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Montag, 23.01.2017
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Brustkrebs: MRT verhindert Rückfälle

Studie: Untersuchungsverfahren entdeckt Tumore präziser

Die Magnetresonanz-Tomographie (MRT) ist bei der Diagnose von Brustkrebs allen anderen Untersuchungsverfahren weit überlegen. Das zeigt erneut eine Studie der Universität Bonn, die nun im Fachblatt Radiology erschienen ist: Bei sieben von 72 Patientinnen, die brusterhaltend operiert worden waren und die danach als tumorfrei galten, entdeckten die Bonner Radiologen mittels MRT weitere Tumorherde. Weder in der Mammographie noch im Ultraschallbild waren sie zu sehen gewesen. Dennoch zahlen die Krankenkassen die Brust-MRT nur in Ausnahmefällen. Die Wissenschaftlerin Christiane Kuhl findet das "problematisch". Sie fordert, die Methode zumindest bei einem sicheren Krebsbefund routinemäßig einzusetzen, um wirklich sämtliche Tumorherde in beiden Brüsten sicher aufzuspüren und danach operativ entfernen zu können.

Kostenlose MRT-Untersuchung


Einige Patientinnen der Bonner Uniklinik verdanken es amerikanischen Forschungsgeldern, dass bei ihnen ein Brusttumor frühzeitig entdeckt wurde: Das nationale Krebsforschungsinstitut (NCI) der USA finanziert momentan auf dem Venusberg eine Studie, in der sich Frauen mit Brustkrebs kostenlos einer MRT-Untersuchung unterziehen können. "Wir haben bislang 41 Frauen untersucht, die gerade wegen eines Karzinoms in einer ihrer Brüste behandelt worden waren", erklärt die Radiologin Dr. Kuhl. "Vier von ihnen hatten auch in der anderen Brust einen Tumor, der weder in der Mammographie noch im Ultraschallbild aufgefallen war." Leider wird die Methode in dieser Situation weder von den gesetzlichen Kassen finanziert noch in den EU-weiten Behandlungsrichtlinien zum Brustkrebs überhaupt erwähnt. Dr. Kuhl: "Wir vernachlässigen die derzeit beste Diagnose-Methode; sie wird immer noch viel zu wenig eingesetzt." Das Amerikanische Krebsforschungsinstitut NCI greift dagegen gerne auf die Bonner Expertise zurück - dies ist bereits die dritte Studie zur Brust-MRT, die an der Radiologischen Klinik der Universität Bonn mit Unterstützung des NCI vorgenommen wird. Globalisierung paradox: Amerikanische Steuerzahler finanzieren die Untersuchung deutscher Patienten an einem deutschen Krankenhaus.

Unhaltbare Argumente gegen MRT


Die soeben veröffentlichte Studie bringt eines der Argumente gegen die MRT ins Wanken. Bislang hielt man nämlich die Methode zur Nachsorge während oder in den Monaten nach einer Strahlentherapie für untauglich: Die Bestrahlung führt zu einer Entzündungsreaktion, einer Art Sonnenbrand, wodurch sich die Durchblutung der Brust ändert. Damit könne aber auch vermehrt Kontrastmittel in das bestrahlte Gewebe gelangen und dort einen Tumor vortäuschen - "eine völlig haltlose Annahme, zumal die Kontrastmittelverteilung nur ein Merkmal unter vielen ist, die wir bei der Diagnose berücksichtigen", erklärt Dr. Kuhl. Die Studie belegt eindrucksvoll, dass die Strahlentherapie die Sicherheit der MRT-Befunde entgegen der gängigen Lehrmeinung nicht beeinträchtigt.: 72 Patientinnen stellten sich nach der eigentlichen Brustkrebs-Operation zur Strahlentherapie in der Radiologischen Klinik vor. Wie es die aktuellen Richtlinien vorsehen, hatte man diese Frauen vor der brusterhaltenden Operation "nur" mammographisch und per Ultraschall untersucht.

Die Bonner Radiologen führten dann während der sich anschließenden Strahlenbehandlung eine MRT durch, um zu prüfen, ob nicht noch weitere Krebsherde in der erkrankten oder der gesunden Brust vorhanden waren. Und sie wurden tatsächlich fündig: Bei 7 der insgesamt 72 Patientinnen, die nach Mammographie und Ultraschall als tumorfrei galten, fanden die Mediziner weitere zusätzliche Brustkrebsherde. Für die betroffenen Frauen eine belastende Situation, da sie sich erneut einer Operation unterziehen mussten. "Das ist natürlich auch eigentlich nicht der Sinn der Sache", kritisiert die Radiologin. "Viel vernünftiger wäre es, den Frauen schon vor der Operation eine MRT anzubieten, damit alle vorhandenen Tumore erkannt und in einem einzigen Eingriff entfernt werden können. Bei den Patientinnen, die in der Universität Bonn operiert werden, verfahren wir auch immer so - die 72 Frauen, von denen hier die Rede ist, waren allerdings in anderen Einrichtungen operiert worden und hatten vor der Operation eben keine MRT erhalten."


Frühe Diagnose ist das Einzige, was hilft


"Grundsätzlich ist die Magnetresonanz-Tomographie allen anderen Methoden zur Diagnose von Brustkarzinomen überlegen", sagt die Privatdozentin. Weil die gesetzlichen Kassen die Untersuchung so selten tragen, kann sie aber außerhalb universitärer Zentren nur selten durchgeführt werden. Daher mangelt es an erfahrenen Ärzten, die die Aufnahmen beurteilen können. Zwar sei die Untersuchung mit über 600 Euro vergleichsweise teuer. Dieses Kostenargument relativiert Kuhl jedoch: "In Deutschland werden jährlich Tausende von MRT-Untersuchungen durchgeführt - oft bei Erkrankungen, bei denen das Ergebnis der MRT für die Behandlungsstrategie überhaupt keine oder kaum eine Bedeutung hat. Bei Brustkrebs ist dagegen bekannt, dass die MRT vor einer geplanten Operation sehr wichtige Befunde für die Therapie liefert - schließlich kann ein übersehener Tumorherd im schlimmsten Fall zum Tode führen."

In Deutschland erkranken zwölf Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs, jeder dritte bösartige Tumor stammt aus einer weiblichen Brust. 19.000 Deutsche sterben pro Jahr an der Erkrankung. Je früher ein Karzinom entdeckt wird, desto besser die Heilungschancen. "Wir können nicht verhindern, dass Brustkrebs entsteht", betont Kuhl. "Eine frühe Diagnose ist das Einzige, was hilft."
(Informationsdienst Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 15.01.2004 - dlo)
 
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