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Freitag, 15.12.2017
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Mit Hightech auf Hasenjagd

Forscher ermitteln Ursachen für Massensterben von Junghasen

Mithilfe einer Wärmebild-Kamera spüren Forscher zurzeit junge Feldhasen, um mehr über ihren Gesundheitszustand herauszufinden. Sie wollen wissen, warum so viele Junghasen früh sterben.
Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) untersuchen zusammen mit Kollegen aus Hannover den Kampf ums Überleben von Junghasen. Während die Projektpartner vom Institut für Wildtierforschung (IWFo) in Hannover hauptsächlich die bevorzugten Aufenthaltsorte der kleinen Feldhasen ermitteln wollen, geht es den Berliner Forschern um den Energieumsatz des Hasennachwuchses und um den Gesundheitszustand der Tiere.

Sie wollen so die Ursachen für die hohe Sterblichkeit von Junghasen, gerade aus dem ersten "Satz" klären. Feldhasen gebären ("setzen") drei- bis viermal pro Jahr Junge, und vor allem die kleinen Hasen aus dem Februar und März haben es schwer.

Ein spät endender Winter wie in diesem Jahr erhöht die Sterblichkeit stark. Jungtiere müssen erheblich mehr Energie aufwenden, um warm zu bleiben und zu überleben. Zudem ist das Nahrungsangebot durch Schnee und Eis eingeschränkt, auch für die säugenden Muttertiere.


Agrarsteppe als Grund für die Hasensterblichkeit?


"Möglicherweise bietet unsere ausgeräumte Agrarsteppe dem Hasen keinen Schutz vor unwirtlichen Bedingungen", erläutert der IZW- Wissenschaftler Christian Voigt. "Junghasen sind als Nestflüchter der Witterung in besonderem Maße ausgesetzt, deshalb messen wir nun den Energieumsatz von Junghasen verschiedenen Alters."

Ulrich Voigt vom IWFo aus Hannover fügt hinzu: "Es wird vermutet, dass Hasen bevorzugt an Randbereichen von Ackerflächen oder landwirtschaftlichen Wegen ihre Jungen setzen - und dass Beutegreifer wie Füchse sich darauf eingestellt haben." Die Prädatoren, wie sie in der Fachsprache heißen, hätten dann ein leichtes Spiel und brauchten die Junghasen quasi nur aufsammeln.

„Hasendichte“ wird immer geringer


Klar ist auf jeden Fall, dass es nicht nur eine Ursache für die vielerorts zu beobachtenden niedrigen Hasendichten gibt. "Wir finden in benachbarten Landkreisen mit ganz ähnlichen Landschaften und nahezu gleicher Fuchspopulation höchst unterschiedliche Dichten von Hasenpopulationen", berichtet Ulrich Voigt aus Niedersachsen. Es sind also weder allein die Füchse, noch die Krankheiten und auch nicht die vielgescholtene Landwirtschaft mit ihrem Dünger- und Pestizideinsatz, die die Hasen dezimieren. Ein ganz wichtiger Faktor ist das Überleben der Junghasen in den ersten Wochen nach der Geburt. Darin sind sich die Hasenforscher weitgehend einig.

Um nun Genaueres über den Gesundheitsstatus von Junghasen zu erfahren, wollen die Forscher aus Berlin und Hannover gemeinsam die Tiere aufspüren und untersuchen. Sie nutzen dazu eine moderne Wärmebild- Kamera, mit der sie bis zu einer Entfernung von rund hundert Metern die ansonsten schwer zu entdeckenden Tiere als hellen Umriss sehen können. Haben sie einen Hasensatz gefunden, so nehmen sie die Jungtiere vorsichtig hoch und untersuchen sie: Größe, Gewicht und Allgemeinzustand werden ermittelt, Abstriche gemacht und Blut entnommen.

Zur Blutabnahme setzen die Wissenschaftler ein in Berlin entwickeltes, äußerst schonendes Verfahren ein. Sie nutzen Raubwanzen der Art Dipetalogaster maximus, die den Tieren völlig schmerzlos und damit stressfrei Blut "abzapfen". Das Blut kann unverändert aus den Mägen der Raubwanzen mit einer Kanüle gesaugt und dann analysiert werden.

Neben den per Hightech-Kamera ermittelten Aufenthaltsorten der Hasen und dem über Blutwerte ermittelten Energieumsatz wollen die Wissenschaftler wissen, welchen Krankheitserregern die Tiere ausgesetzt sind. In früheren Untersuchungen an erwachsenen Hasen zeigte sich, dass die Tiere eigentlich ganz gesund waren, berichtet Kai Frölich vom IZW. Insofern erhoffen sich die Wissenschaftler von den Abstrichen und der Blutuntersuchung wichtige Aufschlüsse über mögliche Keime, die den Hasen zu schaffen machen.
(idw - Forschungsverbund Berlin, 21.03.2005 - DLO)
 
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