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Montag, 23.10.2017
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Blutzuckertest bald ohne „Pieks“

Diagnose mithilfe von Infrarot-Strahlung

Die Diagnose der Zuckerkrankheit und die langfristige Kontrolle der Blutzuckerspiegel könnten dank einer neuen Infrarot-Methode bald ohne Blutabnahme möglich sein. Stattdessen wird der Diabetes mithilfe von Infrarot-Strahlung nachgewiesen, die in die Haut eindringt und dort teilweise reflektiert wird. Die am Dortmunder ISAS - Institute for Analytical Sciences entwickelte neue Methode funktionierte in umfangreichen Testreihen bereits so gut, dass sie schlecht eingestellte Diabetiker mit einer Zuverlässigkeit von über 85 Prozent identifizierte.
"Aus dem Reflexionsmuster der Infrarot-Strahlung können wir ableiten, welche Substanzen in der Haut vorkommen", erklärt H. Michael Heise vom ISAS - Institute for Analytical Sciences an der Universität Dortmund. So lässt sich feststellen, ob dort zu viele glykierte ("verzuckerte") Proteine und deren Folgeprodukte vorhanden sind. Glykierte Proteine entstehen unter anderem durch den für die Zuckerkrankheit typischen erhöhten Blutzuckerspiegel. "Unser Verfahren misst im Grunde genommen die Farbe der glykierten Proteine und ihrer Folgeprodukte. Viele chemische Substanzen haben ,Farben' im Infrarotbereich. Das ist eigentlich dasselbe wie bei Kleidungsstücken oder Blumen, die ja auch ihre Farben haben." Im täglichen Leben begegnet man glykierten Proteinen zum Beispiel auf dem Sonntagsbraten. Sie färben gebratenes Fleisch braun.

Hautmessung mit „Pistole“


Die Apparatur für die Diabetes-Diagnose mit Infrarot-Strahlung verwendet zur Hautmessung eine Sonde, die wie eine kleine Pistole aussieht. Sie wird auf die Haut gerichtet, die Untersuchung dauert dann etwa eine Minute. Um die optimalen Wellenlängen der Infrarot-Strahlung und den optimalen Messort zu bestimmen, führte Heises Team mehr als 1.000 Messungen bei 109 Studienteilnehmern durch. Die besten Ergebnisse wurden mit Messungen an der Fingerkuppe erzielt.

Als nächstes sollen nun Partner aus der Industrie gefunden werden, die sich für das Verfahren interessieren und es weiter entwickeln wollen. Ziel ist ein kleines, unkompliziertes Gerät, das
in Arztpraxen oder Apotheken eingesetzt werden kann. Heise und seine Kollegen sind überzeugt, dass ihre Technik den Kampf gegen die Zuckerkrankheit voran bringen wird. Ohne Pieks sinkt die Hemmschwelle der Patienten, sich untersuchen zu lassen, so ihre Hoffnung. Vorteil: Der Diabetes wird früh erkannt und früh behandelt. Dadurch lassen sich schwere Folgekrankheiten mit Gefäß-, Augen- und Nierenschäden verhindern.


Neben Heises Team aus Dortmund waren an dem Projekt Wissenschaftler um Professor Dieter Ihrig von der Fachhochschule Südwestfalen in Iserlohn und Privatdozent Markus Stücker von der
Dermatologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum beteiligt. Die Entwicklung wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt.
(ots - BMBF, 24.10.2005 - AHE)
 
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