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Freitag, 20.01.2017
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Versauerte Böden schon zur Römerzeit

Limeswall konserviert historischen Boden

Schon vor 2.000 hat es versauerte Böden und somit möglicherweise auch ein Waldsterben gegeben. Darauf deuten neueste Untersuchungen am altrömischen Limes bei Gießen hin, der die Bodenentwicklung vor Errichtung des Grenzwalls konserviert hat. Dieses überraschende Ergebnis stellen Forscher der Universität Gießen nun auf der momentan stattfindenden Jahrestagung der Bodenkundlichen Gesellschaft vor.
Querschnitt durch einen Oberboden

Querschnitt durch einen Oberboden

Der Limes bei Gießen markiert die Grenze zwischen den fruchtbaren Böden der Wetterau und den weniger fruchtbaren Standorten der nördlich angrenzenden Mittelgebirge. Um mehr über die prähistorische Landnutzung dieser Region zu erfahren, haben Wissenschaftler der Universität Gießen unlängst die unter dem Limes konservierten Böden untersucht. Der Schnitt durch den historischen Grenzwall belegt, dass der Waldboden bereits zur Römerzeit tiefgründig ausgelaugt und versauert war.

Dies ist ein erstaunliches Ergebnis, da die Degradation von Böden und das damit verbundene „Waldsterben“ bisher als rein neuzeitliches Phänomen des Industriezeitalters angesehen wurde. Unerklärlicherweise steht der konservierte Boden auch im krassen Gegensatz zur benachbarten Region Wetterau, in der sich die hohe Bodenfruchtbarkeit erhalten konnte. In Zusammenarbeit mit Archäologen muss nun geklärt werden, ob eventuell der historische Ackerbau oder die Waldweidewirtschaft zur Versauerung des Bodens geführt haben könnten.

Bodenkongress 2005


Bodenuntersuchung

Bodenuntersuchung

Im Rahmen des Bodenkongresses 2005, der vom 03. – 11. September in Marburg stattfindet, nehmen Fachwissenschaftler aus ganz Deutschland die Bodenversauerung unter dem Limes direkt vor Ort in Augenschein. In einem mehr als drei Meter tiefen und mehrere Meter langen Schnitt durch die Wallanlage können sie die Bodenentwicklung im Limes, eine Parabraunerde, mit dem darunter konservierten, fast 2.000 Jahren alten Oberflächenboden, einer Tschernosem-Parabaunerde, vergleichen.


Im Mittelpunkt der Jahrestagung der Bodenkundlichen Gesellschaft stehen aber auch andere Fragen rund um die Vielfalt, Entstehung, Nutzung und Gefährdung von Böden. Denn als natürliches Archiv vermitteln sie wichtige Informationen über die Geschichte von Landschaften sowie Phasen und Ereignisse der Siedlungs- und Kulturgeschichte. So kann aus den konservierten Bodenmerkmalen wie am Limes und den rekonstruierten Entstehungsbedingungen der Zustand und Wandel der Umwelt in historischer Zeit abgeleitet werden. Zugleich bieten sie einen wichtigen Lebensraum für einen kaum überschaubaren Kosmos von Tieren und Pflanzen und sind damit ein unverzichtbarer Bestandteil der Ökosysteme in Landschaften.
(Universität Gießen, 06.09.2005 - AHE)
 
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