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Montag, 24.07.2017
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GEOTECHNOLOGIEN Rätselbild Februar 2004

Lösung: Der japanische Flughafen Kansai

Der Kansai International Airport ist der erste Flughafen der Welt, der komplett auf einer künstlichen Insel gebaut wurde. Von der Millionenstadt Osaka ist er nur über eine vier Kilometer lange Brücke zu erreichen. Mehr als 5.000 Stahlsäulen, ein Wall aus Stein und Beton und eine 30 Meter tiefe Betonschutzmauer bilden das Fundament des fünf Quadratkilometer großen Eilandes.

Rätselbild Februar

Rätselbild Februar

Bei seiner feierlichen Einweihung im Jahr 1994 galt der Flughafen als Wahrzeichen und Meisterstück japanischer Ingenieurskunst. Die in klassischer Aufschüttungsbauweise errichtete Insel sollte Maßstäbe setzen für den modernen Flughafenbau - mit umgerechnet zwölf Milliarden Euro Baukosten war sie auf jeden Fall weltrekordverdächtig...

Doch die hohen Kosten hatten einen Grund: Dem eigentlichen Bau gingen umfangreiche geologische und Ingenieurstechnische Arbeiten voraus. Unter anderem musste geklärt werden, wie genau der Untergrund an der geplanten Baustelle beschaffen war und ob er überhaupt für ein solches Projekt geeignet war. Die Untersuchungen brachten allerdings nur wenig Ermutigendes zutage: Der Gesteinsuntergrund in diesem Küstengebiet war vulkanischen Ursprungs und von einer dicken Lehmschicht überdeckt. Während ersteres nicht weiter überraschte und zunächst einmal kein Problem darstellte, sah dies für die Lehmschicht schon anders aus: Lehm ist – vor allem, wenn Wasser mit im Spiel ist, nicht sehr stabil und gibt unter Druck leicht nach.

Die Ingenieure mussten daher ihre Konstruktion diesen schwierigen Bedingungen anpassen – keine leichte Aufgabe. Zunächst versenkten sie 5.000 Stahlrohre durch das 18 Meter tiefe Wasser und die Lehmschicht hindurch bis auf das Untergrundgestein. Sie sollten die Lehmschicht stabilisieren und gleichzeitig ein Stützgerüst für das darauf aufgeschüttete Material bilden. Ein Deich aus Betonblöcken und Gestein sicherte das Ganze nach außen hin ab.

Aus den umliegenden Bergen wurden anschließend 180 Millionen Kubikmeter Erde und Geröll herangeschafft und im Wasser versenkt – das Volumen von gut 70 Cheopspyramiden. Sie bildeten das eigentliche Fundament für die Landebahnen und Gebäude des Flughafens. Doch die Ingenieure mussten trotz aller Befestigungen damit rechnen, dass die Lehmschicht im Laufe der Zeit nachgeben könnte. Es fragte sich nur, wann und wie schnell.

Und was hat das mit GEOTECHNOLOGIEN zu tun?


Nicht für künstliche Inseln, auch für fast alle anderen größeren Bauvorhaben ist der „Blick in den Untergrund“ ein absolutes Muss. Er entscheidet, ob und wie gebaut werden kann und welche Risiken möglicherweise zu befürchten sind. Und damit dies geklärt werden kann, sind sowohl das Wissen als auch die spezialisierten Methoden der Geowissenschaftler nötig.

Im Rahmen des Programms GEOTECHNOLOGIEN suchen Forscher nach neuen und verbesserten Verfahren für das Bauen im und auf dem Untergrund und liefern damit den Bauprojekten der Zukunft ein – im wahrsten Sinne des Wortes – sicheres Fundament. Ab Mitte April informiert GEOTECHNOLOGIEN mit der Ausstellung „In die Tiefe gehen“ über dieses spannende Gebiet der Geowissenschaften. Erster Ausstellungsort ist Stuttgart, anschliessend wandert die Ausstellung durch Deutschland. Nähere Informationen unter www.geotechnologien.de
(g-o.de, 15.02.2004 - NPO)
 
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