• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Freitag, 28.07.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

„Spur der Steine“ führt in die Antarktis

Antarktis-Expedition soll Geschichte des Urkontinents Gondwanas klären

Den Spuren zum Urzeitkontinent "Gondwana" wollen Geowissenschaftler aus Jena bis in die Antarktis folgen. Sie brechen im Oktober zu einer großen Expedition an den südlichen Polarkreis auf.
Gondwana und Laurussia

Gondwana und Laurussia

Die Expedition führt die Wissenschaftler in das Victoria Land in der Ostantarktis. "Wir hoffen, dort Erklärungen für das Auseinanderbrechen des großen urzeitlichen Kontinents vor vielen Millionen Jahren zu finden", beschreibt Robert Schöner, Sedimentologe an der Universität Jena, das Ziel der Forschungsreise.

Wälder in der Antarktis


"In der Permzeit, also vor etwa 260 Millionen Jahren, gab es auf der Weltkugel noch diesen großen Kontinent Gondwana. Damals war der Teil, den wir heute als Antarktis bezeichnen, noch mit Südamerika, Südafrika, Indien und Australien verbunden und in etwas nördlicheren, also gemäßigteren Klimazonen zu finden", erklärt Viereck-Götte, Professor für Geochemie in Jena.

Darauf deuten etwa Kohlevorkommen oder Spuren von Pflanzen aus weniger polaren Breiten hin, die in der Antarktis gefunden wurden. Sie haben Ähnlichkeit mit Funden aus Südafrika oder Australien. "Es ist dadurch nachgewiesen, dass es auch im Gebiet der Antarktis Wälder gegeben hat", ergänzt Schöner, der gerade seine Doktorarbeit geschrieben hat.


Zelten im Transantarktischen Gebirge


Während der Expedition, die bis Anfang Februar 2006 dauern wird, wollen die Wissenschaftler von der nur im antarktischen Sommer bewohnbaren deutschen Forschungsstation "Gondwana" aus verschiedene Gesteinsvorkommen im Transantarktischen Gebirge erkunden. "Wir werden dazu mit dem Hubschrauber zu geologisch wichtigen Gebieten bis zu eineinhalb Flugstunden von der Station entfernt gebracht, wo wir unser aus zwei Zelten bestehendes Lager aufschlagen", berichtet Schöner. Für etwa eine Woche sind die vier Wissenschaftler dann auf sich gestellt.

Wenn ausreichend Gesteinsproben und Fossilien gesammelt sind, werden die Materialien mit einem Hubschrauber zur Forschungsstation und die Expeditionsteilnehmer zum nächsten Ort geflogen. Obwohl zum Expeditionszeitpunkt am südlichen Polargebiet Sommer ist, rechnen die Forscher in den Gebirgshöhen um 3.000 Meter mit Temperaturen zwischen -15 und -30 Grad Celsius. "Aber es herrscht dort meist trockene Luft und die Sonne wärmt auch in diesen Höhen", beruhigt Viereck-Götte. Das Problem werden die vom polaren Eisplateau abfließenden Winde sein, die sich häufig zu Stürmen entwickeln. Daher müsse man neben der wissenschaftlichen Arbeit das Wetter stets gut im Auge haben, um sich nicht in Gefahr zu bringen.

Grundlagenforschung als Basis für Schutzmaßnahmen


Obwohl Schöner schon Expeditionserfahrungen auf Grönland gesammelt hat, sei die bevorstehende Tour schon "ein großes Abenteuer", räumt der 31-Jährige ein. Das Besondere sei, dass vier Fachleute aus verschiedenen geowissenschaftlichen Spezialgebieten dabei ein gemeinsames Ziel verfolgen. "Es geht nicht um die Erkundung von Rohstoffen auf der Antarktis, die der Mensch vielleicht einmal nutzen könnte", so Schöner. Doch müsse auch die Antarktis wie andere Kontinente geologisch erkundet werden. "Das hilft uns zu verstehen, wie sich die Kontinente und Meere auf der Erde entwickelt haben", ergänzt Viereck-Götte. Die Entwicklungsgeschichte der Welt lasse sich nur mit einer Vielzahl von Puzzlesteinen rekonstruieren. "Wir können nur wirksam und dauerhaft schützen, was wir kennen", ist Schöner überzeugt.

An ihren Puzzlesteinen werden die Jenaer nach der Rückkehr aus der Antarktis mindestens drei Jahre arbeiten. Ihr Projekt wird im Rahmen der GANOVEX IX-Expedition durchgeführt, die von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe organisiert wird. Die Finanzierung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist auf maximal drei Jahre angelegt.
(Universität Jena, 26.09.2005 - NPO)
 
Printer IconShare Icon