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Mittwoch, 24.10.2018
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Keine Haie mehr

In den meisten tropischen Korallenriffen fehlen inzwischen die Top-Prädatoren

Verschwundene Räuber: Biologen stellen einen alarmierenden Schwund großer Raubfische in Korallenriffen weltweit fest. Nur in einem Viertel der Riffe gibt es überhaupt noch Haie und andere Top-Prädatoren – und diese wenigen Refugien liegen meist in abgelegenen Meeresschutzgebieten, wie ihre Studie enthüllt. Geschützte Gebiete vor dicht besiedelten Küsten dagegen sind trotz Fischereiverbots oft stark verarmt – keine gute Nachricht für die Meeresumwelt.
Ein Grauer Riffhai - eigentlich ein typischer Bewohner von tropischen Korallenriffen. Doch diese großen Raubfische werden immer seltener.

Ein Grauer Riffhai - eigentlich ein typischer Bewohner von tropischen Korallenriffen. Doch diese großen Raubfische werden immer seltener.

Korallenriffe sind Hotspots der Artenvielfalt sowie Refugium und Kinderstube für unzählige Arten von Fischen. Sie bieten den Meerestieren reiche Nahrung, aber auch schützende Deckung. Doch diese so wertvollen Oasen des Meeres geraten immer mehr unter Druck: Fischerei, Wasserverschmutzung und die vom Klimawandel begünstigte Korallenbleiche setzen den Korallenriffen und ihren Bewohnern zu.

Wie viele Menschen wie nah?


Doch was bedeutet dies für die Lebenswelt der Riffe? Wie gut können diese ihre Funktion als Refugium und Oase noch erfüllen? Um das zu klären, haben Joshua Cinner vom australischen Zentrum für Korallenriffforschung und sein Team den Zustand von 1.798 tropischen Riffen weltweit untersucht. Sie ermittelten dafür die Fisch-Biomasse und die Zahl der Top-Prädatoren in diesen Riffen.

Zusätzlich aber wollten die Forscher wissen, wie stark der menschliche Einfluss auf die verschiedenen Riffe ist. Dafür notierten sie einerseits den jeweiligen Schutz- und Fischereistatus der Gebiete. Andererseits ermittelten sie, wie viele Menschen in welcher Entfernung von den Riffen leben. Denn, so ihre Logik, je näher ein Riff an einer dicht besiedelten Küste liegt, desto mehr Störungen, Verschmutzung und direkte Eingriffe wird es erfahren.

Unter dem Ausdruck "Human Gravity" fassen die Forscher die Dichte und Nähe der menschlichen Präsenz zusammen.

Unter dem Ausdruck "Human Gravity" fassen die Forscher die Dichte und Nähe der menschlichen Präsenz zusammen.

Drastischer Schwund von Hai und Co


Das Ergebnis: In den meisten Korallenriffen gibt es kaum noch Haie und andere große Raubfische. "Top-Prädatoren haben wir nur noch in 28 Prozent der Riffe gefunden", berichten die Forscher. Bei diesen Riffen handelt es sich meistens um Gebiete, die weitab von menschlicher Besiedlung in entlegenen und geschützten Meeresgebieten liegen.


In allen anderen Riffen jedoch sind Haie und andere Top-Prädatoren selten geworden: "Die Wahrscheinlichkeit, Top-Prädatoren in Riffen mit starkem menschlichen Einfluss zu begegnen, war nahe Null", berichten Cinner und seine Kollegen. Das Alarmierende daran: Betroffen von diesem Raubfisch-Schwund sind auch Korallenriffe in küstennahen Meeresschutzgebieten – und damit in Arealen, die eigentlich als Refugien gedacht sind.

Viermal weniger Fisch-Biomasse


Doch die Haie und großen Räuber sind nicht die einzigen, die selbst in Meeresschutzgebieten unter einer Belastung durch den Menschen leiden: Der Schwund gilt auch für die Fischfauna insgesamt, wie die Forscher feststellten: "Die Fisch-Biomasse in Schutzgebieten mit geringem menschlichen Einfluss war gut viermal größer als in Meeresschutzgebieten mit hoher Belastung", so Cinner und seine Kollegen.

Immerhin: Ein wenig scheinen Schutzgebiete den Fischen schon zu helfen. Denn in ihnen liegt die Fischdichte selbst bei sonst starkem menschlichen Einfluss noch immer höher als in komplett ungeschützten Ozeangebieten. "Für viele Fischarten bringen Meeresschutzgebiete daher durchaus etwas", sagt Cinner.


Zu klein für Hai und Co?


Allerdings: Den Haien und anderen große Raubfischen scheint dies nicht viel zu helfen. Sie schwinden selbst in strengen Schutzgebieten. Warum, ist bisher noch unklar. Die Wissenschaftler vermuten aber, dass der Fischfang in der Umgebung der geschützten Areale eine der Ursachen für den Haischwund ist. Weil die großen Räuber oft weite Territorien durchschwimmen, geraten sie schnell über die Grenze des Schutzgebiets hinaus – und werden dann Opfer von Fischern.

Für die Haie sind daher nur entlegene und insgesamt wenig befischte und gestörte Ozeanbereiche ein echtes Refugium – und von diesen gibt es nicht mehr viele. Nach Ansicht der Forscher spricht dies auch dafür, dass viele Meeresschutzgebiete – gerade vor dicht besiedelten Küsten – schlicht zu klein sind, um den Hai und Co zu nützen.

"Unsere Ergebnisse illustrieren einen entscheidenden Faktor für Meeresschutzgebiete: Für die Fisch-Biomasse können selbst Schutzgebiete in stark besiedelten Gebieten etwas bringen", so die Forscher. "Doch die Präsenz der Top-Prädatoren hängt davon ab, wie stark der menschliche Einfluss in der gesamten umliegenden Meeresumwelt ist." (Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 2018; doi: 10.1073/pnas.1708001115)
(Lancaster University, 20.06.2018 - NPO)
 
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