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Freitag, 20.01.2017
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Vogelgrippe: Panik vor Wildvögeln unnötig?

NABU: Tiertransporte und illegale Einfuhr von Vögeln größere Gefahr

Der Naturschutzbund NABU hat mit Blick auf eine mögliche Ausbreitung der Vogelgrippe durch Zugvögel vor einer generellen Panik gegenüber Wildvögeln gewarnt, die im Herbst Deutschland überqueren, hier rasten oder überwintern. „Die größere Gefahr besteht im Zusammenhang mit Tiertransporten und illegaler Einfuhr von Vögeln“, sagte NABU-Vogelschutzexperte Markus Nipkow.
Zugvögel

Zugvögel

Ein wirksamer Seuchenschutz sollte genau da ansetzen. Der NABU begrüße, dass Bund und Länder Vogelimporte nun auch aus Russland komplett stoppen und Tiergrenzkontrollen verstärken wollen. Neben Geflügelimporten liege gegenwärtig das höchste Risiko für eine Ausbreitung der Seuche in europäische Länder im illegalen Handel vor allem mit Ziervögeln.

„Kein Mensch braucht sich nun vor dem Rotkehlchen im eigenen Garten zu fürchten“, betonte Nipkow. Auch in diesem Herbst dürfe sich jeder an dem großartigen Schauspiel des Vogelzuges erfreuen. Eine Übertragung der Seuche von Wildvögeln auf Geflügel sei zwar nicht auszuschließen, aber es sei fraglich, wie weit erkrankte Zugvögel wandern können, bevor sie selbst durch die Krankheit geschwächt werden und sterben.

„Allerdings hat das Virus mit dem Ural eine kritische Grenze zu Gebieten überschritten, in denen sich viele Wanderrouten von Zugvögeln kreuzen“, so Nipkow. Einige Arten wanderten durch dieses Gebiet auch nach oder durch Deutschland. Dazu zählen beispielsweise Bläss- und Saatgänse sowie Stock- oder Krickenten. Die Vögel versammeln sich in großer Zahl an Rastplätzen, wo sie sich untereinander anstecken könnten.


Auch Pro Wildlife warnt vor Wildvogelimporten


Angesichts der näher rückenden Vogelgrippe hat die Umweltorganisation Pro Wildlife auch auf die Gefahr der Krankheitsübertragung durch die millionenfachen Wildvogelimporte aufmerksam gemacht. Die EU ist weltweit der größte Abnehmer von "Ziervögeln" und importiert jährlich ca. 1,76 Millionen Tiere.

"Bei den derzeit diskutierten Vorsorgemaßnahmen wird der kommerzielle Handel mit Wildvögeln sträflich vernachlässigt. Es ist höchste Zeit, dass die EU die unverantwortlichen Importe stoppt", so Daniela Freyer von Pro Wildlife. "Bisher reagiert die EU immer erst, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist: Einfuhrstopps, z.B. kürzlich für Russland und Kasachstan, werden erst Tage nach Ausbruch des tödlichen Erregers verhängt." Behördenberichten zufolge breitet sich die Krankheit nun auch westlich des Ural aus - doch die EU bleibt untätig.

Zwar habe die EU seit Ausbruch des Vogelgrippevirus H5N1 ein Importverbot für alle Vögel aus neun asiatischen Ländern sowie jüngst aus Russland und Kasachstan erlassen. Die derzeitigen Prophylaxemaßnahmen seien jedoch völlig unzureichend: Importstopps würden, so Pro Wildlife, immer nur nachträglich und für einzelne Länder verhängt. Es bestehe also immense Gefahr, dass infizierte Vögel durch den kommerziellen Ziervogelhandel ganz legal nach Europa gelangen.

Nachbarländervon der Vogelgrippe betroffener Staaten wie z.B. Taiwan, Singapur, die Ukraine oder sie Türkei können nach wie vor ungehindert Wildvögel in die EU exportieren. Zudem sind die geltenden Importverbote in Asien befristet bis zum 30. September 2005. Auch die EU-Quarantänebestimmungen für Wildvögel bezeichnet Pro Wildlife als "Farce": "Nur ein Bruchteil der importierten Wildvögel muss auf Vogelgrippe getestet werden - häufig finden überhaupt keine Untersuchungen statt", so Freyer.

Dabei sei die Ansteckungsgefahr durch Ziervögel aus freier Wildbahn besonders groß: Zum einen lebten sie in besonders engem Kontakt mit Menschen. Zum anderen förderten der Stress bei Fang und Transport sowie drangvolle Enge und unhygienische Verhältnisse im Tierhandel den Ausbruch von Krankheiten immens.
(NABU/Pro Wildlife, 22.08.2005 - DLO)
 
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