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Donnerstag, 30.03.2017
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Erforschung des „Dino-Killers“ bedroht Meeressäuger

Tierschützer gegen die seismische Untersuchung eines Untersee-Kraters

Die Erforschung eines Untersee-Kraters im Golf von Mexiko mittels lauter Schallwellen könnte die dortige Tierwelt bedrohen. Der Krater soll das Überbleibsel eines riesigen Kometeneinschlages sein, der letztendlich für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich gemacht wird. Die Interessen von Tierschützern und Geologen stehen sich daher gegenüber.
Chicxulubkrater

Chicxulubkrater

Amerikanische Forscher wollen im Bereich des gewaltigen Chicxulub-Kraters nordöstlich der Halbinsel Yucatan seismische Tests durchführen. Die "Maurice Ewing", ein amerikanisches Spezialschiff für derartige Tests, ist bereits unterwegs zum Untersuchungsgebiet. Die Forscher wollen den gewaltigen Untersee-Krater genauer unter die Lupe nehmen. Sie glauben, dass er vom Kometeneinschlag vor rund 65 Millionen Jahren herrühren könnte, der die Dinosaurier zum Aussterben brachte.

Zur seismischen Erfassung des Kraters muss die "Maurice Ewing" mittels Explosionen extrem starke und laute Schockwellen im Wasser aussenden. An der Quelle werden Schallwellen mit einer Lautstärke bis zu 255 Dezibel erzeugt, noch weit lauter als der äußerst schädliche Lärm von militärischen Sonartests. "Sie wollen eine Katastrophe aus ältester Vergangenheit erforschen. Doch sie sind drauf und dran, damit ganz aktuell eine echte Katastrophe heraufzubeschwören. Ein fast unvorstellbarer Krach", rechnet Sigrid Lüber vor: "Der wissenschaftlich gesetzte Lärmbelastungsgrenzwert für Fische liegt bei 150 Dezibel. Doch die Dezibel-Skala ist logarithmisch. Bereits 160 Dezibel sind zehnmal lauter als der Grenzwert von 150."

Daher befürchten Biologen und Schutzorganisationen eine Katastrophe für die Wale, Delphine und alle anderen andere Meeresbewohner vor Yucatan. "Solch extreme Schockwellen können tödlich wirken", warnt Lüber: Sie zerstören das hochempfindliche Gehörsystem von Meeressäugern und anderen Tieren, das für deren Orientierung, Kommunikation und Beutefang aber überlebenswichtig ist. Für die Meerestiere in der betroffenen Untersuchungszone gibt es kein Entrinnen.


Über 10'000 Meeressäuger werden von der Lärm-Attacke akut betroffen sein, darunter 16 Wal- und 9 Delphinarten. Diese Zahlen basieren nicht auf Schätzungen von Umweltschützern, sondern sind Grundlage des offiziellen Antrags der Wissenschafter zur Bewilligung der seismischen Tests. Dabei haben die Schockwellen der "Maurice Ewing" bei Tests erwiesenermaßen bereits in der Vergangenheit mehrmals zu gehäuften Todesfällen und Massenstrandungen von Meeressäugern geführt.

Noch ist keine definitive behördliche Bewilligung für den Lärm-Angriff ausgestellt. Und mittlerweile haben sich weltweit über 100 Tierschutzorganisationen den Protesten gegen diese Tests angeschlossen. Lüber hofft daher, dass dieses " sinnlose, hochgefährliche Spiel mit dem Feuer", in letzter Minute abgewendet werden kann. "Bei allem Respekt vor der Wissenschaft: Es ist absolut anmaßend und unethisch, das Leben bedrohter Tierarten leichtsinnig aufs Spiel zu setzen, nur um herauszufinden, wie vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier vielleicht ausstarben."
(ots - ASMS, 24.02.2004 - AHE)
 
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