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Sonntag, 18.11.2018
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Impfung gegen Akne in Sicht?

Antikörper können Entzündungsreaktion in der Haut bekämpfen

Aus für Pickel und Narben: Von Akne geplagten Menschen könnte künftig ein Impfstoff helfen. Denn Forscher haben herausgefunden: Die für das Hautleiden verantwortlichen und von bestimmten Bakterien ausgelösten Entzündungen lassen sich mithilfe von Antikörpern mildern – zumindest bei Mäusen und menschlichen Hautzellen im Labor. Bestätigen sich die Ergebnisse auch in klinischen Studien, gäbe es damit endlich einen neuen Therapieansatz für eine der häufigsten Hautkrankheiten weltweit.
Bei Akne bilden sich unschöne Pickel auf der Haut und es kann zu Narbenbildung kommen.

Bei Akne bilden sich unschöne Pickel auf der Haut und es kann zu Narbenbildung kommen.

Pickel, Pustel und hässliche Narben: Das sind die Symptome von Akne – einer der weltweit häufigsten Hauterkrankungen. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene sind oft von diesem Leiden betroffen, das zwar nicht gefährlich, aber schmerzhaft ist. Weil Akne das Gesicht entstellt, leiden viele Patienten zudem unter einem geringen Selbstwertgefühl.

Ursache für die Aknepickel sind Entzündungen in den Haarfollikeln der Haut, die unter anderem durch Bakterien der Art Propionibacterium acnes ausgelöst werden. Bislang können nur Medikamente wie Antibiotika oder sogenannte Retinoide die Entzündungen lindern. Diese Mittel können jedoch schwere Nebenwirkungen haben, von trockener Haut bis hin zu Depressionen.

Ein Toxin im Visier


Aus diesem Grund fahnden Mediziner schon länger nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten – und ein Team um Chun-Ming Huang von der University of California in San Diego könnte nun tatsächlich fündig geworden sein. Die Wissenschaftler haben untersucht, warum nur manche P. acnes-Bakterien krankmachen, denn seltsamerweise sind die Keime auch zahlreich in der Hautflora von gesunden Menschen vertreten.


Was also unterscheidet harmlose von pathogenen Bakterienstämmen? Bei ihren Experimenten stellten die Forscher fest: Krankmachende P. acnes-Keime schütten offenbar vermehrt ein bestimmtes Toxin aus. Dieser sogenannte CAMP-Faktor kann in der Haut Entzündungen auslösen und spielt demnach eine entscheidende Rolle für die Pathogenität der Bakterien.

Verminderte Entzündungsreaktion


Dies brachte die Forscher auf die Idee, genau diesen Faktor als Angriffspunkt für eine neue Therapie zu nutzen. Würde sich das Toxin mithilfe von Antikörpern bekämpfen lassen? Bei Versuchen mit Mäusen und Hautzellproben von Aknepatienten zeigte sich: Tatsächlich scheinen Antikörper gegen den CAMP-Faktor die Entzündungsreaktionen in der Haut reduzieren zu können.

So ging durch die Behandlung die Konzentration entzündungsfördernder Zytokine wie Interleukin-8 zurück. Zudem schien dadurch auch das Wachstum der P. acnes-Bakterien selbst gehemmt zu werden, wie die Wissenschaftler berichten. Das bedeutet: Es könnte in Zukunft möglich sein, eine Art Impfung gegen Akne zu entwickeln.


Weitere Forschung nötig


Ein solcher Impfstoff wäre das erste Vakzin, das nicht fremde Eindringlinge angreift – sondern in der normalen Hautflora vorkommende Bakterien. "Bestätigen sich unsere Ergebnisse in klinischen Studien, hätte das enorme Auswirkungen für Millionen von Aknepatienten", konstatiert Huang.

Bis es soweit ist, ist jedoch weitere Forschung nötig, wie der nicht an der Untersuchung beteiligte Dermatologe Emmanuel Contassot von der Universität Zürich betont. Die entscheidende Aufgabe sei dabei einen Weg zu finden, ausschließlich die schädlichen Bakterien in der Haut zu beeinflussen und die gesundheitsfördernden Keime in Ruhe zu lassen.

"Interessanter Weg"


"Akne-Immuntherapien müssen so entwickelt werden, dass sie keine ungewollten Störungen des Mikrobioms verursachen", schreibt er. "Ob auf den CAMP-Faktor abzielende Impfstoffe auch Einfluss auf harmlose P. acnes-Subtypen oder andere wichtige Hautkommensalen haben, muss sich erst noch zeigen. Der Ansatz stellt jedoch einen interessanten Weg dar, den es weiter zu erforschen lohnt", schließt er. (Journal of Investigative Dermatology, 2018; doi: 10.1016/j.jid.2018.05.03)
(Elsevier, 31.08.2018 - DAL)
 
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