Gehirn

"Exzessives Computerspielen aktiviert vermutlich gleiche Strukturen im Hirn wie stoffliche Drogen", erläutert Dr. Sabine Grüsser von der Interdisziplinären Suchtforschungsgruppe der Charité.

In der Studie verglichen die Forscher fünfzehn "gesunde" Computerspieler mit fünfzehn exzessiven Spielern. Als exzessiv wurde eingestuft, wer mindestens drei international anerkannte Kriterien für Abhängigkeit erfüllte wie unstillbares Verlangen, Toleranzentwicklung, Entzugssymptome, Vernachlässigung anderer Interessen, Kontrollverlust, anhaltend exzessives Spielen trotz schädlicher Folgen. Beiden Gruppen wurden Fotos von neutralen Gegenständen, Bier- oder Schnapsflaschen sowie ein Standbild aus einem Computerspiel gezeigt.

Gleichzeitig untersuchten die Wissenschaftler zwei verschiedene Hirnreaktionen auf die visuellen Reize: Ein Elektroenzephalogramm (EEG) ermittelte die Hirnaktivität, ein Elektromyogramm (EMG) zeichnete auf einen lauten Knall hin den Schreckreflex ("Startle-Reflex") auf. Der Startle- Reflex, ein unwillkürliches Muskelzucken am Auge, fällt desto geringer aus, je angenehmer die umgebenden Stimuli empfunden werden. Der Reflex ist eine verlässliche Messgröße für die emotionale Bedeutung von Reizen.


Belohnungssystem wird aktiviert


Ergebnis der Studie, die am Montag in den USA aus Anlass der 35. Jahrestagung der "Society for Neuroscience" vorgestellt wird: Kam die Szene aus dem Computerspiel ins Visier, fielen die EEG-Werte bei exzessiven Spielern sehr viel stärker aus als beim Anblick neutraler Reize oder der Alkoholmotive.

Umgekehrt erschraken sich die süchtigen Computerspieler sehr viel weniger, sobald Spielszenen zu sehen waren. "Die Spielszenen sind bei den exzessiven Spielern positiv besetzt, deshalb flacht der Startle- Reflex ab", so Grüsser. "Zusammenfassend kann man sagen, dass die EEG- und EMG-Muster von exzessiven Computerspielern und Alkohol- oder Cannabissüchtigen vergleichbar sind. Das Belohnungssystem wird aktiviert und die positiven Erfahrungen in einem Suchtgedächtnis im Hirn gespeichert."

Die Forschergruppe um Grüsser hat in einer weiteren Studie über 7.000 Computerspieler zu ihrem Spielverhalten befragt und Daten zu Aggression und Gewalteinstellungen erhoben. Fazit: Insgesamt 11,9 Prozent der Computerspieler zeigen ein süchtiges Spielverhalten. Grüsser: "Wir fanden aber keinen Hinweis, dass exzessives Computerspielen besonders aggressiv macht."
(idw - Charité-Universitätsmedizin Berlin, 11.11.2005 - DLO)
 
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