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Mittwoch, 20.09.2017
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Ecstasy verursacht schlechtes Gedächtnis

Beeinträchtigungen noch Monate nach Ende des Drogenkonsums nachweisbar

Hoch dosierter und anhaltender Ecstasy-Konsum kann zu schweren Gedächtnisschäden führen. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass fast die Hälfte aktueller Ecstasykonsumenten und mehr als die Hälfte ehemaliger Ecstasykonsumenten einer durch Drogen hervorgerufenen Gedächtnisstörung leiden. Auch noch fünf Monate nach Beendigung des Ecstasykonsums waren diese Beeinträchtigungen bei einigen Konsumenten nachweisbar.
Tabletten

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Die Forschungsgruppe um Professor Dr. Rainer Thomasius untersuchte im Rahmen ihrer Studie vier Gruppen mit jeweils 30 Teilnehmern, die hinsichtlich Alter, Geschlecht und Ausbildungsstatus übereinstimmten. Die Gruppen wurden nach Konsumgewohnheiten unterschieden: aktuelle Ecstasykonsumenten, ehemalige Ecstasykonsumenten und Mischkonsumenten, die verschiedene Substanzen, jedoch nicht Ecstasy einnehmen sowie eine Kontrollgruppe ganz ohne Drogenkonsum. Ecstasykonsumenten nehmen üblicherweise zusätzlich verschiedene andere Substanzen ein, unter anderem Cannabis, Amphetamine, teilweise Kokain. Daher ist es notwendig, sie von der Gruppe der Mischkonsumenten ohne Ecstasykonsum abzugrenzen.

Während in vorausgegangenen Studien anderer Forscher Probanden im Selbstbericht über Auswirkungen des Substanzmissbrauchs Auskunft gaben, erfassten in dieser Studie trainierte Psychologen die psychischen Auswirkungen des Konsums mithilfe von diagnostischer Kriterien.

Schlechtes Gedächtnis, Angst und Depressionen


Die Ecstasykonsumenten zeigten häufig eine durch Drogen hervorgerufene Gedächtnisschwäche, eine so genannte substanzinduzierte kognitive Störung, sowie Depressionen und Angstzustände. Die Gedächtnisstörungen wurden bei 59 Prozent der ehemaligen und 50 Prozent der aktuellen Ecstasykonsumenten diagnostiziert. Bei den Mischkonsumenten ohne Ecstasykonsum waren dies nur 17 Prozent.


Substanzinduzierte depressive Störungen wurden bei 24 Prozent der ehemaligen und bei 20 Prozent der aktuellen Ecstasykonsumenten gefunden. Mischkonsumenten ohne Ecstasykonsum zeigten solche Erkrankungen nicht.

Die Kriterien für Angststörungen wurden von 14 Prozent der ehemaligen und von 17 Prozent der aktuellen Ecstasykonsumenten erfüllt. Außerdem wurde bei 73 Prozent der Ecstasykonsumenten eine schwere Abhängigkeit von der Substanz Ecstasy klinisch festgestellt.

Aufgrund des Missbrauchs verschiedener Substanzen (Ecstasy, Cannabis, Amphetamine, Kokain) war es nicht immer möglich, eine spezielle Substanz zu identifizieren, welche für die substanzinduzierte psychische Störung verantwortlich ist. Da jedoch die kognitiven und psychischen Störungen bei Konsumenten mit Ecstasykonsum deutlich häufiger vorkamen, resümieren die Forscher, dass Ecstasy für diese Störungen verantwortlich ist oder dass diese Substanz eine erhöhte individuelle Empfindsamkeit für die negativen Auswirkungen anderer Drogen herbeiführt.

In Hinsicht auf substanzunabhängige psychische Störungen weichen die vier Gruppen nicht voneinander ab, auch nicht von der Allgemeinbevölkerung. Das bedeutet, dass die Motivation für den Ecstasykonsum nicht in vor Konsumbeginn bestehenden depressiven Störungen oder Angststörungen liegt.

Nur „schwere Konsumenten“ untersucht


Da nur "schwere" Konsumenten mit hoch dosiertem und anhaltendem Konsum untersucht wurden (etwa 800 Konsumeinheiten Ecstasy im Mittel), sind Aussagen in Hinsicht auf moderate Konsummuster nicht möglich.

Bereits in vorausgegangenen Studien der Forschungsgruppe im UKE ergaben sich wiederholt Verdachtsmomente dafür, dass Ecstasy zu langfristigen Schäden im Bereich des zentralen Nervensystems mit Auswirkungen besonders im kognitiven Bereich führen kann. Gestützt wird dieser Verdacht durch die Ergebnisse zu spezifischen Gedächtnisstörungen (vor allem zu mittelfristiger Merkfähigkeit und Wortfindung), die mittels neuropsychologischer Methoden gewonnen wurden, sowie zur Veränderung der Zahl funktionsfähiger Nervenendigungen in bestimmten Hirnarealen (Nachweis durch nuklearmedizinische Methoden). Die deutliche Dosis- Wirkungsabhängigkeit zwischen Ecstasykonsum und neuropsychologisch nachweisbaren Gedächtnisstörungen wird als weiterer wichtiger Hinweis auf eine ursächliche Beteiligung von Ecstasy gewertet.

Die aktuellen Studienergebnisse der Forschungsgruppe im UKE geben erneut Anlass, besonders vor hoch dosiertem, häufigem und in kurzen Abständen wiederholtem Ecstasykonsum zu warnen und auf das Risiko neurotoxischer Wirkungen von Ecstasy hinzuweisen.
(idw - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, 02.09.2005 - DLO)
 
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