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Dienstag, 17.10.2017
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Resistente „Supermikroben“ auf dem Vormarsch

Studien belegen erneut Zunahme von resistenten Bakterienstämmen

Die Medizin macht Fortschritte, doch gleiches gilt auch für die Krankheitserreger: Resistente „Supermikroben“ sind auf dem Vormarsch. Die Rate der mit antibiotika-resistenten Bakterien infizierten Menschen stieg in den letzen Jahren stetig an, wie zwei jetzt veröffentlichte Studien zeigten.
Staphylococcus aureus

Staphylococcus aureus

Falsche und zu häufige Verschreibung und Einnahme von Antibiotika haben dazu geführt, dass Antibiotika-Resistenzen in Mikroorganismen inzwischen zu einem Problem auch und gerade in den Industrieländern geworden sind. Wer mit einem Stamm dieser resistenten „Super-Mikroben“ infiziert ist, dem ist mit den Standardmitteln oft nicht mehr zu helfen.

Resistenzen um mehr als das Doppelte zugenommen


Einer der Beispiele ist das Bakterium Staphylococcus aureus, das Hautschäden, aber auch schwere Infektionen bis hin zum Tode verursachen kann. Der auch als MRSA bezeichnete Erregerstamm ist gegen das Antibiotikum Methicillin resistent und spielt vor allem bei Infektionen im Krankenhaus eine Rolle. Er breitet sich aber auch immer weiter in der allgemeinen Bevölkerung aus.

Forscher des Baylor College of Medicine und des Texas Children’s Hospital haben jetzt eine dreijährige Studie zu S.aureaus Infektionen an Kindern abgeschlossen. Bei der Analyse der Proben des Jahres 2003 stellten sie fest, dass schon 73 Prozent aller Staphylococcus aureus-Infektionen durch die resistente Variante MRSA erfolgt waren – mehr als das Doppelte als noch in den Jahren zuvor. Mehr als 60 Prozent der betroffenen Kinder mussten in Krankhäuser eingeliefert werden.


„Es gab sogar Tote durch diesen Erreger, obwohl die weitaus größte Anzahl nur Haut und Bindegewebeinfektionen aufwiesen“, erklärt Sheldon Kaplan, Hauptautor der Studie. Der schnelle Anstieg der Resistenzen in Texas, so der Forscher weiter, sei ein Alarmzeichen auch für die Gesundheitsbehörden anderswo. Angesichts dieser dramatischen Entwicklung müssten auch Hausärzte überwachen, wie hoch der Anteil der resistenten Erreger in ihrem Bereich sei und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Mehrfach-Resistenzen ebenfalls auf dem Vormarsch


Und als wenn einfache Resistenzen nicht genug wären, sind einige Mikroorganismen inzwischen auch gegen mehrere Präparate immun. Wissenschaftler des Beth Israel Deaconess Medical Center und der Harvard Medical School haben auch bei diesen multiresistenten Erregern einen deutlichen Anstieg festgestellt. In einer sechsjährigen Studie vermehrte sich der Anteil der Patienten mit Bakterien, die gegen drei oder mehr Wirkstoffe resistent waren, von 1998 bis 2003 signifikant. Zu den vier erfassten Bakterienarten gehörte auch das Darmbakterium Escherischia coli.

Nach Ansicht von Aurora Pop-Vicas, Leiterin der Studie, hat die Ausbreitung der multiresistenten Bakterien zwei Hauptursachen: Zum einen die Fähigkeit der Erreger zu mutieren und unter Selektionsdruck, in diesem Falle durch Antibiotikagabe, Resistenzen zu entwickeln. Zum anderen die Übertragung der resistenten Stämme von Patient zu Patient, meist in Krankenhäusern oder in Pflegeheimen.

Nach Ansicht der Forscher müssen insbesondere die Hausärzte sich der Risikofaktoren für Infektionen mit multiresistenten Bakterien besser bewusst sein und sich bei der Verschreibung von Antibiotika einschränken. Ist ein Patient erst einmal mit einem resistenten Erregerstamm befallen, ist die Heilung eine „therapeutische Herausforderung“, wie Pop-Vicas erklärt. Denn dann helfen oft nur noch Kombinationstherapien, „um die Chance zu haben, dass der Mikroorganismus wenigstens noch auf einen von ihnen anspricht“, so die Forscherin. „Wir müssen noch mehr über die Möglichkeiten lernen, wie wir die Ausbreitung dieser Multiresistenzen verhindern können. Was jeder vermeiden will, ist einen Infektion mit einem Erreger, der gegen alle zur Zeit erhältlichen Antibiotika immun ist.“
(Infectious Diseases Society of America, 11.05.2005 - NPO)
 
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