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Montag, 22.05.2017
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Erdwärme-Heizwerk in den Startlöchern

Tiefenbohrungen in Pullach erfolgreich

In der Gemeinde Pullach bei München entsteht derzeit ein geothermisches Heizwerk. Ende April wurde die abschließende zweite Bohrung bis in eine Tiefe von 4.120 Metern erfolgreich abgeschlossen. Erste Tests ergaben: Das Pullacher Thermalwasser ist mit 120 °C sogar heißer als erwartet. Schon in der kommenden Heizperiode soll die Gemeinde mit Wärme aus dem Erdinneren versorgt werden.
Geysire als Zeugen der Erdwärme

Geysire als Zeugen der Erdwärme

Vulkane, Geysire oder dampfende Thermalquellen – die Geothermie hat viele Gesichter. Auch wenn in Pullach bei München an der Erdoberfläche davon wenig zu sehen ist, so gelten die geologischen Bedingungen unter der Gemeinde doch als ideal für die Nutzung der Erdwärme. Denn hier befindet sich im so genannten nordalpinen Molassebecken ein riesiger Warmwasserspeicher in über 2.000 Metern Tiefe. Durch Tiefenbohrungen wird dieser Energievorrat nicht nur in Pullach sondern auch im nahe gelegenen Unterhaching angezapft.

„Heißwasserleitung“ Kalkstein


Im Visier der Geowissenschaftler steht die unterirdische „Heißwasserleitung“ des Malm-Kalksteins. Diese geologische Schicht lagerte sich vor über 130 Millionen Jahren als Überrest eines großen Meeres ab. Heute ist der verfestigte Kalkstein fast überall von Spalten und Rissen durchzogen und bietet somit ein optimales Zirkulationssystem für das heiße Tiefenwasser. Wie in einem riesigen unterirdischen Wasserboiler nimmt das Thermalwasser die Wärme des umgebenden Gesteins auf und kann bei entsprechender Förderung an die Oberfläche direkt in einem Heizkraftwerk oder über Fernwärmeleitungen genutzt werden. Dabei gilt: Je tiefer das Bohrloch, umso heißer das thermale Wasser. Denn durchschnittlich nimmt die Temperatur in der oberen Erdkruste um 3° Celsius pro einhundert Meter Tiefe zu.

Die Bohrarbeiten begannen in Pullach im Dezember 2004. Die erste Bohrung wurde bereits nach nur 42 Tagen vollendet. Aus einer Tiefe von 3.300 Metern, der Endteufe, sprudelte 111° Celsius heißes Wasser an die Erdoberfläche. Deutlich wurden damit die erwarteten 90° Celsius übertroffen. Für die geothermale Nutzung musste jedoch noch eine zweite Bohrung angesetzt werden, da bei heutiger Technik nicht nur Wasser aus der Tiefe gefördert sondern dieses nach Abkühlung auch wieder in den Untergrund verpresst wird. Im Idealfall entsteht so ein geschlossenes Leitungssystem: Über Bohrloch Nummer eins wird unter hohem Druck Wasser in die Kalksteinschichten verpresst, erwärmt sich dort und wird über die zweite Bohrung, eine Steigleitung, wieder nach oben gefördert. In Pullach liegen diese unterirdischen Punkte für Wasserentnahme und Rückspeisung ungefähr 1,8 Kilometer auseinander.


Erfolgreiche Bohrungen


Bohrmeißel

Bohrmeißel

Ende April 2005 erreichte auch die Bohrung „Pullach-Thermal 2“ ihre Endteufe von 4.120 Metern. Auch wenn der gleiche geologische Horizont wie bei der ersten Bohrung angezapft wurde, so liegt deren Zielbereich doch wesentlich tiefer. Denn während der Auffaltung der Alpen wurde der Malm im Süden weit nach unten gedrückt und taucht dort sogar bis in Tiefen von über 7.000 Metern in den Untergrund ab. Das Ergebnis des ersten Pumptest aus dieser Bohrung sorgte denn auch erneut für eine Überraschung: die Thermalwassertemperatur ist mit 120 °C erneut heißer als erwartet.

Aber nicht nur die Wärmeleistung scheint für die geothermische Nutzung ausreichend, auch die Wasserführung der Bohrstelle ist ergiebig. Denn bei einer Schüttung von fünfzig Litern pro Sekunde ergibt sich rechnerisch eine nutzbare geothermische Wärmeleistung von 10,5 Megawatt. Wegen der höheren Temperaturleistung entschied man sich daher, diese Bohrung Nummer zwei als Förderbohrung zu nehmen.

Problematisch ist hingegen derzeit noch die Verpressung von Wasser in den Untergrund bei „Pullach-Thermal 1“. Denn erste Injektionstests haben gezeigt, dass diese weniger Wasser aufnimmt, als eigentlich nötig. Daher überlegen die Forscher, den Bohrturm eventuell noch einmal auf diese erste Bohrung zurückzuversetzen, um das Bohrloch entweder zu vertiefen oder in eine andere Richtung abzulenken.

Nach Angaben der Betreiber beeinträchtigt dies jedoch nicht den weiteren Zeitplan des Gesamtvorhabens. So hat der Gemeinderat für den nächsten Schritt, den Bau der Energiezentrale, bereits einstimmig grünes Licht gegeben. Das Gebäude wird im Wesentlichen unterirdisch gebaut, so dass an der Erdoberfläche nur ein kleines, etwa siebzig Quadratmeter großes Gebäude sichtbar sein wird. Die Anlage soll kommunale Einrichtungen, Liegenschaften und Gebäude von Wohnungsgesellschaften versorgen. Insgesamt vierzehn Millionen Euro wird das Projekt Geothermie Pullach insgesamt kosten. Die Aufnahme des Betriebes ist bereits für die kommende Heizperiode im Winter 2005/06 vorgesehen.
(Geothermische Vereinigung, Innovative Energie für Pullach, 27.05.2005 - NPO)
 
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