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Dienstag, 17.10.2017
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Ebola-Virus bedroht Menschenaffen

Neue Möglichkeiten der Seuchenkontrolle erforscht

Der Ebola-Zaire-Virus breitet sich wie eine Welle durch ganz Zentralafrika aus und bedroht dabei nicht nur Menschen, sondern auch die ohnehin vom Aussterben bedrohten Gorillas und Schimpansen. Doch neue Erkentnnisse werfen nun ein neues Licht auf eine mögliche Kontrolle der Auswirkungen des Ebola-Virus.
Jugendlicher Western Gorilla

Jugendlicher Western Gorilla

Weil es starke innere Blutungen verursacht, hat das hämorrhagische Ebola-Fieber mittlerweile Ikonenstatus als eine besonders üble Krankheit erlangt. Das Mysterium Ebola vergrößerte sich noch dadurch, dass die Krankheit oft Jahre oder gar Jahrzehnte lang schläft und dann plötzlich an scheinbar beliebigen Orten ausbricht. Eine neue Studie von Forschern des Leipziger Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie und der US-amerikanischen Emory University in der Fachzeitschrift PLoS Biology zeigt, dass die Ausbrüche, die durch den äußerst ansteckenden Zaire-Ebola-Stamm ausgelöst wurden, keineswegs beliebig sind. Sie sind Teil einer einzigen Infektionswelle, die sich im Laufe der letzten drei Jahrzehnte schrittweise in Zentralafrika ausgebreitet hat.

In der neuen Studie werteten die Forscher genetische Daten des Virus aus Zentralafrika stammenden Virus aus. Ebola-Zaire tötete nicht nur rund 80 Prozent der menschlichen Patienten, sondern auch zehntausende westliche Flachlandgorillas und Schimpansen und ist damit zu einer Hauptbedrohung für das Überleben der Menschenaffen in Afrika geworden.

Die Aussichten, die Auswirkungen von Ebola kontrollieren zu können, galten bisher als recht trübe. Man nahm an, dass Ebola-Zaire über einen langen Zeitraum hinweg in einem riesigen Streifen des zentralafrikanischen Waldes ruhte und dann durch bestimmte, uns nicht bekannte Umweltfaktoren ausgelöst wurde. Die neue Studie zeigt nun, dass Ebola-Zaire-Ausbrüche nicht von Virenstämmen verursacht wurden, die seit langer Zeit vor Ort geruht hatten, sondern auf einen einzigen Virenstamm zurückzuführen sind, der in den frühen 1970er-Jahren im Norden der Demokratischen Republik Kongo (DRK) die Runde machte.


Kein „schlummernder“ Stamm


Die genetischen Analysen zeigten auch, auf welchem Weg sich Ebola in der Region verbreitet hat. Zunächst bewegte es sich in westlicher Richtung nach Zentralgabun, dann drehte es in östliche Richtung ab, in die Republik Kongo. Dieses Ausbruchs- und Verbreitungsmuster ist in der genetischen Struktur des Virus reflektiert, denn die Viren eines jeden Ausbruchs stammten von denen eines unmittelbar vorher stattgefundenen Ausbruchs ab.

Dasselbe Verbreitungsmuster ist auch im zeitlichen Ablauf der Ausbrüche wieder zu finden. Neue Ausbrüche traten weiter entlang des Infektionskorridors auf, der seinen Ursprung in der Demokratischen Republik Kongo hatte. Die Verbreitungsrate entlang dieses Korridors war mit jährlich etwa 50 Kilometer ebenfalls äußerst konsistent.

Kontrolle möglich


Diese Stetigkeit bei der Verbreitung von Ebola hebt die Hoffnung auf eine mögliche Ebola-Kontrolle, weil Kontrollmaßnahmen wie zum Beispiel Impfungen unmittelbar vor einer ansteigenden Ebola-Infektionswelle gezielt eingesetzt werden können. In zwei experimentellen Impfungen wurden Affen bereits erfolgreich vor einer Infektion mit Ebola geschützt.

"Einen Impfstoff so anzupassen, dass wir ihn für frei lebende Menschenaffen verwenden können, ist höchste Priorität, um diese Arten zu erhalten", sagt der Max-Planck-Forscher und Hauptautor der Studie, Peter Walsh. "Ebola hat gerade die zwei größten Gorilla-Populationen der Welt vernichtet und einige kleinere dazu. Mit der aktuellen Verbreitungsrate könnte Ebola innerhalb der nächsten fünf Jahre die meisten der noch verbliebenen größeren Populationen treffen. Wir suchen daher verzweifelt nach Mitteln, um ein Impfprogramm zum Schutz dieser Menschenaffen vor Ebola aufzuziehen."

Ein Impfprogramm für Menschenaffen könnte auch für die Menschen selbst von Vorteil sein, da viele der Krankheitsausbrüche in der Region auf den Kontakt von Menschen mit den infizierten Kadavern von Menschenaffen zurückgeführt werden konnten.
(MPG, 25.10.2005 - NPO)
 
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