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Montag, 24.07.2017
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Gen für Verfolgungswahn entdeckt

Gemeinsame genetische Grundlage von Schizophrenie und bipolaren Erkrankungen identifiziert

Auch wenn nach Ansicht von Wissenschaftlern Schizophrenie, manisch-depressive (bipolare) Erkrankung, Depression und Angststörungen unterschiedliche Leiden sind, ähneln sich die Symptome zum Teil doch sehr. Aus großen Familienstudien gibt es zudem Hinweise auf eine gemeinsame genetische Grundlage von Schizophrenie und bipolaren Erkrankungen. Wissenschaftler haben jetzt diese Überlappung auf molekulargenetischer Ebene erstmalig näher beschrieben und einen Erbgutbaustein für Verfolgungswahn identifiziert.
DNA-Strang

DNA-Strang

Seit längerem ist bekannt, dass psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie, bipolare Erkrankung, Depression und Angststörungen eine starke erbliche Grundlage haben. Allerdings erkranken nicht nur Personen mit einer familiären Belastung. Diese Krankheiten können jeden treffen, da sie durch ein Zusammenspiel unterschiedlicher Gene mit Umweltfaktoren entstehen. Auf Grund ihres häufigen Vorkommens werden sie auch als Volkskrankheiten bezeichnet.

So erkranken circa ein bis zwei Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens an einer Schizophrenie oder bipolarer Erkrankung und bis zu 20 Prozent an einer Depression oder Angsterkrankung. Diese Erkrankungen, die meist schubweise und oftmals chronisch verlaufen, verursachen bei den Betroffenen großes Leid und sind auch von immenser volkswirtschaftlicher Bedeutung.

Charakteristisch für das Krankheitsbild der Schizophrenie ist das gehäufte Auftreten von Wahnvorstellungen und Trugwahrnehmungen (Halluzinationen), die bipolare Erkrankung ist durch einen Wechsel zwischen Phasen depressiver und gehobener/gereizter Stimmung gekennzeichnet. Aber auch bei der Schizophrenie treten häufig Phasen von Depression und Angst auf, und bei bipolaren Erkrankung sind Wahnvorstellungen in bis zu 50 Prozent der Fälle vorhanden.


Überlappung auf genetischer Ebene


Aus großen Familienstudien gibt es zudem Hinweise auf eine Überlappung auf genetischer Ebene. So finden sich unter den Angehörigen eines an Schizophrenie Erkrankten nicht nur gehäuft ebenso an Schizophrenie Erkrankte sondern auch eine Häufung von Angehörigen mit Depressionen und bipolarer Erkrankung.

Die Forscher um Marcella Rietschel vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim haben zusammen mit Forschern um Markus M. Nöthen und Peter Propping von der Universität Bonn konzentrierten sich bei ihren Untersuchungen auf das Gen G72/G30, das sie als Risikogen sowohl bei schizophren als auch bipolar Erkrankten gefunden hatten. "Durch eine systematische intensive Analyse der von den Patienten beschriebenen klinischen Symptome konnten wir herausfinden, dass der Zusammenhang, der auch genetische Assoziation genannt wird, zwischen bestimmten Varianten des Gens G72/G30 und der bipolaren Erkrankung fast ausschließlich auf ein Symptom zurückzuführen ist, nämlich den Verfolgungswahn", erklärt Thomas G. Schulze aus Rietschels Abteilung.

Gen nur bei Primaten vorhanden


Verfolgungswahn, landläufig auch als Paranoia bezeichnet, ist eines der Kernsymptome der Schizophrenie. Dass dieses Symptom nun für die genetische Assoziation mit der bipolaren Erkrankung verantwortlich ist, sei ein starker Hinweis auf die genetische Überlappung beider Erkrankungen, so Schulze weiter. Laut Nöthen gebe die genaue Funktionsweise dieses Gens Forschern noch große Rätsel auf: " Wir wissen zumindest, dass dieses Gen nur bei Primaten vorkommt."

"Diese Studie bestätigt erstmals auf molekularer Ebene, was wir Psychiater längst aus unserer klinischen Erfahrung wissen, nämlich, dass sich Patienten nicht in ein Diagnoseschema pressen lassen, welches scharf zwischen Erkrankungen trennt", resümiert Rietschel. Und weiter: "Die genaue Beobachtung der von den Patienten geschilderten Symptome wird in Zukunft die Voraussetzung für eine erfolgreiche Entschlüsselung der molekulargenetischen Grundlagen psychischer Erkrankungen sein. Wenn wir diese Grundlagen kennen, werden wir in der Lage sein, individuelle Therapieansätze zu entwickeln."

Die Wissenschaftler berichten über ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals American Journal of Psychiatry.
(idw - Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, 08.11.2005 - DLO)
 
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