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Dienstag, 23.05.2017
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Atomkraftwerk Obrigheim abgeschaltet

Trittin: Weiterer Schritt zum Atomausstieg

Mit dem Atomkraftwerk Obrigheim wird heute einer der ältesten Reaktoren in Deutschland stillgelegt. ER war seit 37 Jahren in Betrieb. Die Abschaltung erfolgt nach dem Atomkonsens zwischen Bundesregierung und Energiewirtschaft, der den allmählichen Ausstieg aus der Atomenergie herbeiführen soll. Von ursprünglich 49 geplanten und 20 genehmigten Atomkraftwerken laufen dann noch 17.
Atomkraftwerk

Atomkraftwerk

Mit dem Atomkonsens hatte sich die Bundesregierung mit den Betreibern im Jahre 2000 auf eine Reststrommenge verständigt, die an Atomstrom noch erzeugt werden darf. Diese Reststromenge ist heute bereits zu einem Drittel abgearbeitet. Ab dem 1. Juli dieses Jahres soll es, so Bundesumweltminister Jürgen Trittin, auch keine Transporte mehr in die Plutoniumfabriken nach La Hague oder Sellafield. Deutschland werde damit den Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft vollziehen.

„Ein längst überfälliger und viel zu kleiner Schritt in die richtige Richtung“, so kommentierte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die heutige Abschaltung des Atomkraftwerks Obrigheim im Neckar-Odenwald-Kreis (Baden-Württemberg). „Die Stilllegung dieses Schrottreaktors ist zwar eine gute Nachricht, sie bleibt jedoch nur ein symbolischer Beitrag beim notwendigen Atomausstieg“, sagte Dr. Brigitte Dahlbender, stellvertretende Vorsitzende des BUND-Bundesverbandes: „Da 95 Prozent der atomaren Kapazität weiter am Netz hängen, sind wir von einem endgültigen Atomausstieg noch sehr weit entfernt.“

Sollten bis zur Abschaltung des letzten Atommeilers – wie im Atomkonsens zwischen Bundesregierung und Stromwirtschaft vereinbart – tatsächlich weitere 15 Jahre vergehen, würde sich die Menge des strahlenden Atommülls noch einmal verdoppeln. Bis dahin sei Deutschland weiter den enormen technischen und terroristischen Risiken ausgesetzt, die die Nutzung der Atomenergie mit sich bringe. Die höchsten Terrorrisiken seien bei den AKWs Biblis A und B, Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg 1, Neckar 1 und Unterweser vorhanden.


Deshalb müssten diese zuerst abgeschaltet werden. Eine fortgesetzte Nutzung der Atomenergie bedeute zudem mindestens bis 2023 ein großes Hindernis beim Umstieg in eine nachhaltige und zukunftsweisende Energieversorgung. Der BUND fordere die Bundesregierung auf, nach Abschaltung der AKWs in Stade und Obrigheim umgehend weitere Atommeiler vom Netz zu nehmen. Da die Atomenergie lediglich 2,7 Prozent des weltweiten End-Energiebedarfs decke, könne sie auch keinen substantiellen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Dahlbender: „Gegen die großen Risiken von Atomkraftwerken gibt es nur ein Mittel: den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie. Jeder abgeschaltete Reaktor ist ein sicheres Atomkraftwerk mehr. Ein Ersatz der Atommeiler durch Kohlendioxid-emittierende Öl- oder Kohlekraftwerke wäre aber der falsche Weg. In Zukunft muss sparsam mit Energie umgegangen und auf erneuerbare Energien gesetzt werden. Allein durch Biomasse könnte in Baden-Württemberg die dreifache Strommenge erzeugt werden, die das AKW Obrigheim liefert. Außerdem könnte mit Hilfe der effizienten Kraft-Wärme-Kopplung rund ein Drittel des Wärmebedarfs gedeckt werden.“
(BMU, BUND, 11.05.2005 - NPO)
 
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