• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Samstag, 23.09.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Nie wieder Röntgen?

Neue Methode zur Erzeugung von Terahertz-Strahlung entwickelt

Die Terahertz-Strahlung liegt auf dem elektromagnetischen Spektrum zwischen den langwelligen Radio- und Mikrowellen und dem unsichtbaren Infrarotbereich, der sich direkt an die dem menschlichen Auge noch sichtbare Farbe Rot anschließt. Bisher fehlten noch die entsprechenden Geräte zur einfachen Erzeugung der Strahlung im Terahertz-Bereich, die in Zukunft beispielsweise medizinische Röntgenuntersuchungen ersetzen kann. Wissenschaftler vom Forschungszentrum Rossendorf haben jetzt eine Terahertz-Strahlungsquelle entwickelt, die mit Hilfe eines intelligenten Tricks alle Schwachstellen der bisher vorgestellten Lösungsansätze umgeht.
Prinzip der Rossendorfer Terahertz-Strahlungsquelle

Prinzip der Rossendorfer Terahertz-Strahlungsquelle

Ein Terahertz entspricht einer Billion Schwingungen in der Sekunde. Es handelt sich um für den Menschen ungefährliche Wärmestrahlung in einem Frequenzbereich von 300 Gigahertz (GHz) bis 30 Terahertz (THz). Die Anwendungsmöglichkeiten der Strahlung in der medizinischen oder biologischen Analytik und in der Materialforschung stehen zwar erst am Anfang, werden aber dennoch als äußerst vielversprechend eingeschätzt.

So könnten THz-Strahlen die Röntgenbehandlung beim Arzt zum Teil ersetzen, etwa bei der Kariesdiagnostik. Die Strahlen durchdringen Kleidung oder Gewebe quasi ohne Mühe und könnten so in Zukunft Blicke auf das Frühstadium von Karies oder Hautkrebs beziehungsweise in das Innere von Zellen erlauben. Im Forschungszentrum Rossendorf wird die THz-Strahlung vor allem für die Untersuchung von Halbleiter-Materialien genutzt. Hierbei interessiert man sich besonders für die Dynamik der Elektronen, um damit die Grundlagen für komplexe Halbleiterstrukturen besser verstehen zu können und auf dieser Grundlage neue Bauelemente zu entwickeln.

Terahertz-Lücke


Der Nachteil der Strahlung - sie lässt sich heute noch nicht einfach und günstig erzeugen. Hinzu kommt, dass die erzeugte Strahlung in der Regel nicht intensiv genug ist für den Einsatz in der modernen Forschung. Man spricht daher regelrecht von einer Lücke, der Terahertz-Lücke. Weltweit arbeiten Forschergruppen daran, diese Lücke zu überwinden. Die Strahlungsquelle soll intensives "Licht" in einem breiten Frequenzbereich aussenden und gleichzeitig kostengünstig sein. Zwei verschiedene Ansätze werden derzeit verfolgt. Beim ersten Ansatz überlagern sich zwei Laser mit unterschiedlichen Frequenzen und sollen so in einem mit Elektroden präparierten Halbleiter kontinuierliche THz-Strahlung erzeugen. Der zweite Ansatz setzt auf superkurze Laserpulse, die ebenfalls auf einen Halbleiter gerichtet werden. Durch die Lichtpulse werden Elektronen im Halbleiter erzeugt, die im elektrischen Feld zwischen zwei auf dem Halbleiter angebrachten Elektroden beschleunigt werden und so THz-Strahlung aussenden.


Die Erfindung im Forschungszentrum Rossendorf geht auf diesen zweiten Ansatz zurück und verbessert die bisher vorhandenen Lösungsmöglichkeiten erheblich. Setzt man die Elektroden auf dem besonderen Halbleitermaterial Galliumarsenid nämlich weit voneinander entfernt (im Zentimeterbereich), um eine große aktive Fläche zur THz-Erzeugung zu erhalten, benötigt man eine Spannung im Kilovolt-Bereich. Damit wäre solch eine Strahlungsquelle für die Anwendung im Labor viel zu unpraktikabel. Setzt man die Elektroden dagegen nah (im Mikrometerbereich), hat man zwar einerseits die erforderliche elektrische Spannung im Griff, reduziert die aktive Fläche jedoch gleichzeitig so, dass die Intensität des erzeugten "Lichts" für die Anwendung nicht ausreichend ist.

Elektrodenstruktur greift fingerartig ineinander


Die Rossendorfer Physiker um Professor Thomas Dekorsy und Stephan Winnerl hatten eine simple, aber äußerst wirkungsvolle Idee. Sie stellten eine Elektrodenstruktur auf der Galliumarsenid-Scheibe (Wafer) her, die fingerartig ineinander greift. Die Abstände der "Finger" betragen jeweils etwa fünf Mikrometer und die Struktur insgesamt hat derzeit eine aktive Fläche von etwa einem Quadratzentimeter.

Ohne einen zweiten technologischen Trick kommt es allerdings nicht zur Aussendung von THz-Strahlung, denn es geschieht zunächst Folgendes: das elektrische Feld wechselt von Zwischenraum zu Zwischenraum die Richtung, so dass die durch die Laserpulse im Halbleitermaterial erzeugten Elektronen in entgegengesetzte Richtungen beschleunigt werden und die ausgesandte Strahlung sich im Ergebnis durch die entstehenden Interferenzen wieder auslöscht. Hier greift nun der folgende Trick: jeder zweite "Finger" auf der Halbleiter-Scheibe wird nachträglich mit einer zweiten Maske zugedeckt. So wird jeder zweite Spalt inaktiv und die Interferenz der ausgesandten Strahlung ist im Ergebnis konstruktiv.

Stephan Winnerl erläutert: "Die von uns erzeugte Terahertz- Strahlung ist kohärent - eine Eigenschaft, die beispielsweise jedes Laserlicht auszeichnet - und deckt einen Frequenzbereich von 0,5 bis zu 3 Terahertz ab. Damit haben wir ein sehr sensitives Messgerät an der Hand, mit dem wir beispielsweise Schichtstrukturen von Halbleitern in ganz neuem Licht betrachten können. Halbleiter können, jeweils abhängig von bestimmten Strukturen und Schichten, komplexe elektronische Eigenschaften annehmen. Die Terahertz-Strahlung ist zur Untersuchung dieser Eigenschaften ideal geeignet."

Weitere Vorteile der Rossendorfer Erfindung liegen in der Skalierbarkeit der aktiven Fläche und in der Möglichkeit für den Anwender, den Strahldurchmesser für seine jeweiligen Forschungen flexibel einstellen zu können. Dies ist ein wichtiges Kriterium unter anderem für die Nutzung der THz-Strahlung als bildgebendes Verfahren für bio- medizinische Fragestellungen. Die Erfindung ist mittlerweile zum Patent angemeldet.
(idw - Forschungszentrum Rossendorf, 12.04.2005 - DLO)
 
Printer IconShare Icon