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Donnerstag, 15.11.2018
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Weniger Demenz in Industrienationen?

Neuerkrankungsraten gehen in einigen westlichen Ländern tendenziell zurück

Gute Nachrichten: Die Rate der Demenz-Neuerkrankungen geht in einigen Industrienationen offenbar leicht zurück. Darauf deutet nun eine Metaanalyse epidemiologischer Studien hin. Demnach erkranken unter anderem in Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien heute tendenziell weniger Menschen an Alzheimer und Co als noch eine Generation zuvor. Den Forschern zufolge belegt dies, dass Prävention tatsächlich möglich ist.
Altern ohne Demenz - das scheint in einigen Nationen heute tendenziell häufiger zu gelingen.

Altern ohne Demenz - das scheint in einigen Nationen heute tendenziell häufiger zu gelingen.

Demenzerkrankungen wie Alzheimer gehören zu den folgenschwersten Krankheiten des Alters und betreffen weltweit Millionen von Menschen. Allein in Deutschland leben gegenwärtig rund 1,7 Millionen Patienten mit einer Demenz: Leiden, für die es kaum wirksame Therapiemethoden, geschweige denn Heilmittel gibt.

Umso ermutigender kommt nun eine Nachricht daher, die Susanne Röhr von der Universität Leipzig und ihre Kollegen präsentieren. Die Wissenschaftler haben Daten zu den Demenzraten in Industrienationen ausgewertet – und einen leicht rückläufigen Trend festgestellt.

Leicht rückläufig


Für ihre Metaanalyse werteten die Forscher die Ergebnisse von sieben Studien mit insgesamt 42.485 Probanden aus, die die Häufigkeit von Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen in vergleichbaren Stichproben mit einem zeitlichen Abstand von mindestens zehn Jahren untersucht hatten. Durchgeführt wurden die Studien in den USA, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Japan.


Die Auswertung zeigte: In den meisten untersuchten Nationen scheinen die Neuerkrankungsraten minimal zurückzugehen, und zwar in Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA. Das bedeutet: Menschen, die heute 85 Jahre alt sind, erkranken dort seltener an Demenz als diejenigen, die eine Generation früher ihr 85. Lebensjahr erreicht hatten.

Ausnahme Japan


Gegenläufig dazu war allerdings die Entwicklung in Japan, wie Röhr und ihr Team berichten. So wurde dort sogar ein Anstieg bei den Demenzneuerkrankungen verzeichnet. Demnach ist den Wissenschaftlern zufolge anzunehmen, dass sich die Neuerkrankungsraten von Demenz in den Industrienationen nicht einheitlich entwickeln. Auch eine Übertragung der Ergebnisse auf Deutschland scheint somit nicht ohne weiteres möglich zu sein.

"Selbst in Industrieländern können die Lebensumstände stark variieren und damit Entwicklungstrends von Demenz unterschiedlich beeinflussen. Und das trotz der insgesamt sehr günstigen Lebensbedingungen, die einkommensstarke Länder in der Regel auszeichnen", erklärt Röhr.


Bessere Prävention?


Insgesamt sei es noch zu früh, um abschließende Schlussfolgerungen aus diesen Beobachtungen zu ziehen – auch, weil es für viele andere Regionen bisher kaum Daten gebe, betonen die Forscher. Eines zeichnet sich ihrer Ansicht nach allerdings schon jetzt ab: Das Risiko an Demenz zu erkranken, ist tatsächlich beeinflussbar.

So führen Röhr und ihre Kollegen die positiven Entwicklungen auf Einflussfaktoren wie eine bessere Bildung zurück: "Mehr Bildung und fordernde berufliche Tätigkeiten erhöhen die Widerstandsfähigkeit des Gehirns gegen dementielle Erkrankungen", sagt Mitautorin Steffi Riedel-Heller. Zudem werde heute mehr für die Behandlung und Vorbeugung anderer Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck getan.

Absolute Zahl steigt weiter


"Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, geistiger und sozialer Aktivität, Nichtrauchen und ausgewogener Ernährung hilft nicht nur Herz-Kreislauferkrankungen vorzubeugen, sondern auch Demenz", konstatiert Riedel-Heller. Inwiefern kulturelle und ethnische Faktoren, aber auch Umweltbedingungen Trends in der Demenzentwicklung mitbestimmen, sei dagegen bislang wenig erforscht.

Dies ist jedoch ein Feld, in dem immer mehr Forschung stattfindet und auch nötig ist, wie Röhr betont. Denn: Die absolute Anzahl an Demenz-Betroffenen steigt vor allem durch die höhere Lebenserwartung weiter an. "Zu sehen, dass jeder Einzelne und auch die Gemeinschaft etwas tun kann, ist ein Lichtblick. Deshalb ist es Zeit, mehr über die Prävention von Demenz zu sprechen", schließt Riedel-Heller. (Clinical Epidemiology, 2018; doi: 10.2147/CLEP.S163649)
(Universität Leipzig, 29.10.2018 - DAL)
 
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