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Sonntag, 18.11.2018
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Ältestes Syphilis-Genom entdeckt

Forscher bergen erstmals Erbgut von Treponema-Bakterien aus der Kolonialzeit

Gefährliche Geschlechtskrankheit: Forscher haben aus 350 Jahre alten Skeletten DNA-Spuren des Syphilis-Erregers geborgen. Es ist die erste Rekonstruktion von Treponema pallidum-Genomen aus archäologischem Material überhaupt und damit auch die älteste. Dies könnte die Erforschung der Geschichte der Krankheit künftig deutlich erleichtern, wie das Team berichtet. Denn bisher konnten Archäologen nur anhand optischer Symptome auf ein Syphilis-Leiden schließen – diese lassen sich jedoch leicht mit verwandten Krankheiten verwechseln.
350 Jahre alte Knochen eines Kindes, das zu Lebzeiten an Syphilis litt

350 Jahre alte Knochen eines Kindes, das zu Lebzeiten an Syphilis litt

Die Infektionskrankheit Syphilis wird vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen und kann bei schwerem Verlauf sogar tödlich enden. Auslöser der wegen ihrer vielen unterschiedlichen Symptome auch als "Chamäleon der Medizin" bezeichneten Erkrankung ist ein Erreger namens Treponema pallidum. Das früher weit verbreitete Bakterium wurde mit der Entdeckung der ersten Antibiotika Anfang des 20. Jahrhunderts zunehmend zurückgedrängt - in letzter Zeit tritt die Syphilis weltweit jedoch wieder vermehrt auf.

Woran litten die Verstorbenen?


Trotz ihrer historischen und heutigen Bedeutung sind der Ursprung und die Evolution der Syphilis noch immer nicht gut erforscht. Wo entstand das Leiden? Und wann und wie kam es nach Europa? Bei der Beantwortung dieser Fragen könnte in Zukunft ein spektakulärer Fund helfen. Denn Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, aus archäologischem Material das Genom des Syphilis-Bakteriums zu rekonstruieren.

Gemälde des Kloster-Konvents Santa Isabel in Mexiko - der Fundort der Skelette

Gemälde des Kloster-Konvents Santa Isabel in Mexiko - der Fundort der Skelette

Für ihre Studie untersuchten Verena Schünemann von der Universität Zürich und ihre Kollegen die Skelette von fünf Individuen, die vor rund 350 Jahren in einem früheren Franziskaner-Kloster in der Unterstadt von Mexiko-Stadt begraben wurden. Die Knochen wiesen charakteristische Veränderungen auf, die typisch für eine Syphilis- oder Frambösie-Erkrankung sind. Die Frambösie wird ebenfalls von Treponema-Bakterien verursacht: Sie löst beim lebenden Patienten zwar andere Symptome als die Syphilis aus, hinterlässt am toten Körper jedoch ganz ähnliche Spuren.


Genome von zwei Unterarten


Unter welchem Leiden hatten die Verstorbenen nun zu Lebzeiten gelitten? Dies offenbarten die bakteriellen DNA-Spuren, die die Wissenschaftler bei drei der Individuen fanden. Das Team identifizierte zwei Genome der Unterart T. pallidum ssp. pallidum – den Auslöser der Syphilis – und ein Genom der Frambösie verursachenden Unterart T. pallidum ssp. pertenue.

"Unsere Arbeit belegt den Wert einer molekularen Identifikation alter Krankheitserreger, vor allem bei den mit Syphilis verwandten Krankheiten, die zu ähnlichen Knochenveränderungen führen", sagt Schünemann. Nur mit genetischen Methoden habe sich die Krankheitsursache bei den Toten sicher feststellen lassen.

Sichere Diagnose


Zuvor hatten Experten es für unmöglich gehalten, Treponema-Bakterien aus alten Proben zu bergen. Dass dies nun doch möglich ist, erlaubt es künftig, historische Syphilis-Fälle sicher als solche zu identifizieren – und die Evolutionsgeschichte der Krankheit genauer zu erforschen. Wie das Forscherteam berichtet, war bisher etwa strittig, ob Syphilis ursprünglich ein Leiden der Neuen Welt ist und erst während der Kolonialzeit nach Europa geschleppt wurde oder ob die Krankheit schon vorher in der europäischen Bevölkerung verbreitet war.


"Weitere Untersuchungen von zusätzlichen alten Proben aus aller Welt werden unser Verständnis der Krankheit weiter verfeinern", schließt Mitautor Johannes Krause vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. (PLOS Neglected Tropical Diseases, 2018; doi: 10.1371/journal.pntd.0006447)
(Max-Planck-Gesellschaft/ Eberhard Karls Universität Tübingen, 22.06.2018 - DAL)
 
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