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Dienstag, 17.10.2017
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Gehirn beim Täuschen beobachtet

Wissenschaftler identifizieren für „falsche Wahrnehmung“ zuständige Hirnregionen

„Glaub nicht alles, was du siehst“ – dieser Rat könnte nach neuen Erkenntnissen sogar zu kurz greifen: Amerikanische Hirnforscher haben herausgefunden, dass manchmal sogar nichts von dem, was wir zu sehen glauben, tatsächlich wahr ist. Woran das liegt und was dabei im Gehirn abläuft, konnte jetzt erstmals direkt beobachtet werden.
Daniel Moran, Neurobiologe der Universität von Washington und seine Kollegen Andrew B. Schwartz und G. Anthony Reina von der Pittsburgh Universität untersuchten Wahrnehmung und Illusion an Makaken und menschlichen Probanden. In einer durch Computer erzeugten optischen Täuschung sollten Affen eine Form nachfahren Dabei handelte es sich um einen Kreis, der aber durch einen visuellen Trick als Ellipse erschien.

Gehirn

Gehirn

Während des Versuchs registrierten die Forscher die Aktivität von Gehirnzellen verschiedener Areale und konnten so feststellen, welche Gehirnbereiche für welche Art der Wahrnehmung – tatsächliche Kreisbewegung der Hände oder vermeintlich wahrgenommene elliptische Form – zuständig sind. Sie identifizierten Regionen im Gehirn, in denen die Informationen über das Wahrgenommene und das tatsächlich Getane verarbeitet werden.

Es zeigte sich, dass die Affen offenbar fest der Meinung waren, eine Ellipse zu umfahren. Zwar repräsentierte der primäre motorische Kortex, der bewusste Bewegungen steuernde Hirnbereich, die tatsächliche Bewegung, doch in einer benachbarten Hirnregion, dem so genannten ventralen premotorischen Kortex, signalisierten die Zellen „elliptisch“.


Blick ins Gehirn


„Vorherige Untersuchungen haben bereits erkundet, wann Dinge als Illusion wahrgenommen werden, aber dies ist die erste Studie die zeigt, was dabei tatsächlich im Gehirn passiert“, erklärt Moran. „Man wusste bisher nicht, wie diese Information kodiert war. Und wir stellen jetzt noch dazu fest, dass die zuständigen Hirnregionen sogar direkt nebeneinander liegen.“

Die scheinbaren Wahrnehmungen spielen jedoch nicht nur im Umgang mit optischen Täuschungen ein Rolle, auch im Alltag sind sie von Bedeutung: Wenn beispielsweise jemand zum ersten Mal eine Gleitsichtbrille aufsetzt, hat er häufig Probleme damit, die Bewegungen seiner Hand mit dem zu koordinieren, was er sieht. Mit der Zeit passt sich das Gehirn jedoch der veränderten Sehweise an und Wahrnehmung und Aktion bilden wieder eine Einheit. Bei diesem Prozess spielt der ventrale Prämotorkomplex eine entscheidende Rolle.

Das Wissen darüber, wie das Gehirn Aktion und Perzeption unterscheidet, könnte in Zukunft dazu beitragen, biomedizinische Geräte beispielsweise zur Steuerung von Prothesen zu verbessern. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Science veröffentlicht.
(Washington University In St. Louis, 12.02.2004 - NPO)
 
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