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Donnerstag, 15.11.2018
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Die "Hotspots" künftiger Wasserkonflikte

Globale Karte zeigt Risiko für Auseinandersetzungen um Wasserreserven

Kampf ums wertvolle Nass: Der Klimawandel und das Bevölkerungswachstum werden in Zukunft zu einer weiteren Verknappung der weltweiten Wasserreserven führen. Damit steigt auch das Risiko politischer Konflikte um dieses Gut, wie eine Studie zeigt. Demnach sind unter anderem die Länder rund um den Nil und im Gangesdelta besonders gefährdet. Daneben könnten auch die Staaten entlang von Euphrat und Tigris sowie dem Colorado zu künftigen "Hotspots" in Sachen Wasserkonflikte werden.
Wo drohen künftig Wasserkonflikte?

Wo drohen künftig Wasserkonflikte?

Wasser ist ohne Frage eine der wichtigsten Lebensgrundlagen. Doch diese wertvolle Ressource wird zunehmend knapp. Schon in den 1990er Jahren prophezeiten Experten, dass die Kriege im 21. Jahrhundert nicht mehr um Öl, sondern um Wasser geführt werden. Und tatsächlich ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten um das begehrte Gut gekommen - vor allem dort wo, sich Länder Wasser aus Seen oder Flüssen teilen müssen.

Eines von vielen Beispielen ist die politische Auseinandersetzung zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten, die durch Streitigkeiten um die Nutzung des Jordanwassers noch verschärft wird. Wissenschaftler befürchten, dass solche Konflikte unter anderem aufgrund des Klimawandels künftig häufiger werden. In welchen Regionen aber ist die Gefahr dafür weltweit am größten?

Wo ist das Risiko am größten?


Dieser Frage sind nun Fabio Farinosi und seine Kollegen vom Joint Research Center der EU-Kommission nachgegangen. Sie kalkulierten mithilfe von Modellrechnungen das Risiko für Konflikte über grenzüberschreitende Wasserreserven. Dabei berücksichtigten sie unter anderem Faktoren wie die Wasserverfügbarkeit, klimatische Entwicklungen und sozioökonomische Bedingungen, aber auch, ob es früher schon einmal zu Konflikten um die geteilte Ressource gekommen ist.


"Wir wollten mit unseren Analysen erstens herausfinden, welche Faktoren Wasserkonflikte zwischen Staaten fördern können und zweitens eine Karte erstellen, die die Wahrscheinlichkeit für solche hydropolitischen Interaktionen zeigt", berichtet Farinosi.

Klimawandel als Treiber


Die Auswertungen offenbarten: Wie erwartet, sind es vor allem knappe Wasserreserven, eine hohe Bevölkerungsdichte, politische Machtungleichgewichte und klimatische Stressoren, die Länder anfällig für wasserbezogene Spannungen machen. Insbesondere die Erderwärmung und das Bevölkerungswachstum werden dabei in Zukunft weltweit dafür sorgen, dass Wasser immer knapper wird - und so die Konkurrenz um die wertvollen Reserven verschärfen, wie die Forscher berichten.

Dadurch erhöht sich zwangsläufig auch das Risiko für Konflikte. So könnte die Wahrscheinlichkeit von Auseinandersetzungen im Einzugsgebiet grenzüberschreitender Flüsse weltweit bis 2050 um knapp 75 Prozent steigen - und zwar bei moderatem Klimawandel. Bis 2100 sagen die Modellrechnungen unter extremen klimatischen Bedingungen sogar eine Risikosteigerung um 95 Prozent vorher.


Von Nil bis Colorado


Die "Hotspots" in Sachen Wasserkonflikte werden dabei das Einzugsgebiet des Nils und die Regionen im Gangesdelta sowie rund um den Indus sein. In Asien wird die Lage unter anderem dadurch verschärft, dass viel Wasser für die Landwirtschaft benötigt wird, von der die Menschen dort wirtschaftlich extrem abhängig sind. Daneben identifizierte das Team auch die an Euphrat und Tigris angrenzenden Länder als besonders gefährdet. Ein weiterer "Hotspot" könnte der durch die USA und Mexiko fließende Colorado-Fluss werden, dessen Wasser schon jetzt hart umkämpft ist.

"Das bedeutet nicht, dass es in jedem Fall tatsächlich zu einem Konflikt kommen wird", sagt Farinosi. "Entscheidend ist unter anderem, wie gut die betroffenen Länder vorbereitet und bereit für Kooperationen sind. Genau hier könnten unsere Forschungsergebnisse helfen - indem sie auf die Risiken aufmerksam machen, sodass frühzeitig über mögliche Lösungen nachgedacht werden und zur Zusammenarbeit ermuntert werden kann", schließt der Wissenschaftler. (Global Environmental Change, 2018; doi: 10.1016/j.gloenvcha.2018.07.001)
(Europäische Kommission/ Joint Research Centre (JRC), 17.10.2018 - DAL)
 
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