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Samstag, 20.03.2010
Raptoren waren Kosmopoliten
Erste Art auf der Südhalbkugel entdeckt
Raptoren, die schnellen fleischfressenden Dinosaurier der Kreidezeit, lebten nicht nur auf der Nordhalbkugel, wie bisher angenommen, sondern auch im Süden. Wissenschaftler haben in Patagonien, an der Südspitze des amerikanischen Kontinents, Fossilien einer neuen Raptorenart entdeckt, die dies belegen.

Fußfossilien der neuen Raptor-Art
Fußfossilien der neuen Raptor-Art
© Fernando Novas, Argentine Museum of Natural History
Die Forscher Diego Pol von der amerikanischen Ohio State Universität und Fernando Novas vom argentinischen Museum für Naturgeschichte hatten Fragmente der Rippen, der Beine, einen linken Fuß und einen Klauenbdruck des Tieres bereits 1996 entdeckt. Seither haben Wissenschaftler rund um die Welt Daten gesammelt, um anhand typischer Charakteristiken wie der Größe und Form der Knochen und der Muskelansatzstellen den Dinosaurier zu identifizieren. Insgesamt kamen die Forscher auf 224 relevante Merkmale.

Genprogramm hilft bei Auswertung
Diese nutzte Diego Pol, um mithilfe eines normalerweise für Genvergleiche eingesetzten Computerprogramms, aus den Merkmalen auf die Verwandtschaftszugehörigkeit des unbekannten Dinos zu schließen. „Wir können Gensequenzen aber auch jede physische Charakteristik wie Knochen oder Muskeln und sogar Verhalten dafür nutzen. Wir finden damit die Stammbaumstruktur, die am besten mit den Daten übereinstimmt“, erklärt Pol.

Einmal in das Programm eingegeben, dauerte die Auswertung nur Minuten – und das Ergebnis war überraschend: Die Knochen gehörten definitiv zu einem Raptor. Nicht nur die Klauen, auch die feineren Details der Knochen wie die zugespitzte Form einiger Fußknochen lieferten die Schlüsselbelege dafür. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe des Magazins Nature veröffentlicht.

Fundort mit Folgen
Verglichen mit anderen Raptoren macht der Neuquenraptor zwar keinen großen Eindruck, aber dafür ist er der erste seiner Art, der auf der Südhalbkugel entdeckt wurde. Der Dinosaurier war nach damaligen Maßstäben nur von mittlerer Größe und Gewicht, von Kopf bis Schwanzspitze maß er knapp zwei Meter. Seine Krallen waren dafür aber rasiermesserscharf. Seine Knochen liefern die ersten eindeutigen Beweise dafür, dass die Raptoren die Prähistorische Welt auch über die Nordhalbkugel hinaus bevölkerten.

Nach der heute gängigen geologischen Theorie bestand die Erde vor rund 90 Millionen Jahren, der Ära der Raptoren, aus zwei Superkontinenten – Laurasia, aus dem später Europa, Asien und Nordamerika entstanden – und Gondwana, der Südkontinent, der später zu Australien, Afrika, der Antarktis und Südamerika zerfiel. Da der Neuquenraptor in Südamerika gefunden wurde, muss er im Gegensatz zu allen anderen bisher entdeckten Raptorenarten zur Kreidezeit in Gondwana gelebt haben, so die Wissenschaftler.

“Das war das Erstaunlichste”, erklärt Pol. „Geht man nach dem geographischen Ort, würde man dort nicht erwarten, einen Raptoren zu finden. Daher war uns von Anfang an klar, dass wir einen interessanten Fund vor uns hatten.“ Die beiden Superkontinente Gondwana und Laurasia wurden vor rund 150 Millionen Jahren getrennt, als eine noch größere Landmasse, Pangäa, zerfiel.

“Bis jetzt fanden sich alle bekannten Raptorenarten ausschließlich auf der Nordhalbkugel”, fährt der Wissenschafter fort. „Und sie alle stammen aus einer Zeit nach der Trennung der beiden Landmassen.“ Es muss daher, so schließen die Forscher, einen gemeinsamen Vorfahren der Nord- und Südraptoren gegebene haben, der bereits in den Weiten Pangäas nach Beute jagte. Für die Dinosaurierforscher eröffnet dies eine ganz neue Sicht auf die Entwicklungsgeschichte dieser Dinogruppe.
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