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Donnerstag, 15.11.2018
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Europa: 33.000 Tote jährlich durch resistente Erreger

Zahl der Infektionen und Todesfälle durch Antibiotika-Resistenzen seit 2007 angestiegen

Alarmierender Trend: In Europa erkranken und sterben immer mehr Menschen an Infektionen mit Antibiotika-resistenten Bakterien. Pro Jahr gibt es inzwischen 33.000 Todesfälle durch solche multiresistenten Keime. Die Krankheitslast ist höher als durch Grippe, Tuberkulose und HIV zusammen, wie die europäische Seuchenbehörde ECDC berichtet. Besonders alarmierend: 39 Prozent der Betroffenen sind mit Bakterien infiziert, die selbst gegen Notfall-Antibiotika immun sind.
Infektionen und Todesfälle mit resistenten Keimen wie MRSA haben in Europa weiter zugenommen.

Infektionen und Todesfälle mit resistenten Keimen wie MRSA haben in Europa weiter zugenommen.

Einst waren Antibiotika wirksame Waffen gegen bakterielle Infektionen. Doch inzwischen haben viele Erreger Resistenzen gegen die Wirkstoffe gebildet – sie sind immun. Längst breiten sich resistente Stämme von Darmkeimen, Staphylokokken und anderen Bakterien auch in Deutschland und Europa aus. Über Gülle, Gewässer, Böden und auch die Luft werden Resistenzgene ausgetauscht und verbreitet.

Immer mehr Infektionen und Todesfälle


Wie groß das Problem mittlerweile in Europa ist, zeigt nun eine Studie von Forschern des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC). Sie hatten die Häufigkeit von Infektionen und Todesfällen durch die acht häufigsten resistenten Bakterien in Europa untersucht. Zu diesen gehören multiresistente Stämme von Enterokokken, Pseudomonas aeruginosa und Streptococcus pneumoniae, aber auch der Krankenhauskeim MRSA.

Das Ergebnis: Seit 2007 hat sich die Zahl der Infektionen durch resistente Keime deutlich erhöht. Allein im Jahr 2015 gab es gut 670.000 Infektionen mit diesen resistenten Bakterien in Europa. 33.000 Menschen starben als direkte Folge dieser Infektionen, wie die Forscher berichten. Diese Erkrankungen verursachen damit in Europa inzwischen eine größere Krankheitslast als Grippe, Tuberkulose und HIV zusammen.


Krankenhäuser als Infektionsherde


Die meisten Todesopfer forderten dabei Infektionen mit MRSA, Cephalosporin-resistente Varianten des Darmkeims Escherichia coli und gegen das Antibiotikum Carbapenem resistente Pseudomonas aeruginosa. 75 Prozent aller Betroffenen wurden in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen angesteckt, wie die Forscher berichten. Ihren Schätzungen nach könnten dort inzwischen bei jeder vierten Infektion resistente Bakterien übertragen werden.

Krankheitslast durch Infektionen mit resistenten Erregern in verschiedenen Ländern Europas

Krankheitslast durch Infektionen mit resistenten Erregern in verschiedenen Ländern Europas

Besonders alarmierend: Inzwischen werden rund 39 Prozent solcher Infektionen durch Erreger verursacht, die selbst gegen die Notfall-Antibiotika Colistin und Carbapenem immun sind. Diese Mittel sind die letzte noch wirksame Waffe gegen viele resistente Erreger. Aber wie die aktuellen Daten belegen, werden selbst diese Waffen inzwischen stumpf.

Italien besonders betroffen, Deutschland weniger


Die Zahl der Fälle unterscheidet sich in Europa allerdings deutlich von Land zu Land: Besonders viele Infektionen mit resistenten Erregern gibt es in Italien, Griechenland und auf dem Balkan. "Es ist auffallend, dass ein Drittel aller Todesfälle durch Infektionen mit resistenten Erregern in Italien vorkommen, sagen die Wissenschaftler. In Griechenland werden besonders viele Infektionen mit Colistin- und Carbapenem-resistenten Erregern registriert.


Deutschland liegt mit 54.509 Infizierten und 2.363 Todesfällen eher im unteren Drittel der Länderliste. Noch niedriger ist die Fallzahl in den skandinavischen Ländern und in den Niederlanden. Unsere Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit von Präventions- und Kontrollstrategien, die gezielt auf jedes Land zugeschnitten sind", betonen die Wissenschaftler. (The Lancet, 2018; doi: 10.1016/S1473-3099(18)30605-4)
(European Centre for Disease Prevention and Control, 07.11.2018 - NPO)
 
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