Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 21.03.2010
Mikroproteine unterstützen Chemotherapie
Neuer Wirkstoff stimuliert Bildung von Blutplättchen
Neue therapeutische Wirkstoffe auf der Basis von Mikroproteinen können vielleicht schon bald Chemotherapien unterstützen. Die vom Göttinger Biotechnologie-Unternehmen Selecore entwickelte Substanz verhindert Blutarmut bei der Therapie und fördert die Bildung neuer Blutplättchen. Dabei wirken Mikroproteine im Prinzip wie Antikörper, in dem sie an vorgegebene Zielmoleküle andocken und sie blockieren.

Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, leiden häufig unter Armut an Blutplättchen, der so genannten chemotherapieassoziierten Thrombozytopenie. Dabei werden die Vorläuferzellen für Blutplättchen im Knochenmark beschädigt oder zerstört. Die Folge: Eine schnelle und koordinierte Wundheilung ist durch den Mangel an Blutplättchen nicht möglich, weil der Mindestspiegel an Blutplättchen nicht vorhanden ist.

Damit sich das Knochenmark wieder regenerieren und neue Vorläuferzellen bilden kann, liegen zwischen den einzelnen Behandlungsintervallen oftmals mehrere Wochen und Monate. "Mit Hilfe des neuen Wirkstoffes wird die Bildung von Blutplättchen stimuliert und die Vorläuferzellen können im Verlauf der Chemotherapie schneller gebildet werden", erklärt Harald Kolmar von Selecore. Nach seiner Ansicht eine entscheidende Voraussetzung für den Therapieerfolg: "Mit kürzeren Regenerationsphasen und einem höheren Behandlungsrhythmus lässt sich der Tumor besser kontrollieren."

Medizinische Tests haben den neuen Wirkstoffkandidaten in den vergangenen Monaten näher an die Marktreife geführt. An der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurde der Wirkstoff bereits erfolgreich an menschlichen Knochenmarkzellen getestet. Auch Tests an gesunden Mäusen, die das Fraunhofer Institut in Hannover durchgeführt hat, wurden positiv abgeschlossen. Bereits mit geringen Konzentrationen konnte die Anzahl der Blutplättchen um die zwei- bis dreifache Menge erhöht werden. Letzte Klarheit sollen nun Tests mit kranken Mäusen bringen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Krebs, Tumore, Blut, Blutplättchen, Knochenmarkzellen, Wirkstoff, Medikamente
Weitere News zum Thema
Immunzellen weisen Lymphgefäßen den Weg (18.03.2010)
Weiße Blutkörperchen geben Startsignal zur Bildung von Lymphbahnen
Zellen arbeiten mit Doppelschlag gegen Krebs (17.03.2010)
Bisher für unabhängig gehaltene Schutzprogramme der Zelle agieren doch im Verbund
DNA-Schäden: Gelöste Elektronen gefährlicher als freie Radikale? (08.03.2010)
Forscher entdecken möglichen neuen Mechanismus für Strahlenschäden am Erbgut
Immunsystem: „Zweite Meinung“ schützt vor Überreaktion (01.03.2010)
Mechanismus der spezifischen Aktivierung der Killer-T-Zellen aufgeklärt
Schwangerschaftshormon auch in Walnussbäumen (25.02.2010)
Forscher weisen Progesteron in höheren Pflanzen nach
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Dossiers zum Thema
Viren und Krebs
Entdeckungsgeschichte einer „unmöglichen“ Beziehung
Arzneimittelforschung
Mit Hightech auf der Suche nach Naturwirkstoffen
Schmerz
Alarmstufe Rot im Nervensystem
News des Tages
Alpen: Pilze als Erosionsschutz
Raptoren waren Kosmopoliten
Saturnringe: Silikate im Wassereis
Mikroproteine unterstützen Chemotherapie
Ein Haar reicht für DNA-Analyse
Grüner Tee hält schlank
Ursache für seltene „Doppelkrankheit“ entdeckt
Bücher zum Thema
Mensch, Körper, Krankheit
von Renate Huch und Christian Bauer
Bittere Pillen
Nutzen und Risiken der Arzneimittel
Prostatakrebs
von Hermann Delbrück
Top-Clicks der Woche
1. Licht verbiegt Materie
2. Radioaktivität tatsächlich „Heizofen“ des Erdinneren
3. Super-Supernova: Weißer Zwerg sprengt Massegrenze
4. „Stein von Rosetta“ der Exoplaneten gefunden
5. Neuer langlebigerer Akku für mobile Geräte