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Dienstag, 17.10.2017
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Multiple Sklerose: Immunzellen im Gehirn beteiligt

Beteiligung von hirneigenen "Polizisten der Immunabwehr" nachgewiesen

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des Zentralnervensystems (ZNS). Doch ihre Ursachen sind bisher nicht geklärt. Jetzt haben Wissenschaftler im Tiermodell erstmalig nachgewiesen, dass auch die Immunzellen im Gehirn entscheidend für den Verlauf der Krankheit Multiple Sklerose (MS) sein könnten.
Das menschliche Gehirn

Das menschliche Gehirn

Bisher galten vor allem die Immunzellen des im Körper zirkulierenden Blutes als wichtig für die Enststehung der Entzündung im Hirn während der MS. Eine Gruppe von Wissenschaftlern aus Göttingen, Zürich, Köln und Berlin hat nun jedoch die hirneigenen immunkompetenten Zellen näher untersucht. Bei ihnen handelt es sich um Fresszellen oder so genannte Makrophagen. Diese hochsensiblen "Polizisten der Immunabwehr" sind im ruhenden Zustand im Gehirn diffus verteilt und können dort jegliche Veränderungen bei verschiedensten Hirnerkrankungen erkennen.

Wie diese Zellen reagieren und welche Funktion sie haben, konnte die Forschergruppe jetzt erstmalig am lebenden Organismus zeigen. Ihre Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe von Nature Medicine veröffenlicht. Bei der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis (EAE), einer bei Tieren auftretenden, aber als geeignetes Modell für die MS geltenden Krankheit, kann die Erkrankung durch die zusätzliche Gabe von Hirneiweißen hervorgerufen werden.

In Tierversuchen wurden die Fresszellen des Gehirns von den Forschern genetisch so verändert, dass es möglich wurde, sie gezielt "abzuschalten". Das Ergebnis war überraschend und eindeutig: Die Tiere erkrankten weitaus weniger und zeigten kaum Entzündungsherde. Die Forscherinnen und Forscher schließen daraus, dass die hirneigenen Immunzellen eine wesentlich größere Rolle für den Verlauf der MS haben könnten als bisher angenommen.


"Damit ergeben sich neue Ansätze für die Behandlungsmöglichkeiten der Multiplen Sklerose", sagt der Göttinger Neuropathologe, Privatdozent Dr. Marco Prinz. Da die Fresszellen auch bei anderen Hirnerkrankungen wie der Alzheimer- und der Parkinson-Erkrankung sowie allen entzündlichen ZNS- Erkrankungen vermehrt auftreten, wird es nun möglich sein, deren Rolle bei diesen Erkrankungen aufzuklären. Die laufenden Kooperationen zwischen den Instituten in Zürich, Köln, Berlin und Göttingen werden diese Erkrankungen weiter untersuchen.

In Deutschland gibt es etwa 120.000 Menschen, die an MS erkrankt sind. Die Erkrankung kann chronisch oder schubförmig verlaufen, die Ursache ist nicht geklärt. Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren sind jedoch äufiger als Männer betroffen. In den fortgeschrittenen Stadien der MS werden viele von ihnen rollstuhlpflichtig. Man nimmt an, dass die Multiple Sklerose eine Autoimmunerkrankung ist, bei der Blutzellen irrtümlicherweise Strukturen des ZNS angreifen und dadurch die Entzündung hervorrufen.
(Universität Göttingen, 14.02.2005 - NPO)
 
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