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Samstag, 27.05.2017
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Hormon aus Echsenspeichel hilft bei Diabetes

Medikament kurbelt Insulinproduktion nur bei erhöhtem Blutzuckerspiegel an

Im Speichel der seltenen, nordamerikanischen Krustenechse Gila Lizard fand der junge New Yorker Forscher und Endokrinologe John Eng bereits 1992 ein bis dahin noch unbekanntes Peptidhormon, das er Exendin-4 taufte. Er stellte damals schon fest, dass Exendin-4 die gleiche Wirkung hat wie das menschliche Darmhormon GLP-1 (Glukagon-Like-Peptide). Wissenschaftler haben nun auf der Basis von Exendin-4 einen intelligenten, synthetischen Wirkstoff entwickelt, von dem in Zukunft viele Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes profitieren könnten.
Krustenechse Gila Lizard

Krustenechse Gila Lizard

"Es steuert die Insulinproduktion im Körper ganz eigenständig und je nach Bedarf und wird nur dann aktiv, wenn der Blutzuckerspiegel erhöht ist", erläutert Dr. Oliver Schnell vom Institut für Diabetesforschung in München die Wirkungsweise von Exendin-4. Diese Erkenntnisse führen dazu, dass neben oralen Diabetesmedikamenten und Insulinen künftig auch Darmhormone, so genannte Inkretine, in der Diabetes-Therapie eine wichtige Rolle spielen werden.

Exenatide – ein synthetisch hergestelltes Exendin-4 - ist der erste Vertreter einer neuen Wirkstoffklasse: der Inkretin-Mimetika. Im ursprünglichen Sinn bezeichnet man mit dem griechischen Wort "Mimese" die nachahmende Darstellung der Natur oder des Charakters einer Person. Unter Inkretin-Mimetika versteht man demnach Substanzen, die die Wirkung von Inkretinen imitieren.

Inkretin-Mimetika denken mit


Inkretin-Mimetika haben für Menschen mit Diabetes Vorteile, die bislang keine anderen Diabetesmedikamente bieten konnten. Sie kurbeln die Insulinproduktion nur dann an, wenn der Blutzucker erhöht ist. Bei einem niedrigen Blutzuckerspiegel bleibt die Stimulation der Insulinausschüttung aus. Inkretin-Mimetika verzögern einerseits die Magenentleerung, andererseits hemmen sie den Appetit. Darüber hinaus kann die neue Wirkstoffklasse zur Gewichtsreduktion beitragen, die bei Menschen mit Typ-2-Diabetes oft nötig wird. Studien zeigten, dass Patienten unter Gabe von Exenatide mit oralen Antidiabetika innerhalb von 30 Wochen zwischen 1,6 und 2,8 Kilogramm abnahmen.


"Bei den Inkretin-Mimetika handelt es sich um eine innovative Wirkstoffklasse, deren zentraler Vorteil darin besteht, dass es die Insulinproduktion streng vom Blutzucker abhängig ankurbelt. Praktisch bedeutet das, dass es die Hypoglykämierate senkt", erläutert Professor Dr. Michael Nauck von der Fachklinik für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten Bad Lauterberg, der maßgeblich an der weltweiten Forschung der Inkretin-Mimetika beteiligt ist.

Wirkung auch auf die insulinproduzierenden Zellen


In Tierversuchen konnten die Wissenschaftler mittlerweile bereits zeigen, dass Inkretin-Mimetika die insulinproduzierenden Zellen, die so genannten Beta-Zellen, regenerieren, die Beta-Zellmasse erhöhen und die Neubildung von Beta-Zellen fördern. Wenn sich diese Beobachtungen bestätigen, wären Inkretin-Mimetika eine neue Wirkstoffklasse, die den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen kann.

Das Medikament wird möglicherweise schon im Jahr 2006 in den Handel kommen.

Diabetes - eine globale Epidemie


Sechs bis acht Millionen Deutsche leiden an Diabetes. Rund 350.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich neu an der Stoffwechselkrankheit. Da die Erkrankung häufig über Jahre hinweg unerkannt bleibt, wird vermutet, dass die Dunkelziffer der nicht diagnostizierten Diabeteserkrankungen fast genauso hoch ist wie die Zahl der diagnostizierten Erkrankungen. Bei dieser Krankheit hat der Körper die Fähigkeit verloren, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Bei Typ-2-Diabetes produzieren die Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse das Insulin nicht mehr bedarfsgerecht. Der Blutzucker ist dann erhöht und kann nicht mehr richtig reguliert werden.

Typ-2-Diabetes entsteht meistens schleichend und aus einem Zusammenspiel vieler Faktoren. Genetik, Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen als Folge von Bewegungsmangel und falscher Ernährung sind besonders wichtige Risikofaktoren bei seiner Entstehung. Trotz zahlreicher Behandlungsmöglichkeiten können viele Patienten, das Therapieziel für Blutzuckerwerte nicht erreichen. Dies führt zu verheerenden Folgekomplikationen, die eine kostenaufwendige Therapie verlangen.
(Lilly Deutschland, 01.07.2005 - DLO)
 
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