• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 16.07.2018
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Ötzi: Seine letzte Mahlzeit

Der Mann aus dem Eis ernährte sich fettreich

Blick in den Magen: Der Gletschermann Ötzi ernährte sich ziemlich fettreich. Noch kurz vor seinem Tod vor gut 5.000 Jahren verspeiste der Südtiroler fettiges Steinbockfleisch, wie nun eine Analyse seines Mageninhalts offenbart. Daneben gehörte aber auch Getreide vom Einkorn und giftiger Adlerfarn zu seiner letzten Mahlzeit. Womöglich nutzte Ötzi das toxische Gewächs als Medizinpflanze, um Bauchbeschwerden zu lindern.
Forscher bei der Entnahme von Magenproben aus der Eismumie "Ötzi".

Forscher bei der Entnahme von Magenproben aus der Eismumie "Ötzi".

Mit dem Fund der Gletschermumie Ötzi hat sich ein einmaliges Fenster in die Vergangenheit geöffnet. Dank des 5.300 Jahre alten Südtirolers wissen Forscher heute mehr darüber, wie die Menschen in der Kupferzeit lebten. Ein Geheimnis hat der Mann aus dem Eis bisher allerdings nur in Teilen preisgegeben: wovon er und seine Zeitgenossen sich ernährten.

Aus früheren Analysen seines Darminhalts lässt sich schließen, dass Ötzi zu Lebzeiten sowohl Pflanzen wie Moose als auch fleischliche Nahrung verspeiste. Um genauere Erkenntnisse über die Ernährungsweise und insbesondere die "Henkersmahlzeit" Ötzis zu erlangen, haben Frank Maixner vom Institut für Mumienforschung in Bozen und seine Kollegen nun auch den Magen der Mumie unter die Lupe genommen.

Ötzis Verdauungstrakt auf einer Röntgenaufnahme (rechts). In den Probenbehältern schwimmt sein rehydrierter Mageninhalt.

Ötzis Verdauungstrakt auf einer Röntgenaufnahme (rechts). In den Probenbehältern schwimmt sein rehydrierter Mageninhalt.

Ganz schön fettig


Dies war lange Zeit nicht möglich, weil Ötzis Magen zunächst gewissermaßen verschollen war: Das Organ war beim Mumifizierungsprozess nach oben gerutscht und konnte erst im Jahr 2009 als solches identifiziert und schließlich untersucht werden. "Der Mageninhalt war im Vergleich zu den Proben aus dem Darm gut erhalten und enthielt große Mengen von Biomolekülen wie Lipiden, die wir für unsere Analysen nutzen konnten", berichtet Maixners Kollege Albert Zink.


Für ihre Untersuchung kombinierten die Wissenschaftler die klassische Mikroskopie mit modernen molekularen Analyseverfahren, um der genauen Zusammensetzung von Ötzis letzter Mahlzeit auf die Schliche zu kommen.

Steinbock und Rotwild


Dabei zeigte sich, dass sich der Mann aus dem Eis offenbar sehr fettreich ernährte. Ungefähr die Hälfte des Mageninhalts machte demnach Fettgewebe aus, das Ötzi zu Lebzeiten in Form von frischem oder getrocknetem Wildfleisch zu sich nahm – vermutlich stammte es vom Steinbock, doch auch Rotwild könnte der Südtiroler noch kurz vor seinem Tod gegessen haben.

Dass Ötzi so viel fettes Fleisch verspeiste, macht Zink zufolge nur Sinn: "Die Höhenluft und die Kälte in den Hochalpen verlangen der menschlichen Physiologie einiges ab. Um gefährliche Energieverluste zu vermeiden, ist eine optimale Nährstoffversorgung in einer solchen Umgebung besonders wichtig. Der Mann aus dem Eis scheint gewusst zu haben, dass Fett eine exzellente Energiequelle ist."


Giftige Pflanzenkost


Neben Fleisch enthielt Ötzis Magen aber auch pflanzliche Kohlenhydrate, unter anderem Einkorn-Getreide. Darüber hinaus fanden die Forscher überraschenderweise Spuren von Adlerfarn – überraschend deshalb, weil diese Pflanze giftig ist. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Gletschermann den Farn als Medizin nutzte, um zum Beispiel Bauchbeschwerden zu lindern. Schließlich litt er an einem Magenkeim und schleppte außerdem parasitäre Würmer in seinem Verdauungstrakt mit sich herum.

Genauso gut könnte Ötzi die Blätter des Farns aber auch als Verpackungsmaterial für seine Lebensmittel genutzt haben und das Gift versehentlich über Verunreinigungen aufgenommen haben, schließt das Forscherteam. (Current Biology, 2018; doi: 10.1016/j.cub.2018.05.067)
(Cell Press, 13.07.2018 - DAL)
 
Printer IconShare Icon