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Donnerstag, 15.11.2018
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Leben Reiche doch nicht so viel länger?

Einkommen beeinflusst Lebenserwartung weniger stark als gedacht

Kleinere Lücke: Reiche leben in der Regel länger als Arme – allerdings ist dieser Unterschied in Sachen Lebenserwartung offenbar längst nicht so groß wie gedacht. Anders als gängige Prognosen annehmen, bleiben Menschen nämlich keineswegs ein Leben lang in einer Einkommensklasse stecken. Berücksichtigt man diesen Faktor mit, ist die Lücke zwischen Viel- und Geringverdienern nur noch halb so groß, wie Forscher berichten.
Wie alt wir werden, hängt auch mit unserem sozialen Status zusammen.

Wie alt wir werden, hängt auch mit unserem sozialen Status zusammen.

Seit dem 20. Jahrhundert steigt unsere durchschnittliche Lebenserwartung nahezu kontinuierlich. Dank mehr und besserer Nahrung, der Entwicklung von Antibiotika und weniger körperlich schwerer Arbeit durch moderne Technik werden wir immer älter. Fakt ist aber auch: Nicht alle Menschen leben gleich lang. Viele Studien belegen, dass die individuelle Lebenserwartung entscheidend vom sozialen Status abhängt.

Sozialer Auf- und Abstieg


Wer viel verdient, lebt demzufolge deutlich länger als seine ärmeren Mitmenschen. In den USA beispielsweise scheinen Vielverdiener 6,5 Jahre länger dem irdischen Dasein frönen zu können als Geringverdiener. Das Problem bei derartigen Prognosen ist allerdings: Sie gehen davon aus, dass die Reichen reich und die Armen arm bleiben – dabei sieht die Realität häufig ganz anders aus.

Wie Claus Thustrup Kreiner von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen berichten, arbeitet sich im Schnitt die Hälfte der Ärmsten im Laufe eines Zeitraums von zehn Jahren in bessere Einkommensklassen hoch und ebenso viele Reiche steigen sozial ab. Wie wirkt sich dieser Faktor auf die Lebenserwartung aus? Um dies herauszufinden, ergänzten die Wissenschaftler bisherige Berechnungsansätze um ein Modell zur sogenannten sozialen Mobilität.


Beispiel Dänemark


Welchen Unterschied dies für die prognostizierten Lebenserwartungen machte, zeigte das Forscherteam anschließend am Beispiel von Dänemark. Dafür berechneten sie auf Basis offizieller Einkommens- und Mortalitätsdaten aus den Jahren 1983 bis 2013: Welche Lebenserwartung hatten vierzigjährige Frauen und Männer aus den unterschiedlichen Schichten der Gesellschaft?

Konkret verglichen sie dabei Geringverdiener aus dem 20. Einkommensperzentil, das heißt nur 20 Prozent der Bevölkerung verdienen ähnlich oder schlechter, mit Gutverdienern aus dem 80. Perzentil – Personen, deren Einkommen nur von 20 Prozent der Bevölkerung noch getoppt wird.

Zusätzliche Lebensjahre reicher Menschen - einmal ohne und einmal mit Berücksichtigung der sozialen Mobilität

Zusätzliche Lebensjahre reicher Menschen - einmal ohne und einmal mit Berücksichtigung der sozialen Mobilität

Nur noch halb so groß


Das Ergebnis: Ohne potenzielle soziale Auf- und Abstiege in der Zukunft zu berücksichtigen, lag der Unterschied zwischen Arm und Reich für Männer bei 4,6 und für Frauen bei 4,1 Jahren. Rechneten die Forscher allerdings den Faktor soziale Mobilität mit ein, war diese Differenz plötzlich nur noch halb so groß. So lag sie für Männer dann bei 2,4 und für Frauen bei 2,2 Jahren.


Dies zeigt, dass die Unterschiede zwischen reichen und armen Menschen tatsächlich nicht so dramatisch sind, wie angenommen: "Die Ungleichheit in Sachen Lebenserwartung wird übertrieben, wenn die soziale Mobilität keine Berücksichtigung findet", schreiben Thustrup Kreiner und seine Kollegen.

Lücke wächst


Relevant ist dies unter anderem deshalb, weil Prognosen zur Lebenserwartung auch für die Planung von Maßnahmen im Sozial- und Gesundheitswesen wichtig sind. "Reiche, die länger leben, profitieren beispielsweise länger von Rentenansprüchen", erläutern die Wissenschaftler.

Doch auch wenn die Lücke zwischen Arm und Reich kleiner ist als gedacht, gibt es doch eine schlechte Nachricht: Bei ihren Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass der Unterschied bezüglich der Lebenserwartung in den vergangenen 30 Jahren kontinuierlich größer geworden ist – zumindest in Dänemark.

Faktor Bildung


Wie dieser Trend zu erklären ist, ist Thustrup Kreiner und seinem Team zufolge unklar. Eine mögliche Erklärung könnte allerdings sein, dass die Chancen zum Aufstieg in den meisten Industrienationen heute geringer sind als früher – auch und gerade in punkto Einkommen und Bildung.

Grundsätzlich ist zudem bekannt, dass der Faktor Bildung eine wesentliche Rolle für dieses Phänomen spielen könnte. Demnach verfügen Menschen mit hohen Einkommen oftmals auch über einen höheren Bildungsgrad und damit womöglich auch über mehr Wissen zu gesundheitsrelevanten Fragen.

Geringverdiener üben dagegen häufiger körperlich belastende Arbeiten aus, die die Gesundheit beeinträchtigen können. Zudem haben sie in vielen Ländern nur eingeschränkt Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung. (PNAS, 2018; doi: 10.1073/pnas.1811455115)
(Universität Kopenhagen, 30.10.2018 - DAL)
 
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