• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 18.11.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Urlaub verlängert das Leben

Mangelnde Erholung kann selbst ein gesunder Lebensstil nicht ausgleichen

Urlaub tut gut: Mal eine Auszeit zu nehmen, ist Balsam für die Seele - und könnte sogar das Leben verlängern. Zu diesem Ergebnis kommt nun eine Langzeitstudie mit männlichen Führungskräften. Wer weniger als drei Wochen im Jahr Ferien machte, starb demnach früher als Viel-Urlaubende. Besonders brisant: Selbst ein ansonsten gesünderer Lebensstil schien die Folgen mangelnder Erholung nicht kompensieren zu können, wie Forscher berichten.
Einfach mal entspannen: Urlaub ist ein gutes Mittel, um Stress abzubauen.

Einfach mal entspannen: Urlaub ist ein gutes Mittel, um Stress abzubauen.

Permanenter Stress kann auf Dauer krankmachen: Vergesslichkeit, Übergewicht, Immunstörungen und Depressionen sind nur einige der vielen möglichen Folgen dieser Belastung. Umso wichtiger ist es, dem Stress im Alltag gelegentlich zu entfliehen und sich eine Auszeit zu gönnen - zum Beispiel in Form eines Urlaubs.

Gestresste Führungskräfte


Timo Strandberg von der Universität Helsinki und seine Kollegen haben nun herausgefunden, dass dies nicht nur kurzfristig der Seele guttut. Regelmäßiger Urlaub könnte sogar lebensverlängernd wirken. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler, nachdem sie die Ergebnisse einer Langzeitstudie mit männlichen Führungskräften ausgewertet haben.

Für die Untersuchung wurden in den Jahren 1974 und 1975 1.222 Probanden rekrutiert. Jeder der zwischen 1919 und 1934 geborenen Studienteilnehmer war im Joballtag regelmäßig Stress ausgesetzt und hatte zudem ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen - sei es durch Rauchen, hohen Blutdruck, Übergewicht oder andere Faktoren.


Paradoxer Effekt


Das Forscherteam teilte die Männer in zwei annähernd gleich große Gruppen ein: Eine Gruppe machte so weiter wie bisher. Die andere erhielt alle vier Monate mündliche oder schriftliche Gesundheitstipps. Darin wurde den Teilnehmern beispielsweise empfohlen, Sport zu treiben, sich gesund zu ernähren oder mit dem Rauchen aufzuhören. Halfen diese Maßnahmen nicht, bekamen die Männer zusätzlich Blutdrucksenker und Medikamente gegen erhöhte Blutfettwerte verabreicht.

Zunächst zeigte sich, dass das Risiko, an einem Herzleiden zu erkranken, in der Interventionsgruppe deutlich sank. Trotzdem waren bei einer Follow-Up-Studie im Jahr 1989 in dieser Gruppe mehr Probanden verstorben als in der Kontrollgruppe. Wie konnte das sein? Um dies herauszufinden, erweiterten die Forscher den Untersuchungszeitraum bis 2014 und schauten sich noch einmal alle für die ursprüngliche Untersuchung erhobenen Daten an - unter anderem auch zu Arbeitsstunden, Schlaf und Urlaubszeiten.

Weniger Urlaub, weniger Schlaf


Das Ergebnis: Bis 2004 gab es in der Interventionsgruppe noch mehr Todesfälle - erst danach glich sich die Sterblichkeit beider Gruppen an. Entscheidend für die höhere Mortalität in der ersten Gruppe schien dabei vor allem ein Faktor zu sein, wie Strandberg und seine Kollegen berichten: die Zahl der jährlich genommenen Urlaubstage.


Wer weniger als drei Wochen Ferien machte, für den war die Wahrscheinlichkeit, zwischen 1974 und 2004 - also im Alter zwischen 40 und 85 - zu versterben, demnach 37 Prozent höher als für Viel-Urlauber. "Die Männer mit kürzeren Urlaubszeiten schliefen in unserer Studie zudem weniger und arbeiteten mehr als die Führungskräfte, die länger Urlaub machten", berichtet Strandberg.

Stressbewältigung ist entscheidend


Das bedeutet: Ein ansonsten gesünderer Lebensstil kann die Folgen mangelnder Erholung offenbar nicht ausgleichen. "Der stressige Alltag hat womöglich die positiven Effekte der Gesundheitsintervention aufgehoben. Womöglich hat sogar die Intervention selbst die Männer zusätzlich gestresst - und somit einen negativen Einfluss gehabt", sagt Strandberg.

Wie er betont, war Stressbewältigung in den 1970er und 1980er Jahren noch kein selbstverständlicher Bestandteil der Präventivmedizin - anders als heute: Gerade für Menschen mit einem erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen ist die Vermeidung von Stress ein wichtiger und anerkannter Faktor in Sachen Vorbeugung.

Ab in den Urlaub!


"Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass Gesundheitserziehung schädlich ist. Sie legen lediglich nahe, dass die Reduktion von Stress ein wichtiger Teil solcher Programme ist - besonders, wenn es um kardiovaskuläre Erkrankungen geht. Und sie zeigen: Urlaub kann ein guter Weg sein, Stress abzubauen", schließt Strandberg. (ESC Congress, Journal of Nutrition, Health & Aging, 2018)
(European Society of Cardiology, 28.08.2018 - DAL)
 
Printer IconShare Icon