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Donnerstag, 15.11.2018
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Weniger Bier dank Klimawandel?

Missernten könnten zu sinkendem Konsum und Preisanstiegen führen

Hiobsbotschaft für Bierliebhaber: Der Klimawandel könnte sich negativ auf die Verfügbarkeit von Pils, Weizenbier und Co auswirken. Denn durch die Erderwärmung wird es bei der Gerstenernte immer häufiger zu Einbußen kommen. Als Folge steht weniger Getreide zum Bierbrauen zur Verfügung, wie eine Studie zeigt. Demnach könnte der globale Konsum des Gerstensafts in Hitze- und Dürrejahren um 16 Prozent zurückgehen - und die Preise auch in "Biernationen" wie Irland und Deutschland deutlich steigen.
Wird Bier bald zum unbezahlbaren Luxusgut?

Wird Bier bald zum unbezahlbaren Luxusgut?

Kein anderes alkoholisches Getränk hat für die Menschheit wohl eine so große Bedeutung wie das Bier: Schon vor 13.000 Jahren stellten unsere Vorfahren im Nahen Osten Gebräu aus Wildgetreide her - der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Bis heute ist Bier weltweit eines der beliebtesten promillehaltigen Getränke und nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Allein in Deutschland genehmigt sich jeder Bürger jährlich im Schnitt rund 100 Liter davon. Doch wie lange wird der Biergenuss überhaupt noch in diesem Ausmaß möglich sein?

Eine berechtigte Frage, denn die Hauptzutat von Bier ist bekanntermaßen Gerste. Diese Getreideart reagiert besonders empfindlich auf extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen und Dürren - und genau solche Extreme werden durch den Klimawandel in Zukunft zunehmen. "Die Forschung hat ihr Augenmerk bisher darauf gerichtet, wie sich die Folgen der Erderwärmung auf die globale Produktion von Grundnahrungsmitteln wie Weizen und Mais auswirken. Die Effekte auf Luxusgüter wie Bier wurden dagegen noch nicht untersucht", sagt Dabo Guan von der Tsinghua Universität in Peking.

Weniger Gerste zum Brauen


Dies haben der Wissenschaftler und seine Kollegen um Erstautor Wei Xie von der Universität Peking nun nachgeholt. Für ihre Studie berechneten sie für unterschiedliche Klimaszenarien, wie Wetterextreme bis zum Jahr 2099 die Gerstenernte in 34 Regionen der Welt beeinflussen könnten. Diese Daten integrierten sie dann in ein Wirtschaftsmodell, um die Auswirkungen auf Bierproduktion und -konsum sowie die Preisentwicklung des Gerstensafts zu prognostizieren.


Die Ergebnisse dürften Bierliebhaber kaum freuen: Hitzewellen und Dürren werden in den kommenden Jahrzehnten demnach zu Ernteeinbußen von durchschnittlich drei bis 17 Prozent führen - je nachdem, wie stark der Klimawandel zuschlägt. Weniger Gerste auf dem Markt bedeutet dabei, dass zwangsläufig auch weniger des Getreides zum Brauen verwendet werden kann, wie die Forscher betonen.

Rückgang um 16 Prozent


Der Grund: Gerste ist nicht nur Bierzutat, sondern zudem ein wichtiges Futtermittel für Vieh und diesem Nutzen wird in Zeiten des Mangels wahrscheinlich der Vorrang gegeben. Landet derzeit 17 Prozent der globalen Gerstenernte bei Bierproduzenten, könnte dieser Anteil der Prognose zufolge bedeutend schrumpfen. Wie wirkt sich das nun konkret auf die Preise und den Bierkonsum aus?

Nach den Berechnungen des Teams geht der weltweite Bierkonsum in Jahren mit extremen Wetterereignissen im schlimmsten Fall um 16 Prozent oder 29 Milliarden Liter zurück. Die Preise für den Gerstensaft würden sich dabei im Schnitt verdoppeln. Diese Zahlen gelten, wenn die Menschheit in Zukunft genauso viele Treibhausgase freisetzt wie aktuell und so weiter macht wie bisher, anstatt Fortschritte im Klimaschutz zu erzielen. Doch selbst in weniger extremen Szenarien sinkt der Konsum in Folge von Extremwettern um vier Prozent, während die Preise um 15 Prozent steigen.


Es wird teurer


Besonders teuer wird der Gerstensaft der Prognose zufolge unter anderem in bierliebenden Nationen wie Belgien, Kanada, Polen, aber auch Deutschland werden. Zu den am stärksten vom Preisanstieg betroffenen Ländern gehört außerdem Irland: "Um ein Sixpack zu kaufen, muss man dort in Dürrejahren künftig wahrscheinlich 20 US-Dollar extra einkalkulieren", sagt Mitautor Steven Davis von der University of California in Irvine. Nicht jeder kann und will sich das leisten.

Demnach scheint die Tradition des Biertrinkens ähnlich bedroht zu sein wie beispielsweise die Kaffeekultur, die laut Klimaforschern in Zukunft wegen schrumpfender Kaffeeernten ebenfalls mit deutlich steigenden Preisen zu kämpfen haben wird. Zwar sei der Biermangel nicht die besorgniserregendste Folge der Erderwärmung - schließlich gefährde er keine Menschenleben, betonen die Wissenschaftler.

"Man könnte argumentieren, dass ein geringerer Bierkonsum an sich nichts Desaströses ist und sogar positive Effekte auf die Gesundheit haben könnte", sagt Guan. Die kulturellen Effekte seien jedoch nicht zu unterschätzen: "Für Millionen von Menschen auf der ganzen Welt wird der Einfluss des Klimawandels auf die Verfügbarkeit und die Preise von Bier einer persönlichen Kränkung gleichkommen", konstatiert der Forscher. (Nature Plants, 2018; doi: 10.1038/s41477-018-0263-1)
(Nature Press/ University of East Anglia/ University of California Irvine, 16.10.2018 - DAL)
 
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