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Donnerstag, 09.02.2012
Depressionen verdoppeln Herzinfarktrisiko
Erhöhter Blutzucker-Spiegel als Ursache?
Menschen, die an Depression leiden, haben ein doppelt so hohes Herzinfarktrisiko wie Gesunde. Dies ist eines der wichtigsten Ergebnisse der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim. Nach Meinung der Experten sollten Depressionen deshalb den klassischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte zugerechnet werden.

Modell eines menschlichen Herzens
Modell eines menschlichen Herzens
© Hermera
"Für die Kardiologie ist bedeutsam, dass die Depression als unabhängiger kardialer Risikofaktor gelten kann", so der Mannheimer Herzspezialist Doktor Florian Lederbogen. Studien unter Berücksichtigung der klassischen Risikofaktoren hätten ergeben, dass depressive Syndrome eine Verdoppelung des Risikos bewirkten, im späteren Verlauf an einer Koronaren Herzkrankheit zu erkranken oder zu versterben. Lederbogen: "Die depressionsbedingte Zunahme des Risikos ist vergleichbar der durch andere, klassische Risikofaktoren bedingten Gefährdung."

Die Depression ist eine häufige Erkrankung: Im Zeitraum eines Jahres leiden vier Prozent aller erwachsenen Personen an einer ausgeprägten Depression. Auf die Lebenszeit gesehen liegt die Häufigkeit bei fünf bis zwölf Prozent für Männer und zehn bis 25 Prozent für Frauen.

Experte: Depressive haben erhöhten Blutzucker-Spiegel
Zwar sind die Ursachen für die Erhöhung des Risikos durch Depressionen im Detail noch nicht geklärt, doch Wissenschafter entdecken immer mehr Zusammenhänge. So lässt sich etwa ein erhöhter Insulinspiegel - mit einer der wesentlichen kardialen Risikofaktoren - auch bei Depressions-Patienten besonders oft nachweisen.

"Depressive erreichen nach einer standardisierten Testmahlzeit deutlich höhere Insulinkonzentrationen als geunde Kontrollpersonen", so Lederbogen. "Möglicherweise ist die bei vielen Patienten mit einer Depression nachweisbare Überaktivität des Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Systems mit den daraus resultierenden höheren Serumkortisolkonzentrationen an diesem Effekt beteiligt."

Bei depressiven Frauen mit erhöhtem Serumkortisol haben Wissenschafter auch eine vermehrte Ausbildung von Bauchfett nachgewiesen. "Dafür könnte die für die Depression charakteristische endokrine Dysbalance - ein Überwiegen der fettakkumulierenden Hormone Kortisol und Insulin gegenüber den fettmobilisierenden Hormonen Testosteron und Wachstumshormon - verantwortlich sein", vermutet Lederbogen.

Depression und körperliche Risikofaktoren verstärken einander
Epidemiologische Studien belegen, dass depressive Symptome einen unabhängigen Risikofaktor darstellen, im Laufe der nächsten Jahre an einzelnen Komponenten des so genannten metabolischen Syndroms - Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes - zu erkranken.

"Umgekehrt konnte für den Diabetes und die koronare Herzkrankheit gefunden werden, dass das Hinzutreten eines depressiven Syndroms die Prognose dieser organischen Erkrankungen deutlich verschlechtert", weiß der Herzspezialist. "Bei diesem Zusammenspiel sind sicherlich Depressions-assoziierte Verhaltensfaktoren wie geringeres Aktivitätsniveau, häufigeres Rauchen oder das Nichteinhalten von Diätempfehlungen mitbeteiligt", so Lederbogen, "können aber nicht die Gesamtheit der Risikoerhöhung erklären."
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