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Dienstag, 18.09.2018
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Bernstein: Sizilien statt Ostseeküste

Steinzeitlicher Bernstein-Handel folgte anderen Routen als bislang gedacht

Überraschend anders: Baltischer Bernstein gilt als "Gold des Nordens" und war schon in der Steinzeit begehrt. Doch wie sich nun zeigt, hatte er damals starke Konkurrenz: Im Mittelmeerraum gab es schon vor 6.000 Jahren einen schwunghaften Handel mit Bernstein aus Sizilien – lange bevor der Ostsee-Bernstein sich auch dort durchsetzte, wie nun Analysen archäologischer Funde enthüllen. Die frühen Handelsnetze des Bernsteins waren demnach komplexer als bisher angenommen.
Bernstein war das Gold der Steinzeit - und die Handelsrouten dieses begehrtren Luxusguts waren offenbar komplexer als bisher gedacht.

Bernstein war das Gold der Steinzeit - und die Handelsrouten dieses begehrtren Luxusguts waren offenbar komplexer als bisher gedacht.

Bernstein war schon in der Jungsteinzeit ein begehrtes Luxusgut. Das fossile Baumharz mit seiner goldenen Farbe und den faszinierenden Einschlüssen wurde schon vor mehr als 6.000 Jahren zu Perlen, Anhängern und anderem Schmuck verarbeitet – und über halb Europa hinweg gehandelt und transportiert. Vor allem baltischer Bernstein von der Ostseeküste wurde gegen Bronze, Keramik oder andere Güter aus dem Süden getauscht – so die gängige Theorie.

Doch dieses Szenario ist offenbar zu simpel gedacht, wie nun Mercedes Murillo-Barroso von der Universität Granada und ihr Team herausgefunden haben. Für ihre Studie hatten sie Perlen und andere Bernsteinobjekte aus 22 prähistorischen Fundstätten in Spanien und Portugal näher untersucht. Mittels Infrarot-Spektrometrie ermittelten sie, woher der Bernstein dieser zwischen 6.000 und 3.000 Jahre alten Fundstücke stammte.

Bernstein aus Sizilien


Das überraschende Ergebnis: Die große Mehrheit der Bernstein-Schmuckstücke stammte nicht von der Ostsee, sondern aus Sizilien. "Sie waren aus dem als Simetit bekannten fossilen Baumharz gemacht, das auf Sizilien gefunden wurde", erklärt Murillo-Barroso. Wie die Analysen ergaben, waren vor allem die ältesten Fundstücke aus diesem sizilianischen Bernstein. "Der Handel mit Simetit begann demnach früher als bisher angenommen"., so die Forscher.


Einige der aus prähistorischen Fundsdtätten in Spanien und Portugal stammenden Bernstein-Objekte.

Einige der aus prähistorischen Fundsdtätten in Spanien und Portugal stammenden Bernstein-Objekte.

Ungewöhnlich jedoch: "Es gibt keinerlei Hinweise auf eine direkte Handelsverbindung oder einen Kontakt zwischen Sizilien und der Iberischen Halbinsel zu jener Zeit", sagt Murillo-Barroso. In den Gräbern und Megalith-Anlagen der iberischen Jungsteinzeit finden sich keine Gegenstände aus dem östlichen Mittelmeer. Es sei daher eher unwahrscheinlich, dass der sizilianische Bernstein direkt von Sizilien nach Spanien gelangt sei.

Umweg über Nordafrika


Wie aber kam der Bernstein dann auf die Iberische Halbinsel? Einen Hinweis darauf fanden die Archäologen in einem weiteren Luxusgut der Frühgeschichte – Elfenbein. "Die Verteilung des Bernsteins im Süden Spaniens und Portugals stimmt auffallend mit der Verbreitung von Elfenbein-Objekten aus Nordafrika überein", berichten die Forscher. "Das spricht dafür, dass beide Materialien auf dem gleichen Wege auf die Iberische Halbinsel gelangten."

Die Handelsroute des Bernsteins führte demnach zunächst von Sizilien nach Nordafrika. Das begehrte Baumharz könnte damals gemeinsam mit Obsidian von der Insel Pantelleria ins heutige Tunesien gebracht worden sein, wie die Archäologen erklären. Von dort aus gelangte ein Teil dieses Bernsteins dann gemeinsam mit Elfenbein und anderen Gütern aus Afrika auf die Iberische Halbinsel.


Ostsee-Bernstein erst ab der Bronzezeit


Auch über den Ostsee-Bernstein und seine Handelsrouten haben die Forscher Neues zutage gefördert. Denn ihre Analysen ergaben, dass der baltische Bernstein erst vor rund 4.000 Jahren auf der Iberischen Halbinsel auftauchte. "Erst ab der späten Bronzezeit sehen wir diesen Bernstein in größerer Menge in iberischen Fundstätten", berichtet Koautor Marcos Martinon-Torres von der University of Cambridge.

Und auch dieser Bernstein nahm damals offenbar nicht den direkten Weg: "Es ist auffallend, dass dieser Bernstein meist mit Eisen, Silber und Keramik assoziiert ist, die aus der Mittelmeer-Region stammen", so Martinon-Torres. "Das deutet darauf hin, dass der Bernstein aus dem Norden erst über Mitteleuropa nach Süden gebracht wurde, bevor er dann per Schiff über das Mittelmeer nach Westen gelangte."

Die Handelsrouten des Bernsteins waren demnach schon vor tausenden Jahren deutlich komplexer als gemeinhin angenommen. (PLOS ONE, 2018; doi: 10.1371/journal.pone.0202235)
(University of Cambridge, 05.09.2018 - NPO)
 
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