• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 22.10.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Edelgas rettet Hirnzellen

Xenon stoppt Abbau Neuronenabbau nach Schlaganfall

Dem Edelgas Xenon, das bislang vor allem als Narkose-Mittel in Krankenhäusern eingesetzt wird, steht eine große therapeutische Karriere bevor. Forscher des Berliner Universitätsklinikums Charité um den Molekularbiologen Professor Christian Petzelt und Professor Wolfgang Kox haben entdeckt, dass Xenon den Abbau von Hirnzellen nach einem Schlaganfall stoppt. Nach Meinung der Wissenschaftler ist eine Schutzwirkung des Edelgases auch bei anderen Zelltypen zu erwarten.
Nervenzelle

Nervenzelle

Den Boden für die neue medizinische Anwendung bereitete die Grundlagenforschung. Schon länger untersucht Petzelt an der Charité die Wirksamkeit und Einsatzfähigkeit von Narkosemitteln. Auch das Xenon gehört dazu, das als ideales Narkosegas gilt. Weil es aber sehr teuer ist, kommt es nur in bestimmten Fällen zur Anwendung. Da die exakten Wirkungsmechanismen von Xenon noch nicht bekannt waren, begann er vor sechs Jahren mit entsprechenden Untersuchungen.

Neuentdeckung zum Patent angemeldet


Die Wechselwirkung mit Calcium-gesteuerten Prozessen, die von Xenon beeinflusst werden, führten bald zur Betrachtung von krankhaften Abläufen in Neuronen, die sich im schlimmsten Fall zum Schlaganfall steigern können. In zellbiologischen Experimenten, die später durch Tierversuche ergänzt wurden, stellte Petzelt fest, dass bei einem Einsatz von Xenon der Verfall von Gehirnzellen, ausgelöst durch Sauerstoffmangel (Hypoxie), gestoppt werden kann.

"Die Tragweite meiner unerwarteten Entdeckung war mir sofort klar, da es auf dem Gebiet der Neuroprotektion eigentlich bis heute kaum erfolgreiche Therapie-Ansätze gibt, wiederum aber hypoxische neuronale Schäden ein großes klinisches Problem darstellen", erklärt der Charité-Forscher.


Alsbald wurde die Nutzung von Xenon als Neuroprotektivum zum Patent angemeldet - sechs Wochen vor einer britisch-amerikanischen Medizin-Forschergruppe, die dem gleichen Phänomen auf der Spur war. Gleichzeitig nahm Petzelt Kontakt zu dem größten deutschen Xenon-Hersteller, der Linde Gas Therapeutics, auf. Auch die Firma erkannte die therapeutischen Potenziale, erwarb die Patente und schlug erste Schritte zu Markteinführung ein. So entwickelt Linde Gas Therapeutics derzeit Applikationsgeräte, um das Xenon im klinischen Einsatz wiedergewinnen zu können und damit eine höhere Wirtschaftlichkeit zu erreichen.

Inzwischen ist die vorklinische Testphase für den Einsatz von Xenon als Neuroprotektivum abgeschlossen. "Auch die ersten klinischen Versuche wurden bereits erfolgreich durchgeführt", berichtet Petzelt. Ende kommenden Jahres soll mit der Untersuchungs-Phase 3 an Patienten in breiterem Umfang begonnen werden. "Für den klinischen Alltag ist meine Erkenntnis von großer Bedeutung, dass sowohl durch eine Vorbehandlung von Zellen durch Xenon, also bevor der Zellschaden induziert wird, als auch durch Nachbehandlung das Ausmaß des Zelltods reduziert wird", hebt der Medizin-Forscher hervor.

Auch Wirkung auf andere Zelltypen untersucht


Diesen Mechanismus hat Petzelt inzwischen auch für andere Zell-Typen untersucht. Mit Erfolg, was zu weiteren Patenten führte, die ebenfalls in Kooperation mit der Linde AG umgesetzt werden sollen. "Meine Erfindungen der zellprotektiven Eigenschaften des Edelgases Xenon können in ihrer Bedeutung für viele pathologische Situationen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden", ist sich der Charité-Wissenschaftler sicher.

So zeichnen sich neben der Therapie bei klassischen Hypoxie-Schäden (wie Schlaganfall) auch Einsatzmöglichkeiten von Xenon bei der Verminderung der Reperfusion- Schäden beim Einsatz von Herz-Lungen-Maschinen oder bei der Organ- Optimierung vor und während einer Transplantation ab. Petzelt ist daher überzeugt, "dass Xenon für viele lebenswichtige Anwendungen eine weite klinische Verbreitung erfahren wird".

"Transferpreis WissensWerte" verliehen


Für die Entdeckung der Xenon-Schutzfunktion, ihre schnelle Patentierung und die Anwendung in Zusammenarbeit mit dem industriellen Gase-Hersteller LINDE wurden die Berliner Forscher jetzt mit dem "Transferpreis WissensWerte" des TSB Förderverein Technologiestiftung Berlin e.V. ausgezeichnet. Die Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Preises findet am 30. August 2005 im Rahmen des Technologietransfertages in Potsdam statt und wird vom Berliner Wirtschaftssenator Harald Wolf vorgenommen.
(idw - TSB Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin, 31.08.2005 - DLO)
 
Printer IconShare Icon