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Mittwoch, 13.12.2017
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Dramatische Ausbreitung von Aids in Osteuropa

Medizinisches Handeln statt Tabuisierung gefordert

Die Zahlen lesen sich dramatisch, die Zahl der Neuinfektionen in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion steigt unaufhaltsam und ist weltweit die höchste: 1,4 Millionen HIV-Positive und an AIDS Erkrankte schätzt die UNAIDS, die AIDS-Hilfsorganisation der UNO.
Aids-Virus

Aids-Virus

Zwei Drittel aller AIDS-Infizierten ganz Europas leben in Russland, der Ukraine und den baltischen Staaten. Da in diesen Ländern die Erkrankungen nicht verlässlich erfasst werden, liegt die Zahl irgendwo zwischen 920.000 und 2,1 Millionen im Alter von 15 bis 49 Jahren. Schon an diesem Problem der Epidemiologie zeigt sich nach Ansicht von Medizinern, wie in den Staaten Russland und Ukraine der gesellschaftliche Umgang mit HIV und AIDS ist: tabuisieren, ignorieren und die Situation der Betroffenen verschärfen.

AIDS verändert eine Gesellschaft in ihren Grundstrukturen, Staat und Politik zeigen vor allem, wie sie mit Randgruppen umgehen. Dies war auch in Deutschland die große Herausforderung und nun Anlass für Soziologen und Mediziner der Ludwig-Maximilians-Universität, im Rahmen eines Symposiums ihre wissenschaftlichen Analysen und Ergebnisse zusammenzutragen, um dem gesellschaftspolitischen Problem, das immer schärfer zu medizinischem Handeln zwingt, Lösungen aufzuzeigen.

Waren es erst die Prostituierten und Drogenkonsumenten, ist die Epidemie längst in der Allgemeinbevölkerung angekommen. Die Gründe liegen vor allem in der fehlenden Sexualerziehung, der generellen Tabuisierung von Sexualität und Homosexualität und letztlich der Stigmatisierung der Erkrankung, weshalb sich viele Menschen auch nicht registrieren und behandeln lassen.


Durch die Antiretrovirale Therapie (ART) kann nach der Infektion der Ausbruch der Krankheit verzögert werden. Mit Unterstützung durch internationale Organisationen stehen die Medikamente in der Ukraine seit 2004 zur Verfügung, kommen jedoch durch einen trägen Verwaltungsapparat und fehlende Ausbildung der Ärzte bei wenigen Patienten an. Nach Angaben der WHO erhielten in der Ukraine 170 Patienten die Therapie - bei (offiziell registrierten) 69.000 Erkrankten. Auch hier liegen die Schätzungen weit höher, von 700.000 Infizierten sprechen Experten. Diese leben vor allem in Kiew und Odessa, der Hafenstadt, von der sich die Epidemie ausbreitete.

Zu den medizinischen Aspekten kommen psychosoziale Faktoren hinzu.
Deren Auswirkungen zeigen sich deutlich in der Präventionsarbeit bei Migranten - etwa 8.500 Menschen sind im Jahr 2004 aus den ehemaligen GU-Staaten als Spätaussiedler nach Bayern gekommen. Die Aussiedler bestätigen in den Therapiegesprächen, dass ihre Erkrankung nach wie vor mit Unmoral gleichgesetzt und Drogenkonsum sowie ungezügelte Sexualität unterstellt wird. Die soziale Isolierung beginnt, und die Sprachlosigkeit, die mit Anständigkeit gleichgesetzt wird, verhindert eine erfolgreiche Präventionsarbeit.
(Klinikum der Universität München, 30.03.2005 - NPO)
 
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