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Freitag, 22.09.2017
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Schlupfwespen statt chemische Keule

Hecken, Raine, Brachen und Grünland fördern biologische Schädlingskontrolle

Die Erkenntnis ist nicht neu: Durch Unterstützung natürlicher Regulationsmechanismen biologische Schädlinge zu unterdrücken. Doch dass solche indirekten Methoden im konkreten Fall tatsächlich erfolgreich genug sein können, muss sich immer wieder aufs Neue beweisen – wie jetzt in einer Studie der Universität Göttingen.
Schlupfwespe beim Stich

Schlupfwespe beim Stich

Das Ergebnis der Studie des Fachgebiets Agrarökologie: Eine strukturreiche Landschaft mit Feldrainen, Hecken, Brachen und Grünland kann ökologische Prozesse wie die natürliche Schädlingsbekämpfung positiv beeinflussen und damit Pestizide überflüssig machen. So fördern Rückzugsflächen für Schlupfwespen deren Vermehrung und damit die biologische Kontrolle von Blattläusen, dem größten Schädling im Getreide.

Die Göttinger Agrarökologen untersuchten drei Jahre lang die Effizienz der Schlupfwespen in der Schädlingsbekämpfung auf 40 Weizenfeldern in Niedersachsen, die in unterschiedlichen Landschaftstypen von strukturarm bis strukturreich liegen. Eine Voraussetzung für das Funktionieren der natürlichen Regulation der Blattläuse durch Schlupfwespen ist, dass diese genügend Rückzugsflächen vorfinden.

„Bei einem Anteil von rund 30 Prozent Rückzugsfläche können die Schlupfwespen große Populationen aufbauen. Dann gelingt es ihnen, die Blattläuse derart zu attackieren, dass die Schädlinge sich nicht mehr im Weizenfeld vermehren können", so Dr. Carsten Thies, der die Untersuchungen geleitet hat. Jedoch funktioniere die biologische Kontrolle nicht immer; im sehr warmen Jahr 2003 hatten die Schlupfwespen im Kampf gegen den Schädling keine Chance.


Die Forschungsergebnisse eröffnen nun erste Wege für ein Management von Ökosystemprozessen auf Landschaftsebene. „Ein besseres Verständnis der biologischen Schädlingskontrolle kann dazu beitragen, Pflanzenproduktionssysteme zu entwickeln, die mit dem Einsatz einer deutlich reduzierten Menge an Insektiziden auskommen. Damit werden die Belastungen für die Umwelt und die Produktionskosten für die Landwirtschaft verringert", so Dr. Thies. In weiteren Studien untersuchen die Göttinger Agrarökologen derzeit, welche Pflanzenarten die Populationen der Blattlaus-Gegenspieler besonders fördern.

Die Ergebnisse wurden jetzt in der Biologie-Reihe der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society of London" veröffentlicht. Die Untersuchung war Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Programms „Biodiversity and Global Change". Sie baut auf einer früheren Studie des Fachgebiets Agrarökologie auf.
(Universität Göttingen, 11.03.2005 - NPO)
 
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