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Freitag, 10.02.2012
Bringt „Klimaschaukel“ Kälte nach Europa?
Klimawandel könnte neue „Eiszeit“ im Norden, Wärme im Süden bringen
Der Klimawandel könnte Nordeuropa kalte Zeiten bescheren, während die Südhalbkugel unter der zunehmenden Wärme leidet. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie schottischer Wissenschaftler, die damit der weit verbreiteten Annnahme einer mehr oder weniger gleichförmigen „Erderwärmung“ widerspricht.

Eisberg in der Arktis
Eisberg in der Arktis
© NOAA
Basierend auf der Analyse der sich verändernden Klimamuster am Ende der letzten Eiszeit, deuten die neuen Ergebnisse darauf hin, dass der nördlichen Hemisphäre früher als erwartet eiszeitliche Verhältnisse ins Haus stehen könnten. 14 Jahre lang analysierten Wissenschaftler mehrerer schottischer Universitäten unter der Leitung von David Sugden, Professor für Geowissenschaften an der Universität von Edinburg dafür Radiocarbon und Isotopenproben aus Patagonien, um sich ein genaues Bild der Gletscherveränderungen vor 25.000 Jahren in diesem Gebiet zu machen.

Klimaschaukel am Eiszeitübergang
Als die Forscher diese Daten mit denen für nordatlantische Eisbedeckungen in der gleichen Zeitperiode verglichen, kamen sie zu einer erstaunlichen Schlussfolgerung: Immer dann, wenn im Süden die Gletscher wuchsen, zogen die Eismassen auf der Nordhalbkugel zurück und umgekehrt. Die Idee einer solchen bipolaren „Schaukel“ war bereits früher geäußert worden, jetzt aber lieferte diese Studie zum ersten Mal auch eindeutige und datierte Werte einer südlichen Landmasse, um diese Theorie auch zu belegen.

Die Ergebnisse zeigen, dass diese „Klimaschaukel“ nur in der Übergangszeit zwischen der Kaltzeit vor 17.500 Jahren und der bis heute anhaltenden Warmzeit, die vor rund 11.400 Jahren begann, auftrat. In den stabileren Phasen davor oder danach findet sich dagegen kein Hinweis auf eine solche Wechselwirkung.

Erwärmung könnte „Schaukeleffekt“ erneut auslösen
Da sich die Erde zur Zeit erneut aus einer stabilen Klimaperiode in einen Wandel zu begeben scheint, erlangen die neuen Erkenntnisse eine besondere Bedeutung. Die vergangenen 11.400 Jahre der Stabilität resultierten in einem relativ milden, durch den Golfstrom erwärmten europäischen Klima und einem kalten Südozean.

Die Daten deuten jedoch an, dass die globale Erwärmung eine signifikante Abkühlung des Nordatlantiks und eine Erwärmung des Südozeans nach sich ziehen könnte, wenn der „Schaukeleffekt“ wieder beginnt. Auslöser dafür könnte nach Ansicht der Forscher das schmelzende Eis der Arktis, aber auch sich verändernde Wind- und Meeresströmungen um die sich erwärmende Antarktis sein.

“Unsere Ergebnisse wecken interessante Fragen zu unserer gegenwärtig sich erwärmenden Welt: Wie stabil ist unser Klimasystem heute? Wie weit kann es belastet werden, bevor wir unwillentlich den Schalter für die bipolare Schaukel umlegen?“, fragt Sugden. „Kann sie durch Veränderungen in der Südhemisphäre angeschaltet werden, beispielsweise durch Veränderungen in der Antarktis? Die Studie bestätigt, dass wir uns näher an eiszeitlichen Bedingungen bewegen, als zuvor von vielen angenommen.“
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