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Donnerstag, 15.11.2018
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Klimawandel: Zu schnell für Amazonas-Regenwald

Verschiebungen in der Baumarten-Zusammensetzung gleichen Lücken nicht aus

Sichtbarer Effekt: Auch die wichtigste "grüne Lunge" unserer Erde leidet unter dem Klimawandel – sie kann nicht Schritt halten. Wie eine Studie zeigt, haben sich die Baumgemeinschaften des Amazonas-Regenwalds in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Doch diese Anpassung kann den Artenverlust nicht ausgleichen. So ist vor allem die Zahl der feuchtigkeitsliebenden Arten zurückgegangen – sie hinterlassen eine Lücke im Wald, die andere Spezies bisher nicht füllen können.
Der Amazonas-Regenwald kann mit dem Klimawandel nicht Schritt halten.

Der Amazonas-Regenwald kann mit dem Klimawandel nicht Schritt halten.

Der Amazonas ist der wasserreichste Fluss der Erde und die Basis für die bedeutendste "grüne Lunge" unserer Erde: den Amazonas-Regenwald. Rund sechs Millionen Quadratkilometer umfasst das einzigartige Mosaik aus Wald, Wasserflächen und Feuchtgebieten im Amazonasbecken – eine Landschaft, die bisher als wichtiger Puffer im Klimasystem diente.

Doch die globale Erwärmung geht auch am Amazonasgebiet nicht spurlos vorüber. So legen Studien beispielsweise nahe, dass es durch die Klimaveränderungen häufiger zu Extrem-Hochwassern kommt und als Folge vermehrt Methan freigesetzt wird. Einem anderen Effekt haben sich nun Forscher um Adriane Esquivel Muelbert von der University of Leeds gewidmet. Sie wollten wissen: Wie reagieren die unterschiedlichen Baumarten des Regenwalds auf den Klimawandel?

Sterbende Bäume im Amazonasgebiet

Sterbende Bäume im Amazonasgebiet

Unersetzbare Lücken


Im Rahmen einer Langzeitstudie untersuchten sie dafür hunderte einzelne Flächen im Wald und die dort wachsenden Bäume. Dabei zeigte sich: Seit den 1980er Jahren hat sich die Zusammensetzung des Amazonas-Regenwalds deutlich verändert. Besonders feuchtigkeitsliebende Baumspezies sterben demnach zunehmend ab. Vermutlich kommen sie schlecht mit den stärkeren Trockenperioden zurecht, die zuletzt ebenfalls häufiger geworden sind.


Besser an Trockenheit angepasste Arten können die so entstandenen Lücken im Wald bisher nicht ersetzen, wie die Wissenschaftler berichten. "Die Reaktion des Ökosystems hängt der Rate des Klimawandels hinterher", sagt Muelbert. "Die trockentoleranteren Spezies wachsen nicht genug, um die erhöhte Sterblichkeit der anfälligen Arten auszugleichen", sagt Muelbert. "Die Dürren der vergangenen Jahrzehnte haben ernste Folgen für den Wald gehabt."

Veränderte Dynamik


Allerdings gibt es auch Gewinner des Klimawandels: Große Bäume, die das Blätterdach des Regenwalds bilden, scheinen von den erhöhten Kohlendioxidwerten in der Atmosphäre zu profitieren. Sie wachsen schneller. Sogenannte Pionierpflanzen gehören den Ergebnissen zufolge ebenfalls zu den Profiteuren der Erderwärmung – Arten, die als erste auf vegetationsfreien Flächen auftauchen, nachdem beispielsweise ein alter Baum abgestorben ist.

Einige zu dieser Gruppe von Pflanzen zählende Baumspezies sind demnach in den vergangenen Jahren häufiger geworden: unter anderem Arten aus der extrem schnell wachsenden Gattung der Ameisenbäume (Cecropia). "Dies zeigt, dass sich die Dynamik des Waldes insgesamt stark verändert hat", konstatiert Muelberts Kollege Oliver Phillips.


Biodiversität in Gefahr


"Der Einfluss des Klimawandels auf die Waldgemeinschaften hat bedeutende Auswirkungen auf die Biodiversität. Die besonders anfälligen Arten sind dabei einem doppelten Risiko ausgesetzt. Denn sie kommen in der Regel ohnehin schon an weniger Standorten im Herzen des Amazonas-Regenwalds vor", resümiert Mitautor Kyle Dexter von der University of Edinburgh.

"Unsere Ergebnisse untermauern, dass wir strenge Maßnahmen brauchen, um intakte Regenwaldflächen zu schützen. Bekannt ist zum Beispiel, dass die Abholzung von Waldgebieten für landwirtschaftliche Zwecke regionale Dürren intensivieren kann. Die Effekte durch den Klimawandel werden dadurch noch weiter verschärft", schließt der Forscher. (Global Change Biology, 2018; doi: 10.1111/gcb.14413)
(University of Leeds, 08.11.2018 - DAL)
 
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