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Donnerstag, 15.11.2018
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Ältestes intaktes Schiffswrack der Welt entdeckt

Griechisches Handelsschiff sank vor 2.400 Jahren im Schwarzen Meer

Spektakulärer Fund: Im Schwarzen Meer haben Forscher das älteste intakte Schiffswrack der Welt entdeckt. Das griechische Handelsschiff sank um 400 vor Christus und gehört einem Typ an, der bisher nur von antiken Abbildungen bekannt war. Das Wrack liegt in rund 2.000 Metern Tiefe und damit in einer Zone, in der das Wasser des Schwarzen Meeres nahezu sauerstofffrei ist – das verhinderte einen Zerfall des Holzes.
Dieses griechische Schiffswrack sank vor 2.400 Jahren im Schwarzen Meer. Es ist das bisher älteste intakte Wrack überhaupt.

Dieses griechische Schiffswrack sank vor 2.400 Jahren im Schwarzen Meer. Es ist das bisher älteste intakte Wrack überhaupt.

Das Schwarze Meer war ebenso wie das Mittelmeer eines der Zentren früher Kulturen: Seine Küsten grenzten an viele Reiche des Altertums und der Antike. Einigen Hypothesen nach könnte sogar die Geschichte der Sintflut hier ihren Ursprung haben, als eine frühe Kultur durch den plötzlichen Einstrom von Meerwasser am Bosporus unterging. Später waren es vor allem die Griechen, die zahlreiche Handelsstützpunkte und Kolonien am Schwarzen Meer gründeten und dort eine rege Schifffahrt betrieben.

Wrackfund in zwei Kilometer Tiefe


Ein spektakuläres Zeugnis dieser Ära haben nun Unterwasser-Archäologen des Black Sea Maritime Archeology Project entdeckt. Ursprünglich sollte die Kartierung von rund 2.000 Quadratkilometern Meeresgrund vor allem die Veränderungen des Schwarzen Meeres seit der letzten Eiszeit erkunden. Doch die Forscher fanden dabei unerwartet viele gut erhaltene Schiffswracks – darunter auch den jetzigen Fund.

Vor der bulgarischen Küste in knapp zwei Kilometer Wassertiefe entdeckten die Archäologen ein Schiffswrack, wie auch sie es noch nie gesehen hatten: Ein griechisches Handelsschiff, das noch vollständig erhalten war – vom Mast über die Ruderbänke bis hin zum Steuer und Rumpf. "Es sieht buchstäblich so aus, als wäre es gestern erst gesunken", beschreibt es einer der Projektmitarbeiter in einem Video.


Das Wrack und seine Entdeckung


Ältestes intaktes Wrack der Welt


Datierungen einer Holzprobe des Wracks ergab, dass dieses Schiff etwa um 400 vor Christus gesunken sein muss – es ist damit mehr als 2.400 Jahre alt und das bisher älteste intakte Schiffswrack überhaupt. "Ein Schiff, das unter zwei Kilometer Wasser aus der antiken Welt intakt überdauert ist etwas, das ich zuvor niemals für möglich gehalten hatte", sagt Jon Adams von der University of Southampton.

Seine ungewöhnliche gute Konservierung verdankt das Schiffswrack den besonderen Bedingungen im Schwarzen Meer: Weil dieses Binnenmeer nur über den engen Bosporus ein wenig frisches, sauerstoffreiches Wasser bekommt, sind seine unteren Wasserschichten nahezu sauerstofffrei. In dieser "Todeszone" existiert kaum Leben, gleichzeitig aber findet auch kaum Zersetzung statt – und das sorgte dafür, dass das Schiffswrack wie in einer Zeitkapsel erhalten blieb.

Die "Sirenen-Vase" zeigt den Schiffstyp des Wracks

Die "Sirenen-Vase" zeigt den Schiffstyp des Wracks

Bisher nur von antiken Vasen bekannt


Und noch etwas ist besonders an diesem Wrack: Es gehört zu einem Schiffstyp, den man bisher nur von antiken Abbildungen kannte. Eine davon findet sich auf der "Sirenen-Vase", einem Gefäß, das in roter Farbe auf schwarzem Grund eines der Abenteuer des Odysseus zeigt: Der Sagenheld steht am Mast seines Schiffes angebunden, damit er nicht den lockenden Gesängen der Sirenen zum Opfer fällt.


"Dieser Fund wird unser Verständnis des Schiffsbaus und der Seefahrt in der antiken Welt verändern", sagt Adams. "Da liegen Schiffe dort unten, die man noch nie gesehen hat – abgesehen von Wandfresken oder Malereien." In den letzten drei Jahren hat Projektteam bereits mehr als 60 Schiffswracks am Grund des Schwarzen Meeres entdeckt. Unter den Funden sind römische Handelsschiffe mitsamt ihrer Ladung, aber auch Schiffe einer Kriegsflotte der Kosaken aus dem 17. Jahrhundert, wie die Archäologen berichten. Sie vermuten, dass sich noch unzählige weitere Wracks und Funde am Grund dieses Meeres verbergen.
(University of Southampton, 24.10.2018 - NPO)
 
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