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Montag, 16.01.2017
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Xenotransplantation noch nicht praxistauglich

RKI warnt vor übertriebenem Optimismus

Immer mehr Forscher erproben in Studien die Xenotransplantation, die Übertragung von Zellen und Organen von Tieren auf den Menschen. So berichtete ein mexikanisches Wissenschaftlerteam kürzlich über die erstmalige Behandlung junger Diabetiker mit Inselzellen vom Schwein. Vor übertriebenem Optimismus hinsichtlich der Xenotransplantation hat jetzt Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch- Instituts, gewarnt.
Schwein

Schwein

"Trotz großer Fortschritte in der Forschung, vor allem bei der Virussicherheit, sind noch weitere Untersuchungen notwendig, bevor die Xenotransplantation klinischer Alltag werden kann", sagte Kurth anlässlich des 8. Minisymposiums Xenotransplantation im RKI, "insbesondere muss die immunologische Abstoßung der Transplantate noch besser beherrscht werden."

Weltweit wurden inzwischen über 200 Patienten mit Schweinezellen behandelt, neben Inselzellen für Diabeteskranke wurde insbesondere auch Schweinehaut auf Patienten mit gravierenden Brandverletzungen transplantiert. Angesichts der internationalen Entwicklung betont die Weltgesundheitsorganisation in einer Stellungnahme vom zweiten Mai 2005, dass durch die nationalen Gesundheitsbehörden und die Gesetzgeber strenge Richtlinien etabliert werden müssen. Harmonisierte Qualitäts- und Sicherheitskontrollen sollen sichere Xenotransplantationen gewährleisten. Mit einem Aktionsplan will die WHO das viel versprechende Potenzial dieser Technologie unterstützen.

Schweine sind wegen ihres Stoffwechsels, der dem des Menschen ähnelt, wegen der vergleichsweise großen mikrobiologischen Sicherheit und aus Kostengründen die favorisierten Spendertiere. Hindernisse für die Xenotransplantation sind die Abstoßungsreaktionen des Immunsystems, die physiologischen Unterschiede zwischen Tier- und Menschenorganen und die mögliche Übertragung von Mikroorganismen.


So genannte porcine endogene Retroviren (PERV) stellen ein besonderes Problem dar, da sie in allen Schweinen vorhanden sind und menschliche Zellen infizieren können. Joachim Denner und Mitarbeiter, RKI, haben mehrere Tests zum Nachweis der Erreger entwickelt. Sie untersuchten auch das Blut der Diabetiker, die in Mexiko mit Inselzellen vom Schwein behandelt worden waren, und fand keine Schweineviren. Auch bei allen anderen der weltweit mit Schweinematerialien behandelten Patienten wurde keine Übertragung von PERV und anderen Schweineviren beobachtetet. Die Virussicherheit potenzieller Transplantate ist auch Thema in einem von Bruno Reichart aus München koordinierten Verbund von Forschergruppen. Bei dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Vorhaben sollen mehrfach gentechnisch veränderte Schweine entstehen und Strategien zur Verhinderung der Abstoßung entwickelt werden.

Auf dem Minisymposium diskutieren Transplantationsmediziner, Immunologen, Mikrobiologen, Virologen, Ethiker, Juristen und Behördenvertreter den Stand der internationalen Forschung. Das Symposium organisieren die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Xenotransplantation (DAX) und die Deutsche Transplantationsgesellschaft. Die DAX sieht ihre Aufgabe auch in der Erarbeitung von Richtlinien für die klinische Anwendung dieser Behandlungsform. "Dabei muss den Patienten Rechnung getragen werden, die ohne eine Transplantation häufig frühzeitig sterben, andererseits muss vermieden werden, dass neuartige Krankheitserreger vom Tier in den Menschen gelangen", betonen die DAX-Leiter Ralf Tönjes, Paul- Ehrlich-Institut, und Joachim Denner.
(Robert Koch-Institut, 13.06.2005 - DLO)
 
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