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Montag, 24.07.2017
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Afrikanischer See durch Meteorit entstanden

Der Bosumtwi-Krater in Ghana ist doch kein Vulkan

Einer der wenigen natürlichen Seen in Westafrika ist durch einen Meteoriteneinschlag und nicht durch einen Vulkanausbruch entstanden. Dies haben Wissenschaftler erstmals durch umfangreiche Bohrungen herausgefunden. Bislang war die Bildung des Kratersees umstritten, da das Erscheinungsbild und die Gesteinsfunde sowohl den vulkanischen als auch den kosmischen Ursprung zuließen.
Meteoriteneinschlag

Meteoriteneinschlag

Ziel der Untersuchungen war die Klärung der Bildung des etwa 80m tiefen, kreisrunden Bosumtwi-Kratersees in Ghana, einer der wenigen natürlichen Seen Westafrikas. Da sich der Krater am Rand des teilweise vulkanisch entstandenen Obuom-Gebirges befindet und es am Ufer des bei dem Volk der Ashanti als heilig verehrten Sees Funde von vulkanischem Gestein gab, waren sich die Wissenschaftler bisher nicht einig, ob es sich bei dem See, dessen Uferranderhebungen bis zu 300m über die Oberfläche hinausragen, um einen vulkanischen Schlot oder das Relikt eines Meteoriteneinschlags (Impakt) handelt.

Daneben war die Suche nach eventuell nutzbaren Gasvorkommen im Untergrund mit geophysikalischen und fernerkundlichen Methoden eine wichtige Aufgabe der Untersuchungen. Unter anderem dafür wurde eine schwimmende Arbeitsplattform gebaut, die bei zukünftigen Forschungen am See weiter zum Einsatz kommen wird. Am Forschungsprojekt waren Wissenschaftler der Universitäten München, Kiel und Kumasi in Ghana beteiligt.

Seismische, gravimetrische und magnetische Messungen sowie geologische Untersuchungen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Joint Research Projekts bestätigen nun die bereits 1931 geäußerte Vermutung, dass es sich bei dem See um das Relikt eines Meteoriteneinschlags handelt. Nicht nur die Funde von Suevit-Gestein, das nur bei Meteoriteneinschlägen entsteht, sondern auch die Struktur des Krateruntergrundes weisen auf ein meteoritisches Ereignis vor etwa 1 Million Jahren hin. Erstmals konnte in Zusammenarbeit mit der Syracuse University, USA, eine zentrale Aufwölbung (Central Uplift) unter den See-Sedimenten nachgewiesen werden, die charakteristisch für sogenannte
komplexe Impaktstrukturen ist.


Der Lake Bosumtwi Meteoritenkrater mit einem Randdurchmesser von etwa zehn Kilometer gilt unter Geowissenschaftlern als einer der jüngsten und besterhaltenen Kraterstrukturen dieser Größe. Er ist von außerordentlich festem Gestein umgeben und hielt so witterungsbedingter Erosion besonders gut stand.

Sedimentologische Untersuchungen


Da der Kratersee weder Zu- noch Abfluss besitzt, können einzigartige sedimentologische Daten gewonnen werden. Die erforderlichen Bohrungen sollen im Rahmen des International Continental Scientific Drilling Projects (ICDP) im Frühjahr 2004 durchgeführt werden. Die Untersuchung der Seesedimente soll Aufschluss über die zeitlichen Variationen der westafrikanischen Monsun-Zyklen und der Sahel-Trockenzeiten geben. Ein anderes Ziel dieser Bohrungen ist die Zuordnung der meteoritischen Auswurfgesteine vor der Küste der Elfenbeinküste. Dieses Tektitfeld konnte bisher nur unzureichend dem Bosumtwi-Ereignis zugeordnet werden.

Frankfurter Geowissenschaftler waren im Zuge der seismischen Messungen für die Datenerfassung durch Landseismographen verantwortlich. Zu diesem Zweck wurden mobile Aufzeichnungsgeräte auf verschiedenen Profillinien rund um den See betrieben. Gesteinsproben der Kraterumgebung wurden im Petrophysikalischen Labor des Frankfurter Instituts für Meteorologie und Geophysik auf ihre chemischen und physikalischen Eigenschaften hin untersucht; überdies wurde der See unter der Leitung der Frankfurter Geophysiker magnetisch und bathymetrisch vermessen. Zudem engagierten sich Forscher der Universität in der Lehre an der Universität Kumasi und hielten dort Vorlesungen und veranstalteten unter anderem ein Computerpraktikum; die Messgeräte wie Magnetometer oder Tiefensonar wurden anschließend der Universität Kumasi übergeben. Das Projekt war übrigens durch einen ehemaligen Gaststudierenden der Geophysik an der Universität Frankfurt angeregt worden, der nunmehr an der Universität Kumasi beschäftigt ist.
(idw - Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main), 18.02.2004 - AHE)
 
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