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Donnerstag, 09.02.2012
Erdbebengebiet: Vier Millionen Menschen obdachlos
Ausländische Hilfe verstärkt
Im Erdbebengebiet in Asien herrschen noch immer katastrophale Zustände. In Pakistan sind weiterhin viele Orte von der Außenwelt abgeschnitten, in Indien könnte die Opferzahl höher liegen als bisher von indischen Behörden ofziell bekannt gegeben. Die ausländische Hilfe geht indes weiter.

Die Vereinten Nationen befürchten inzwischen, dass bis zu vier Millionen Menschen im Erdbebengebiet obdachlos geworden sind. Die Bergung von Toten dauert an. Wassersysteme sind zerstört, Straßen geschlossen. Die Menschen im Erdbebengebiet brauchen jetzt als erstes Lebensmittel, Medikamente, Decken und Zelte.

Die Opferzahlen in Indien könnten nach Angaben der einheimischen Organisation CASA sehr viel höher liegen als bislang von den indischen Medien berichtet. "Wir haben den Eindruck, dass die indische Regierung die Wahrheit nicht herausrücken möchte", hieß es nach einem Koordinierungstreffen indischer Hilfsorganisationen. Die Regierung verweigere bisher Hilfsorganisationen generell den Zugang zur betroffenen Region in Kaschmir.

Hilfe läuft weiter
Noch immer sind Hilfskonvois aus der ganzen Welt nach Pakistan und indien unterwegs. Vom Flughafen Frankfurt/Hahn starten heute 27 Tonnen Hilfsgüter mit Ziel Islamabad, Pakistan, der Aktion Deutschland Hilft. Der Hilfstransport besteht aus 6.000 Wolldecken, 20.000 Wasserkanistern, 90 Kartons mit Wasserentkeimungstabletten, 2.000 Kochsets von World Vision, zwei Health Kits von action medeor sowie drei Health Kits von der Johanniter Unfallhilfe.

Ein Health Kit stellt die medizinische Notversorgung von 10.000 Menschen über drei Monate sicher. Die Hilfsgüter werden unter anderem im Bezirk Mansehra im Nordwesten Pakistans verteilt. action medeor, der Arbeiter-Samariter-Bund, die Arbeiterwohlfahrt, CARE International Deutschland, der Malteser Hilfsdienst und der Paritätische Wohlfahrtsverband beteiligen sich an den Kosten für Beschaffung und Transport der Hilfsgüter.

Mansehra schwer getroffen
Mitarbeiter der Gesundheitsdienste in Mansehra, das aufgrund zerstörter Straßen noch immer schwer zugänglich ist, berichten von einer großen Zahl Verletzter. Ein Ärzteteam der Hilfsorganisation humedica, das am Tag des Bebens in das pakistanische Krisengebiet geflogen ist, hat seit Montag die Behandlung von Verletzten im Krankenhaus von Mansehra aufgenommen. An einem Tag werden 700 Patienten versorgt.

"Wir versorgen am laufenden Band Frakturen und offene Verletzungen", so Georg Müller, leitender Arzt des Teams. Vor allem Verbandsmaterial und Antibiotika würden dringend benötigt. Der Großteil der Bevölkerung ist nach ersten Schätzungen ums Leben gekommen, Tausende Verletzte und Obdachlose liegen unter freiem Himmel, ohne ärztliche Versorgung, ohne ausreichend Nahrung, ohne Unterkunft. Noch weiter im Norden seien Städte wie zum Beispiel Balakot mit Zehntausenden Einwohnern ausgelöscht.

Nach Einschätzung des erfahrenen Arztes Georg Müller ist dies "eines der schwersten Erdbeben, die es je gegeben hat". In Kooperation mit den lokalen Hilfsorganisationen bereitet humedica die Beschaffung und Verteilung von Zelten, Decken, Nahrungsmitteln und Küchenutensilien vor.

Heute startet ein zweites Ärzteteam von Frankfurt aus in die Krisenregion, um die medizinische Arbeit zu verstärken. Das sechsköpfige Einsatzteam führt Notfallmedikamente für 3.000 Personen mit sich. Eine Apothekerin von "Apotheker ohne Grenzen" ergänzt das Team. Die Arbeit von humedica wird finanziell unterstützt von der Kindernothilfe. Das Hilfswerk der Bayerischen Apotheker sowie action medeor spendeten mehrere Hundert Kilogramm Notfallmedikamente. Ein weiteres Ärzteteam wird am Donnerstag ab München aufbrechen.

Das Kinderhilfswerk Plan International schickt in Zusammenarbeit mit der pakistanischen Regierung zwei Hubschrauber mit Hilfsgütern auf den Weg in drei entlegene Dörfer im Distrikt Mansehra. Ein Helikopter ist mit Medikamenten und medizinischem Gerät beladen, der zweite mit Decken und Zelten. Plan-Mitarbeiter ermitteln darüber hinaus im Distrikt Mansehra gemeinsam mit anderen Organisationen und den Behörden, was benötigt wird - auch für den Wiederaufbau.
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