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Samstag, 23.09.2017
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Hirn-Stimulation hilft bei Parkinson

Lebensqualität beim fortgeschrittenen Parkinson-Patienten verbessert

Die gezielte elektrische Stimulation tiefer Hirnbereiche kann Parkinsonpatienten helfen. Das zeigen die Ergebnisse einer bisher weltweit einzigartigen Studie, durchgeführt und entwickelt vom Kompetenznetz Parkinson. In dieser Studie wurde erstmals die tiefe Hirnstimulation mit der medikamentösen Therapie verglichen und deren Einfluß auf die Lebensqualität beurteilt.
Nervenzelle

Nervenzelle

Mit dieser neuen, seit einigen Jahren an wenigen Universitätskliniken angewandten Methode werden langjährig erkrankte und schwer betroffene Patienten behandelt, bei denen Medikamente nur unzuverlässig wirken, so Studienleiter Prof. Günther Deuschl von der Neurologischen Universitätsklinik Kiel.

An der Studie nahmen 156 Patienten, allesamt mit stark ausgeprägten Symptomen, teil. Sie wurden entweder sofort operiert oder sechs Monate ausschließlich mit Medikamenten behandelt. Im Schnitt besserte sich die Lebensqualität der operierten Patienten um über 20 Prozent. Noch wesentlich ausgeprägter waren die Verbesserungen in Bezug auf Mobilität, Alltagsaktivität oder emotionale Ausgeglichenheit. Auch die mit Parkinson oft einhergehende Stigmatisierung nahm nach der Operation deutlich ab. "Die Verbesserung betrifft alle Lebensbereiche", fasst Prof. Deuschl zusammen. "Es gibt keine vergleichbare gut wirksame medikamentöse Therapie für diese Patientengruppe. Die Behandlung kann damit heute als wissenschaftlich etabliert gelten."

Reizung legt überaktive Nervenzellen lahm


Die genauen Ursachen für den permanenten Zellverlust sind bei der Parkinson-Krankheit noch unbekannt, doch ist offenbar ein winziger Kern in tiefen Hirnregionen, der Nucleus subthalamicus, für das typische Zittern, die Unbeweglichkeit und die Fallneigung mitverantwortlich. Bei der Tiefenhirnstimulation werden Elektroden über ein winziges Loch in der Schädeldecke in die Substantia nigra implantiert. Die hauchdünnen Kabel werden an einen Impulsgenerator angeschlossen, der wie ein Herzschrittmacher unter dem Schlüsselbein eingesetzt wird.


Mit regelmäßigen schwachen Stromstößen verursacht er eine permanente elektrische Reizung und legt damit die beteiligten überaktiven Nervenzellen in den tiefen Hirnregionen lahm. Prof. Deuschl: "Auf diese Weise lassen sich die typischen Bewegungsstörungen Zittern, Muskelsteifheit, Verlangsamung aller Bewegungsabläufe und die Überbewegungen günstig beeinflussen - und zum Teil sogar dramatisch verbessern." Einige der bisher behandelten Patienten erlangten nach dem Eingriff beinahe vollständige Kontrolle über alle Körperfunktionen zurück.

Schrittmacher individuell einstellbar


Mit einem Magneten können Patienten den Schrittmacher selbstständig an- und abschalten. Mit Hilfe eines Senders und spezieller Computer- Software kann der Arzt die Einstellung des Schrittmachers verändern und der Symptomstärke des Patienten anpassen. Nur in seltenen Fällen kommt es bei der elektrischen Tiefenhirnstimulation zu Nebenwirkungen wie Sprach- oder Sehstörungen. Auch diese lassen sich meist mit einer bloßen Veränderung der Stimulationsparameter beseitigen. Der Eingriff selbst ist nicht risikolos, aber im Vergleich zu anderen Hirnoperationen risikoarm. Der Patient ist nur örtlich betäubt; so dass neurologische Nebenwirkungen rasch erkannt und notwendige Gegenmaßnahmen sofort eingeleitet werden können.

Die neue Methode wurde Mitte der 90er Jahre erstmals angewandt. Seitdem gilt das Verfahren zwar als sehr effektiv. Doch die tatsächliche Bedeutung des Eingriffs für die Lebensqualität der Patienten war unbekannt. Auch wurde das Behandlungsverfahren niemals mit herkömmlichen medikamentösen Therapien verglichen. Dies alles wurde jetzt mit der neuen Studie nachgeholt.
(Kompetenznetz Parkinson, 08.06.2005 - NPO)
 
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